Moby

Moby & The Void Pacific Choir – More Fast Songs About The Apocalypse (2017)

Moby & The Void Pacific Choir – More Fast Songs About The Apocalypse
Label: Little Idiot, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Künstler
Genre: Elektro-Rock, Noise

Noch einmal zuschlagen, am besten wieder direkt in die Wunde – denn nicht einmal ein Jahr nach „These Systems Are Failing“ sind die Blessuren nicht verheilt. Aber wie auch, hat sich seit 2016 doch einiges auf der Welt zum schlechteren gewendet – sei es politisch oder sozial. Das ruft nach einem musikalischen Durchrütteln, Moby & The Void Pacific Choir bringen mit „More Fast Songs About The Apocalypse“ einen gratis downloadbaren Nachschlag voller wütendem Elektro-Rock. Denn der DJ und Künstler ist auch auf seinem 14. Studioalbum weder müde noch langweilig.

Was sich aber seit dem letzte Oktober nicht verändert hat ist die gnadenlose Herangehensweise von Moby und seinen Musikern an die Musik. „More Fast Songs About The Apocalypse“ ist, wie es sein Titel schon korrekt andeutet, schnell und laut und nimmt sich keine Sekunde zu viel Zeit für den Feinschliff. Gitarren und Keyboards übersteuern, die Drums schlagen Umweltsünder windelweich und der Gesang schreit Melodien klein. Aber hinter all diesem abgelassenen Dampf verstecken sich Momente, die Lieder wie „A Happy Song“ oder „A Softer War“ zu Hymnen werden lassen. Wenn auch nicht so offensichtlich wie beim Vorgänger.

Es ist trotzdem aber etwas schwierig, diese Scheibe als eigenständiges Produkt zu verstehen. Viel besser funktionieren die neuen Liedern, wenn man sie als Appendix zu „These Systems Are Failing“ betrachtet. Moby & The Void Pacific Choir erreichen nämlich nicht die mitreissende Grösse wie beim letzten Mal – aber ein Album voller politischer Noise-Rock ist immer noch zu wichtig, um es nicht zu beachten. Also: Anhören, Umdenken, Welt verändern – und das gesparte Geld gleich für einen guten Zweck spenden.

Anspieltipps:
A Softer War, All The Hurts We Made, A Happy Song

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

2016 – Der Rückblick, die Listen

2016 – du warst kein einfaches Jahr. Nicht nur prallten praktisch jeden Tag Freud und Leid auf heftigste Weise zusammen, nein auch die Künstler- und Musikwelt musste sich von vielen Grössen verabschieden. So begann das Jahr mit dem Tod meines Helden David Bowie, kurz nach der Veröffentlichung seines neusten und wahrlich grossartigen Albums „Blackstar“ – und nahm sich dann in jedem Monat weitere Legenden. Leonard Cohen, Prince, Gene Wilder, Alan Rickman, Harper Lee, Umberto Eco und viel zu viele mehr. Es ist somit schwierig, eine Rangliste der besten Werke zu erstellen, möchte man doch all diese Seelen ehren.

Auch ist der Konsum aktueller Veröffentlichungen dank meiner Mitarbeit bei Artnoir in schwindelerregende Höhen gestiegen, was eine Beschränkung auf zehn Scheiben schier unmöglich macht. Somit muss ich dieses Jahr etwas mogeln – es gibt nun eine Top Ten für die Platten aus aller Welt, und eine weitere für Musik aus der Schweiz. Dabei allerdings sind mit diesen 20 Alben aber zu viele nicht beachtet. So gab es beispielsweise Grossartiges von Frost*, Leonard Cohen, Radiohead, PJ Harvey, James Blake, Rihanna, Wilco, Periphery, Wolf People, Moscow Mule und so weiter. Doch regelmässige Leser dieser Seite oder von Artnoir werden meine Texte zu deren Werken ja bestimmt mitgekriegt haben. Darum hier die Listen:

