Prairie

Prairie – Like A Pack Of Hounds (2015)

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Prairie – Like A Pack Of Hounds
Label: Shitkatapult, 2015
Format: Vinyl
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: Noise, Experimental, Ambient

Scharfkantige Klippen, Sandstürme am Horizont. Alleine kämpft sich eine verhüllte Gestalt durch die kargen Landschaften und scheint etwas zu suchen. Zwischendurch reissen die Wolken auf und die gleissende Sonne brennt nieder, nur um gleich wieder von schwarzen Flecken und Blitzen verdrängt zu werden. Eine Szene wie in einem von Drogen durchtränkten Western, voller verstörender Bilder, kaputter Filmrollen und Verschmutzungen. „Like A Pack Of Hounds“ – das erste vollwertige Album von Prairie ist ein wundersames Konstrukt.

Marc Jacobs aus Oregon erschafft seit 2013 introvertierte Lieder, welche die normalen Sphären der Musik meist verlassen. Die Stücke auf der Platte schaffen es, Härte und eine kratzende Wirkung bekömmlich zu gestalten und wohlwollend den Hals hinunter zu gleiten. Es ist, als ob das Hustenbonbon nun plötzlich aus rostigem Metall besteht, aber trotzdem lecker schmeckt und erlöst. Die Klangwelten verlassen jegliche Struktur und schwanken zwischen beklemmendem Ambient, experimenteller Schichtung und wilden Noise-Attacken. Dies geschieht mal leise und mal krachend, aber immer faszinierend durchdacht und ausgeführt. Wahnsinnig präzise eingesetzte Riffs und Keyboardflächen werden elektronisch verwandelt und gestalten aus der Musik eine Reise in die Träume von verwirrten Köpfen.  „Closed For Thirty Midnights“ holt den verwundeten Indie auf die Platte, der scheinbar vom Wagen gefallen ist und nun dem Strassenrand entlang humpelt. Ein seltener Moment von klassischem Songwriting, durch Prairie aber gewagt ausgeführt.

„Like A Pack Of Hounds“ ist anmutige Musik, die man immer wieder hören kann und die bei jedem Durchgang frisch erscheint. Prairie stehen für Forschungsreisen und Traummalereien, für Menschen, die auf der Welt die bösen Begleiter erkannt haben. Abgelegen und fremd ist die Heimat dieses Künstlers, als ob man in einer anderen Dimension gelandet wäre und sich nun durch unbekannte Ortschaften schleppen muss. Eine Reise, die aber immer schön und wohltuend ist.

Anspieltipps:
Looking Back My Sweet, Elle See, A Demon Will Hurt You

Live: Apparat – Soundtracks, Kaserne Basel, 15-11-05

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Apparat
Support: Prairie
Donnerstag 05.11.2015
Kaserne, Basel

Alles ist dunkel, nur schwaches Licht erhellt die Umgebung und flackert immer wieder. Langsam schiebt sich unter tiefem Dröhnen eine Kugel in die Mitte des Blickfeldes. Ist es der Mond? Man schliesst die Augen und verliert sich wieder in den immer stärker anschwellenden Akkorden und Klangwänden. Der Oberkörper beginnt im Takt zu schwanken, vor dem geistigen Auge blitzen Sterne und Lichtstrahlen auf. Und dann plötzlich durchsticht eine liebliche Stimme die sonischen Eruptionen, wie bei einem Orgasmus bebt das Fleisch. Als dann plötzlich Ruhe eintritt und die Halle von lautem Applaus und Jubel gefüllt wird, erschrickt man und findet seine Füsse plötzlich wieder am Boden und in der Realität. Wohin war man in den letzten Stunden geistig gereist?

Vielleicht war es keine schlechte Idee, das Konzert bestuhlt zu spielen und das Publikum somit aufzufangen. Apparat zeigten in Basel einen Querschnitt ihres Filmmusikschaffens und verliessen sich ganz auf die betörende Wirkung der meist instrumental gehaltenen Musik. Fantastisch strukturierte Lieder, wie eine Wanderung auf einen Berg in einer sternenklaren Nacht. Bebende Beats zwischen verschwommenen Keyboardschichten, wie das Waten durch Landstriche voller Moorlichter. Ob die einzelnen Stücke nun von „Krieg und Frieden“ oder anderen Alben stammen, spielte keine Rolle, denn jeder Moment vermengte sich zu einer unfassbar intensiven Erfahrung. Elektronik kombiniert mit Streichern, hoch emotionaler Gesang mit kalten und schroffen Rhythmen. Was schon als Album für melancholische Freude sorgt, wird live zu einer Wucht. Sascha Ring offenbarte sein Genie auf eindrückliche Weise und liess niemanden kalt.

Die optische Begleitung von Transforma war noch die Krönung. Der Künstler erschuf die Visuals zeitgleich mit der Musik, mit Hilfe von Beamer, Kameras und unzähligen Gegenständen und Strukturen. Mitten auf der Bühne, zwischen Kabel und Instrumenten. Obwohl das Konzert eigentlich dazu aufrief, mit geschlossenen Lidern den Notenfolgen nachzuträumen, waren die erzeugten Bilder auf der Leinwand hinter der Gruppe unglaublich stark und einfallsreich erzeugt. Selten gehen Musik und Optik eine solch perfekte Symbiose ein, verzahnen sich ineinander und verstärken sich. Der Auftritt verging somit viel zu schnell und Basel verlor sich in einem schwarzen Loch. Niemand und nichts konnten sich dem Sog von Apparat entreissen, sogar das Licht verschwand zwischen Liedern und Klängen.

Dies wagten bereits Prairie zuvor als Einstimmungsgruppe und spielten ihre lärmdurchzogene Ambientmusik mit Gitarre, Synths und Geige. Nicht immer einfach zugänglich und eher für Freunde der abstrakten Musik, doch in eigener Weise schön und verletzlich. Begleitet zu Super 8 Filmen erschufen Marc Jabobs und seine Musiker Stimmungswelten zwischen Sunn O))) und Ambientwüsten. Verzerrung und Rausch, ein gelungener Einstieg in einen Abend, der in seiner Schönheit so manchen Musikmoment von 2015 überstrahlte.

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