New Shapes Of Life

Martin Carr – New Shapes Of Life (2017)

Damals mit The Boo Radleys wurde er gefeiert und stand auf den grossen Bühnen der Britpop-Zeit, doch es folgten für Martin Carr düstere Zeiten. Der Sänger und Musiker kämpfte mit Depressionen und fand auch in der Musik keinen wirklichen Halt mehr – bis jetzt. Denn mit seinem neusten Album „New Shapes Of Life“ lässt er acht Lieder auf die Welt los, die in dieser Zeit entstanden sind und seine Probleme behandeln. Dabei wagt sich der Schotte an läute Gitarren wie auch langsame und intime Gedankengänge. Nur ist es sehr schade, dass die Platte die Höhe von der Single „Damocles“ selten erreicht.

Denn der vorab präsentierte Song ist nicht nur treibend und modern, sondern glänzt auch mit einem packenden Refrain und herrlich knarzenden Akkorde – hier scheinen alle bösen Überlegungen von Martin Carr abzufallen. Auch „The Main Man“ und „Three Studies Of The Male Back“ geben sich eher dem Tempo hin und bewerben sich zugleich für die nächste Party in der Disco der Nullerjahre. Synthies und Bläser erweitern das Klangbild, Carr singt mit seiner hellen und luftigen Stimme. In diesen Momenten ist die späte Phase der Prefab Sprout nicht weit entfernt und das Album überzeugt mit seiner, leicht künstlich anmutenden Produktion.

Doch dazwischen tummeln sich leider immer wieder Stücke, die nie richtig in die Gänge kommen und deren Ideen zu wenig ausgearbeitet erscheinen. „The Van“ wird vom Kitsch entführt, „Future Reflections“ sinniert zu lange – hier macht sich Martin Carr den gewonnen Boden gleich selber wieder streitig. Somit ist „New Shapes Of Life“ zwar eine beachtliche Leistung und gern gehörte Rückkehr, aber gleichzeitig auch extrem durchzogen und etwas unbefriedigend. Aber doch schön, wieder etwas von dir zu hören, Martin.

Anspieltipps:
Damocles, Future Reflections, Three Studies Of The Male Back

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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