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Top Ten 2016 – Alben
1. David Bowie – Blackstar
2. Jarlath Henderson – Heads Turned, Hearts Broken
3. Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree
4. Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing
5. Dream The Electric Sleep – Beneath The Dark Wide Sky
6. The Hotelier – Goodness
7. Marillion – F*ck Everyone And Run
8. Touché Amoré – Stage Four
9. Underworld – Barbara, Barbara We Face A Shining Future
10. Thrice – To Be Everywhere Is To Be Nowhere

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Top Ten 2016 – Schweiz
1. Knöppel – Hey Wichsers
2. One Sentence. Supervisor – Temporär Musik 1-13
3. King MCH, effelav & Saruco – Hous der ond fegg di
4. Yello – Toy
5. Spencer – We Built This Mountain Just To See The Sunrise
6. Al Pride – Hallavara
7. Container 6 – Beschti Zyt
8. The Shamanics – Shamanic
9. The Beauty Of Gemina – Minor Sun
10. Wolfman – Modern Age

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Und ja, auch bei den Konzerten war es nicht so einfach, wenn auch klarer. Mit 85 besuchten Veranstaltungen (Konzertabend = 1, Festivaltag =1) stieg auch diese Zahl in absurde Höhen. Doch was macht man nicht alles für seine Journalistenkarriere? Wobei ich 2017 dies nicht zu übertrumpfen versuche, gesund wäre es wohl nicht. Und ja, in dieser Liste findet man einige übliche Verdächtige, aber Musik ist schlussendlich Emotion und gewisse Talente berühren mich halt am stärksten.

Top Ten 2016 – Konzerte
1. Marillion – 19.07.2016 – Huxley’s neue Welt, Berlin
2. Massive Attack – 21.07.2016 – Paléo Festival, Nyon
3. Underworld – 27.08.2016 – Zürich Open Air, Rümlang
4. Patti Smith – 29.06.2016 – Volkshaus, Zürich
5. Bruce Springsteen – 31.07.2016 – Stadion Letzigrund, Zürich
6. Ventil – 01.10.2016 – A-Synth Fest, St.Gallen
7. Battles – 12.08.2016 – Open Air Basel
8. Motorpsycho – 06.05.2016 – Fri-Son, Fribourg
9. Ellie Goulding – 28.02.2016 – Hallenstadion, Zürich
10. Gaia – 15.10.2016 – Oxil, Zofingen

Immer nur etwas zu hören ohne die Bilder dazu zu haben, ist doch auch doof, oder? Darum hier die besten Filme des Jahres. Wer die nicht kennt, sofort anschauen.

Top Ten 2016 – Filme
1. Toni Erdmann – Regie: Maren Ade
2. Arrival  – Regie: Dennis Villeneuve
3. Spotlight  – Regie: Thomas McCarthy
4. The Revenant – Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu
5. Bezness As Usual – Regie: Alex Pitstra
6. Captain America: Civil War  – Regie: Russo Brothers
7. Everboy Wants Some! – Regie: Richard Linklater
8. Demolition – Regie: Jaen-Marc Vallée
9. Nocturnal Animals – Regie: Tom Form
10. The Lobster – Regie: Giorgos Lanthimos

Ausser Konkurrenz:
Nick Cave & The Bad Seeds – One More Time With Feeling

Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing (2016)

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Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing
Label: Mute, 2016
Format: Download
Links: FacebookBand
Genre: Post-Punk, Electronic Rock

Wenn ein komplettes System zusammenbricht, dann geschieht dies meist nicht leise und im Hintergrund – nein, eine ganze Welt wird erschüttert und der Lärm übertönt alles. Wer dagegen ankommen und sich das Gehör der Leute in solchen Zeiten verschaffen will, der kann nicht zimperlich vorgehen. Musiker und Aktivist Moby hat dies schon lange begriffen und veröffentlicht darum 2016 erneut ein Debütalbum: „These Systems Are Failing“ ist ein lauter Schrei nach Besinnung und Wandel, aufgenommen mit The Void Pacific Choir. Und ja, endlich bricht der Künstler aus Los Angeles wieder mit seinen bekannten Mustern.

