Post

Björk – Post (1995)

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Björk – Post
Label: One Little Indian 1995 / Repress 2000
Format: Vinyl
Links: Discogs, Künstlerin
Genre: Electronica, Folk-Pop, Trip-Hop

Eigentlich ist es eine fast unmögliche Arbeit, über bereits weltbekannte Alben wie „Post“ von Björk, noch etwas Neues zu schreiben. Diese Platte wurde seit ihrem ersten Erscheinen 1995 unzählige Male rezensiert, auseinander genommen und besprochen. Trotzdem möchte ich euch heute meine Meinung dazu auftischen, gerade weil mich das zweite Album der Isländerin bis heute am meisten begeistert und öfters gespielt wird als die anderen. Bühne frei für den Triumphzug voller Elektronik.

„Army Of Me“ dient nicht nur als Eröffnung, sondern schlägt gegenüber dem Erstling „Debut“ neue Wege ein. Björk verwendet hier nicht nur massig Synthies und einen harten Schlagzeugbeat, sondern gestaltet damit eine kühle und geradlinige Atmosphäre, die mit dem Gesang scheinbar direkt den Hörer anspricht. Man sollte die Musikerin bloss nicht nerven, sonst muss man sich mit einer Armee von ihr rumschlagen. Das Lied fasziniert übrigens auch in der heftigen Remix-Variante aus dem doch eher sonderbar, geilen Film, Sucker Punch. Um sich etwas zu beruhigen folgt auf „Post“ aber „Hyper-Ballad“, mit dem Björk nicht nur versöhnlich, sondern auch in bekannter Weise musiziert. Sphärisch und mit ihren einzigartigen Gesang erzählt sie uns Geschichten. Das Lied beweiss zugleich, dass ihr zweites Album extrem ausgewogen und abgestimmt ist. Auf heftige Electronica folgt sanfte Folktronica, leise mischt sich mit laut. Die reise durch ihr Zweitwerk gestaltet sich sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Gegenpole bestreiten ihre Position nebeneinander und vermengen sich zu einem faszinierenden Ganzen. Kuriositäten, welche bei Björk an der Tagesordnung stehen, findet der Hörer auch hier. So wird in „The Modern Things“ die hübsche Theorie unterbreitet, alle aktuelle Technologie existiere seit der Urzeit, hielt sich aber versteckt. Genau wegen dieser liebenswürdigen Verschrobenheit begeistert die isländische Künstlerin.

Mit „Isobel“, „Enjoy“ und „I Miss You“ legt das Album nicht nur drei weitere Klassiker vor, sondern die Musikerin schrieb mit diesen Liedern eindeutig Songs, die für immer strahlen und wichtig bleiben werden. Dank all diesen Punkten ist „Post“ eine umwerfende Platte und erstaunlich zugänglich. Wohl der grösste Grund, wieso gerade dieses Werk von Björk bei mir am besten Anklang findet. Meist erfasse ich ihre Avantgarde zu wenig, gemischt mit Bass und Beat offenbaren sich aber völlig neue Reize. Da ist sogar eine Bigband erlaubt („It’s Oh So Quiet“).

Anspieltipps:
Army Of Me, Isobel, I Miss You

Monophona – Blackonblack (2015)

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Monophona – Blackonblack
Label: Kapitän Platte, 2015
Format: Vinyl mit Inlay, Download und Postkarten
Links: Discogs, Band
Genre: Indie, Electronica, Post

Dank dem wunderbaren Label Kapitän Platte aus Bielefeld, erhalte ich in angenehmen Abständen immer frische Musik ins Haus geliefert. Meist befindet sich auf den liebevoll verarbeiteten Platten Musik, die ich zuvor noch nie gehört hatte. Der neuste Streich hat sich in eng anliegende schwarze Hosen und einen Mantel gehüllt und wird von dem Trio Monophona aus Luxemburg aufgeführt. Nun das ist ein Novum für meine Sammlung, dieses Land blieb bisher unbefleckt auf der Weltkarte. Das daraus etwas wie „Blackonblack“ entspringen kann, hat mich total unvorbereitet erwischt.

Der Zweitling von Monophona ist ein verrücktes Ding, eine mutige Mischung aus Zurückhaltung und Direktheit. Die Band besteht aus Claudine Muno, Philippe Schirrer und Jorsch Kass, wobei diese drei Musiker und Musikerin Schlagzeug, Programming und Gesang in einer Weise kombinieren, wie man es selten hört. Ihre Wurzeln finden sie dank DJ Schirrer im Drum’n’Bass, in der düsteren Electronica und sogar dem Postrock. Der Umgang mit den Keyboards und Synthies zeugt in jedem Lied von einem hohen musikalischen Verständnis dieser Stile und kombiniert das Digitale grossartig mit dem Analogen. Wenn bei „Yes Yes“ der Rock hinter dem Sofa hervor kommt und das real gespielte Schlagzeug die Drumcomputer zertrümmert, ist das nicht nur eine Abkehr des doch eher abstrakt elektronischen Begins, sondern eine logische Steigerung. Monophona beherrschen den Umgang mit Abwechslung und Diversität, sie verbinden gegensätzliche Genres und Spielweisen zu einer offensichtlichen Logik. Konstant in eine dunkle Atmosphäre gehüllt, strahlen die Lieder in Schwarzlicht und die Welt wird monochrom. Ihre Musik macht es mir nicht einfach, die Worte zur Umschreibung zu finden, wobei Adjektive wie grossartig, neuartig, faszinierend, sehr passend sind. Oft baut das Gehirn Verbindungen zu anderen Bands wie Trentemöller, Paris XY oder der hübschen Indietronica. Der Gesang von Claudine ist betörend und ihr süsser Akzent zum verlieben, Björk lässt Grüssen.

„Blackonblack“ ist eine Wundertüte an Sounds, Klang und Musik. Jedes Lied ist wie eine neue Welt, die man erforschen und erobern will. Dabei ist die Reise fordernd, aber trotzdem schnell zu erfassen. Wieder so ein Gegensatz der eigentlich nicht funktionieren sollte, aber scheinbar sind solche Regeln in Luxemburg egal. Zum Glück auch, denn solche Musik hat nicht nur Gehalt sondern auch Zukunft. Monophona sind eine extrem talentierte Band die man unbedingt verfolgen muss. Und jetzt hört selber rein, das ist erschliessender als lesen. Auf der Bandcamppage des Labels ist das gesamte Album zum streamen (und kaufen) erhältlich.

Anspieltipps:
Yes Yes, The Hill, Ricochet