Peaceville

Katatonia – The Fall Of Hearts (2016)

Katatonia_THe Fall Of Hearts_MBohli_1

Katatonia – The Fall Of Hearts
Label: Peaceville, 2016
Format: Vinyl in Buch, mit CD und DVD
Links: Discogs, Band
Genre: Metal, Art-Rock, Doom

Wenn eine angesehene und etablierte Band ihr neustes Album mit einem solch wahnsinnig guten Lied wie „Takeover“ beginnt, dann weiss man: Hiermit erreichten die Musiker einen neuen Zenit. Die geliebte Schwermut und Jonas Renkses toller Gesang mischt sich mit einem Ideenreichtum, das an den Modern Prog erinnert – und über allem thront eine Gitarrenarbeit, die ihresgleichen sucht. „The Fall Of Hearts“ ist nicht nur ein weiteres Album der wichtigen Band aus Schweden, es ist ein wuchtiges Ereignis.

Katatonia haben ihren zweiten Körper als stimmungsvolle und tieftraurige Art-Metal Band perfektioniert und begeistern seit 1999 mit ihren dunklen und emotionsgeladenen Liedern. Es ist nicht mehr wichtig, die Hörer technisch und mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke zu vernichten, Atmosphäre und Komposition halten die Führungsposition. „The Fall Of Hearts“ setzt dabei auf bekannte Mittel der Gruppe, verbindet diese aber in schwindelerregender Perfektion. Melodien, Breaks und Arrangements in akustischer Form ergänzen sich und jeder Song wartet mit Wendungen auf. Dabei halten sich Zugänglichkeit und komplexere Strukturen die Waage, die Geheimnisse packen sofort.

Katatonia_THe Fall Of Hearts_MBohli_2Genau deswegen ist es wiederum etwas schwierig, einzelne Lieder aus „The Fall Of Hearts“ herauszulösen. Wie immer bei Katatonia ist die Musik hier ein lebendig erscheinendes Wesen, das seine Form immer wieder neu annimmt und seine Elemente umwandelt. Technisch perfekt ausgearbeitet, wuchtig präsentiert und wie immer mit beiden Füssen in der trauernden Dunkelheit ist diese Veröffentlichung eine Grosstat für alle Schattenbewohner. Für über eine Stunde darf man in eine andere Welt eintauchen und Meistern dabei zuhören, wie sie grossartig verschiedene Stile mischen und daraus ihre ureigene Art von Musik brauen. Besser waren Katatonia noch selten.

 

Anspieltipps:
Takeover, Sanction, The Night Subscriber

Katatonia – Kocytean (2014)

Ulver_Kocytean_MBohli

Katatonia – Kocytean
Label: Peaceville, 2014
Format: Oranges Vinyl, Record Store Day Pressung
Links: Discogs, Band
Genre: Goth Metal, Dark Rock

Der Record Store Day ist eine tolle Angelegenheit, bei der viele Bands spezielle Veröffentlichungen für Vinylliebhaber pressen lassen. So haben dieses Jahr auch Katatonia der fröhlichen Stimmung des Tages mit ihrem tieftraurigen Goth-Rock etwas hinzugefügt. „Kocytean“ ist eine kleine Sammlung von B-Seiten, also Songs, die es nie auf ein Album geschafft haben und nur als Bonusmaterial erhältlich waren. Dabei werden diese Lieder in Fankreisen sehr geschätzt und sind seit Jahren bekannt. Es macht also Sinn, die Auswahl auf oranges Vinyl zu pressen und den Freunden der Band offiziell zugänglich zu machen.

„Unfurl“ eröffnet die traurige Platte, in meinen Augen zählt der Song zu den besten der Band. Ruhig und sanft spielen Katatonia hier auf, der Gesang von Jonas Renske bringt auch die glücklichsten Optimisten zum schluchzen. Wie immer regiert bei der Gruppe Melancholie, Tristesse und Verzweiflung. „Unfurl“ trägt in sich noch ein klein wenig Zuversicht, diese verliert sich im Verlauf der EP aber vollends. Obwohl die Musik nie wütend aufbraust und die Lieder gerade im Vergleich zu den neueren Alben sehr poppig gespielt werden, lächelt man nie. „Code Against The Code“ schlägt die Gitarren dann aber auch mal hart an und spielt stärker im Goth-Metal als im düsteren Rock. Die Band streift dabei Artverwandte wie Paradise Lost oder Type O Negative, ohne ihren eigenen Klang zu verleugnen. Über die Jahre haben sich Katatonia einen Mantel aus Musik massgeschneidert, der die Band unverkennbar macht. Gerade die zu Selbstmord anstiftenden Texte und Gesangmelodien von Renske machen einen grossen Teil der Faszination aus. Der Typ kennt wohl nur einen Gemütszustand: Weltuntergang.

Fans der Band müssen hier zugreifen, versammelt das sehr hübsch gestaltete Vinyl doch sechs starke und gelungene Lieder der Band. Dank der kurzen Spieldauer ist es sogar möglich, nach dem Anhören weiterhin positiv den Tag zu gestalten. Bei voller Albumlänge brechen so manche Herzen. Für Leute mit Liebeskummer bleibt die Musik von Katatonia Anlaufstelle Nummer eins.

Anspieltipps:
Unfurl, Sold Heart, The Act Of Darkening