Die Karriere von Moby ist nicht nur sehr interessant, sondern voller Veränderungen und einem immer präsenten Engagement für die Umwelt und Tiere. Dies hat nicht nur sein Leben stark beeinflusst, sondern auch die Musik. „These Systems Are Failing“ ist eine klare Aussprache gegen die zerstörerischen Machenschaften der geldgierigen Politiker und idiotischen Leute, die blind alles glauben. Es geschieht ganz offensichtlich mit Stücken wie „Are You Lost In The World Like Me?“ oder doppeldeutig wie bei „Don’t Leave Me“ – der Tierrechtshymne des 21. Jahrhunderts. Moby und seine Musiker sind dabei immer laut und er lässt an die Punkzeiten von „Animal Rights“ denken – hier aber kombiniert mit dem alten, dreckigen Techno.

„These Systems Are Failing“ dreht von Anfang her auf und füllt alle Frequenzen mit Rückkopplungen, Synths und harten Drums. Moby & The Void Pacific Choir  haben dabei ein Album erschaffen, das gewisse Leute überfordern kann, aber endlich wieder ohne Verlustängste elektronische und handgemachte Musik wild mischt. Es ist Musik, die zum wütigen Tanz auffordert, das Herz aber mit viel Liebe füllen kann. Klar ist es weder komplex noch fortschrittlich, aber genau ein solches Werk war nötig. Moby zeigt, wie wichtig Widerstand und Aufstand ist und wird nicht müde, uns dies auf geniale Art mitzuteilen. Ein neues Kapitel hat begonnen, wer ist mit dabei?

Anspieltipps:
Don’t Leave Me, Are You Lost in the World Like Me?, The Light Is Clear in My Eyes

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Moby – Hotel : Ambient (2015)

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Moby – Hotel : Ambient
Label: Little Idiot, 2015
Format: 2 CDs im Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Ambient, Electronica

Ein Hotelzimmer ist immer eine merkwürdige Parallelwelt, ein schier steriler Ort, an dem alle Ruhe suchen, aber oft nur aufreibende Minuten erfahren. Moby erlebte als reisender Musiker zwischen Konzerten und Partys die Wirkung dieser Zimmer auch selber immer wieder und liess diese Inspiration zu einem ganzen Album heranwachsen. „Hotel“ vermengte die Attitüde des Punk, fantastische Melodien, einfühlsame Texte und spielerische Electronica. Nur die Ruhe kehrte selten ein, darum fand man damals bei der Deluxe Edition noch eine zweite CD mit Ambient-Stücken beiliegend.

Jahre später erhalten alle mit „Hotel : Ambient“ noch einmal die Gelegenheit, diese schönen Klangreisen genauer zu erforschen. Jetzt stellt Moby gleich zwei CDs voller Lieder zur Verfügung, die mit nur wenigen Synth-Spuren Tiefen erschaffen, die oft in anderer Musik fehlen. Wunderbare Momente wie „Homeward Angel“ oder „Live Forever“ gibt es endlich in der erweiterten Version zu hören, für kurze Stopps im gemieteten Zimmer gibt es Aufblitzer wie „Snowball“. Dabei lässt Moby die Musik zwischen meditativen Übungen und melodienverzierten Songgerüsten pendeln.

Er geht mit diesem Album noch nicht so weit wie mit späteren Tonkonstruktionen, die schon fast bei Eno oder Glass stehen, trotzdem beweist der ehemalige Stern des wilden Techno hier viel Gefühl für Stimmung und Atmosphäre. „Hotel : Ambient“ ist mehr als nur schön, sondern eine wichtige Ergänzung im Schaffen von Moby und der Beweis, dass digital kreierte Musik keineswegs kühl daherkommen muss. Zum Träumen vor Fenstern, die fremde Menschen und Städte zeigen.

Anspieltipps:
Homeward Angel, Overlands, Live Forever

Moby – Porcelain A Memoir (2016)

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Moby – Porcelain  A Memoir
Verlag: Faber & Faber, 2016
Autor: Moby
Seiten: 416, Paperback
ISBN: 9780571321483
Link: Goodreads

Moby liebt unsere Welt, und ich liebe Moby. Schon seit Jahren begleitet mich seine Musik in meinem Leben, durch schwierige und einfache Zeiten. Aber nicht nur klanglich begeistert mich der Mann, nein – auch seine Einstellungen zu komplexen Themen und die Ehrlichkeit seines Auftretens sind wunderbar sympathisch und erstrebenswert. Er schafft es, sperrige Dinge wie Religion, Ernährung, Politik und Ruhm unter einen Hut zu bringen – ohne sich dabei selber aus den Augen zu verlieren.

