Niente

Wanda – Niente (2017)

„Weiter, weiter“ eröffnet das dritte Album der Wiener Schlager-Schmuddel-Popper – und versucht damit den Elan der bisherigen Veröffentlichungen mitzureissen. Das ist eigentlich gar nicht so schwierig, haben Wanda in den letzten Jahren schliesslich zu Recht riesige Erfolge gefeiert und ihre leichtfüssigen Lieder mit schwermütigen Texten durch halb Europa getragen. Nun soll also der Hattrick komplettiert werden, doch irgendwie ist auf „Niente“ etwas der Wurm drin. Oder klingt bloss langsam der Rausch ab?

An der Grundformel hat die junge Band um Sänger Michael Marco Fitzthum (der auch hier wieder lasziv, leidend und augenzwinkernd seine Worte in unsere Ohren legt) nichts gross geändert. Gitarre und Orgel kreieren lockere Melodien, die Rhythmussektion festigt alles mit geradlinigen aber doch tanzbaren Takten, dazu ein paar Streicher. Wanda haben ihre Nische gefunden und graben darin weiterhin nach Diamanten – wie „0043“ oder „Schottenring“. Was aber „Niente“ anders macht: Es legt sich nicht mehr mit dir in der dunklen Gasse an.

Während auf „Amore“ und „Bussi“ noch der Dreck regierte, die dunklen aber erotischen Sprüche, dann sind hier die Versöhnung und die Umarmung vorrangig. Wanda zelebrieren plötzlich die angenehmen Erinnerungen und vergessen in ihren Songs die reizvollen Schönheitsflecken. Somit ist „Niente“ zwar weiterhin ein Lausbub, der genau weiss, mit was für Hooks er uns packen kann, wird aber immer im Schatten seiner älteren Bruder stehen.

Anspieltipps:
0043, Schottenring, Ich sterbe

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.