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Moby – Porcelain A Memoir (2016)

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Moby – Porcelain  A Memoir
Verlag: Faber & Faber, 2016
Autor: Moby
Seiten: 416, Paperback
ISBN: 9780571321483
Link: Goodreads

Moby liebt unsere Welt, und ich liebe Moby. Schon seit Jahren begleitet mich seine Musik in meinem Leben, durch schwierige und einfache Zeiten. Aber nicht nur klanglich begeistert mich der Mann, nein – auch seine Einstellungen zu komplexen Themen und die Ehrlichkeit seines Auftretens sind wunderbar sympathisch und erstrebenswert. Er schafft es, sperrige Dinge wie Religion, Ernährung, Politik und Ruhm unter einen Hut zu bringen – ohne sich dabei selber aus den Augen zu verlieren.

Doch nicht immer gelang ihm dies so perfekt, wie es heute den Anschein macht. In den 90er-Jahren war sein Leben ein schwieriger Spiessrutenlauf zwischen Raves, bröckelnden Beziehungen und dem Wunsch, endlich bekannt zu werden. Mit „Porcelain“ lädt uns Moby nun ein, in die Anfänge seiner wundersamen Karriere einzutauchen. Der Musiker bleibt als Autor immer unglaublich ehrlich, selbstironisch und direkt. Er betrachtet seine wilden und auch schlimmen Jahre mit gesundem Abstand und einem herrlichen Humor. Sicherlich schocken gewisse Erkenntnisse – so verlor sich der Künstler nach der Veröffentlichung seines Debüts leider im Alkoholrausch, seine Mutter starb früh an Krebs, die Liebe lässt immer auf sich warten – alles in allem ist das Buch aber eine wunderbar vergnügliche Angelegenheit. Die Wortwahl und Art der Beschreibungen lässt einen schmunzeln oder sogar laut herauslachen, Moby offenbart hier ungeahnte Qualitäten als Wortdichter. Seine Ahnen hätten die wohlige Freude.

Biografien von Musikern gibt es unzählige, doch mit „Porcelain“ hat Moby etwas vorgelegt, das man nur selten antrifft. Ein direktes und offenes Abbild einer Zeit, die viele andere Musiker wohl beschönigt vergessen würden. Aber nicht hier, denn Fehler und Fehlentscheidungen formen einen Menschen schliesslich zu dem, was er heute ist. Bei Moby ist es ganz klar eine faszinierende und starke Persönlichkeit voller interessanter Ansichten und Gedanken. Nicht immer ohne Widerspruch, nicht immer ganz korrekt – darin aber umso menschlicher und identifizierbar. Schade endet das Buch kurz vor der Fertigstellung seines dritten Albums „Play“ – vielleicht aber folgt ja einmal eine Fortsetzung. Jetzt aber auf zum nächsten Rave!

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Moby – Porcelain (2016)

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Moby – Porcelain
Label: Little Idiot, 2016
Format: 2 CDs in Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, Dance, Hip-Hop

Zusammenstellungen der bekanntesten Lieder sind eine gute Möglichkeit, einen vergessenen oder inspirationsarmen Künstler wieder bekannter zu machen. Moby hätte dies eigentlich nicht nötig, der amerikanische Pionier der elektronischen Tanzmusik ist bis heute in aller Munde und überrascht immer wieder mit neuen Aussagen und Songs. Mit seinem Buch „Porcelain“ gibt es nun aber viele gute Gründe, die musikalischen Anfänge seiner Karriere noch einmal genauer zu betrachten. Und da bietet die gleichnamige Best-Of einige Rechtfertigungen, um die eigene Sammlung mit dem Set zu erweitern.

Moby taucht in seinem Buch tief in die 90er-Jahre ein und erzählt von seinen Anfängen als DJ und Musiker, erklärt die damalige Szene und bleibt dabei immer sehr persönlich. Schnell entsteht beim Lesen somit die Lust, selber an den Partys teilzunehmen und die beschriebenen Songs anzuhören. „Porcelain“ macht dies nicht nur möglich, es versammelt sogar zum ersten Mal bestimmte Mixe und Lieder des Künstlers auf einer Scheibe. Endlich gibt es „Natural Blues“ neben „Go! (Woodtick Remix)“, dazwischen poltert der frühe House und sogar der Gabber. Man fühlt sich versetzt auf Raves, direkt neben dem jungen Moby am Keyboard. Sicherlich hört sich manches heute etwas angestaubt an, die Tracks machen aber immer noch sehr viel Spass.

Um die Zeitreise perfekt abzurunden, bietet die zweite CD eine Auswahl an Stücken, die Moby damals gerne in seinem Studio, seiner Wohnung oder im Club gehört hat. Daraus hört man nicht nur Inspiration und Ansporn, sondern auch einen Querschnitt durch die damalige Szene in New York. Trance und Dance geben Hip-Hop und Punk die Hand, Hauptsache eine starke Attitüde. Hier gibt es vieles zu entdecken und noch mehr zu geniessen, denn die damalige Zeit ist einem selten so nahe wie mit dieser herzvollen Zusammenstellung von Moby.

Anspieltipps:
Go! (Woodtick Remix), Rock The House, Feeling So Real
Pacific State (808 State), Pause (Run DMC), Dream Frequency (Feel So Real)

Moby – Almost Home, Live At The Fonda (2014)

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Moby – Almost Home, Live At The Fonda
Label: Little Idiot, 2014
Format: 2CD, 2 DVD Digipack
Links: Discogs, Musiker
Genre: Electronica, Pop, Dance

Über Moby muss nicht viel geschrieben werden, der Mann hat sich seit den Neunziger zu einer Grösse in der Musikwelt entwickelt und eine eingeschworene Fangemeinschaft begleitet all seine Projekte. So wird jedes neue Album gespannt erwartet und mit offenen Armen empfangen, wie auch letztes Jahr „Innocents“. Die Platte setzt den angefangenen Weg fort und bereichert den Moby Kosmos mit weiteren schönen Songs in seiner speziellen Mischung aus Electronica, Pop und Traum. Als der Künstler dann aber verkündete, er spiele nur drei (!) Konzerte in Los Angeles und keine ganze Tour, verspürten viele Menschen einen Stich im Herzen. Moby live zu erleben ist eine unbeschreibliche Erfahrung und lohnt sich jedes Mal. Als Linderung des Schmerzes wurde ein Konzert per Streaming im Internet übertragen und ist jetzt als CD-DVD Paket erhältlich.

Das knapp dreistündige Konzert aus dem Fonda in LA besteht aus zwei Sets. Im ersten Teil spielt Moby mit seiner Band das komplette Innocents Album, danach folgt ein grosses Best Of seiner ganzen Karriere. Das ganze Konzert wurde sehr geschmackvoll gestaltet. So ist das Fonda ein altes Theater aus den 20er Jahren in welchem 2000 Zuschauer Platz finden, die Band steht komplett in weiss gekleidet auf der Bühne und die Lichtshow ist reduziert aber unterstützt die Lieder perfekt. Streichinstrumente sind nicht Sampels sondern echt, ein Chor singt mit. Moby selber spielt in schwarzer Kleidung Gitarre, Bongo, singt, hüpft, springt und spricht zwischen den Songs viel mit dem Publikum. Dabei erzählt er wie an jedem seiner Konzerte auf seine sympathische Art Anekdoten aus dem Musikerleben, bedankt sich tausend Mal bei Musiker und Publikum und geniesst den Abend komplett. Das überträgt von Beginn an eine wunderbare Stimmung auf die Zuschauer und auch wenn man sich das Konzert nun zu Hause auf dem Sofa anschaut glaubt man selber dabei zu sein und wird echt mitgerissen.

Innocents ist ein eher ruhiges Album, besitzt aber alle klassischen Moby Qualitäten. Echt toll ist, dass alle Gaststars auch live mit dabei sind. Es geben sich unter anderem Damien Jurado, Greg Dulli, Mark Lanegan und Skylar Grey die Klinke in die Hand. Das sorgt für Abwechslung und vergibt dem Konzert einen zusätzlichen Wert. Schön ist es, dass auch Moby selber immer wieder ehrfürchtig zu diesen Menschen schaut und zeigt: Er ist für sein Leben unendlich dankbar und weiss dies ist nicht selbstverständlich, Musik ist Leben. Wenn dann der Teil mit der Werkschau beginnt benötigen die Songs keine Gäste mehr. Ihre Qualität spricht für sich, denn die Lieder wurden vor dem Konzert von den Fans im Netz ausgewählt. Natürlich sind alle Hits dabei wie „Porcelain“, „Lift Me Up“, „Extreme Ways“ oder „In My Heart“. Auch die Anfangsphase der Karriere wird mit alte Ravesongs wie „Feeling So Real“ beachtet. Jeder der gerne Moby hört wird mit dieser Setlist zufrieden sein. Nicht verwunderlich ist dabei, dass die Zuschauer im Fonda aus der ganzen Welt angereist sind und per Stream über 500’000 zusätzliche Fans eingeschaltet haben. Dieses Livedokument lohnt sich nicht nur für den harten Kern der Moby Fans sondern für alle die mit seiner Musik etwas anfangen können. Berührt, macht glücklich und beeindruckt. Moby du bist weiterhin der Beste, aber bitte spiel doch wieder einmal in Europa.

Anspieltipps:
The Perfect Life, The Last Day, Go, Raining Again