Doch nicht immer gelang ihm dies so perfekt, wie es heute den Anschein macht. In den 90er-Jahren war sein Leben ein schwieriger Spiessrutenlauf zwischen Raves, bröckelnden Beziehungen und dem Wunsch, endlich bekannt zu werden. Mit „Porcelain“ lädt uns Moby nun ein, in die Anfänge seiner wundersamen Karriere einzutauchen. Der Musiker bleibt als Autor immer unglaublich ehrlich, selbstironisch und direkt. Er betrachtet seine wilden und auch schlimmen Jahre mit gesundem Abstand und einem herrlichen Humor. Sicherlich schocken gewisse Erkenntnisse – so verlor sich der Künstler nach der Veröffentlichung seines Debüts leider im Alkoholrausch, seine Mutter starb früh an Krebs, die Liebe lässt immer auf sich warten – alles in allem ist das Buch aber eine wunderbar vergnügliche Angelegenheit. Die Wortwahl und Art der Beschreibungen lässt einen schmunzeln oder sogar laut herauslachen, Moby offenbart hier ungeahnte Qualitäten als Wortdichter. Seine Ahnen hätten die wohlige Freude.

Biografien von Musikern gibt es unzählige, doch mit „Porcelain“ hat Moby etwas vorgelegt, das man nur selten antrifft. Ein direktes und offenes Abbild einer Zeit, die viele andere Musiker wohl beschönigt vergessen würden. Aber nicht hier, denn Fehler und Fehlentscheidungen formen einen Menschen schliesslich zu dem, was er heute ist. Bei Moby ist es ganz klar eine faszinierende und starke Persönlichkeit voller interessanter Ansichten und Gedanken. Nicht immer ohne Widerspruch, nicht immer ganz korrekt – darin aber umso menschlicher und identifizierbar. Schade endet das Buch kurz vor der Fertigstellung seines dritten Albums „Play“ – vielleicht aber folgt ja einmal eine Fortsetzung. Jetzt aber auf zum nächsten Rave!

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Moby – Porcelain (2016)

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Moby – Porcelain
Label: Little Idiot, 2016
Format: 2 CDs in Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, Dance, Hip-Hop

Zusammenstellungen der bekanntesten Lieder sind eine gute Möglichkeit, einen vergessenen oder inspirationsarmen Künstler wieder bekannter zu machen. Moby hätte dies eigentlich nicht nötig, der amerikanische Pionier der elektronischen Tanzmusik ist bis heute in aller Munde und überrascht immer wieder mit neuen Aussagen und Songs. Mit seinem Buch „Porcelain“ gibt es nun aber viele gute Gründe, die musikalischen Anfänge seiner Karriere noch einmal genauer zu betrachten. Und da bietet die gleichnamige Best-Of einige Rechtfertigungen, um die eigene Sammlung mit dem Set zu erweitern.

Moby taucht in seinem Buch tief in die 90er-Jahre ein und erzählt von seinen Anfängen als DJ und Musiker, erklärt die damalige Szene und bleibt dabei immer sehr persönlich. Schnell entsteht beim Lesen somit die Lust, selber an den Partys teilzunehmen und die beschriebenen Songs anzuhören. „Porcelain“ macht dies nicht nur möglich, es versammelt sogar zum ersten Mal bestimmte Mixe und Lieder des Künstlers auf einer Scheibe. Endlich gibt es „Natural Blues“ neben „Go! (Woodtick Remix)“, dazwischen poltert der frühe House und sogar der Gabber. Man fühlt sich versetzt auf Raves, direkt neben dem jungen Moby am Keyboard. Sicherlich hört sich manches heute etwas angestaubt an, die Tracks machen aber immer noch sehr viel Spass.

Um die Zeitreise perfekt abzurunden, bietet die zweite CD eine Auswahl an Stücken, die Moby damals gerne in seinem Studio, seiner Wohnung oder im Club gehört hat. Daraus hört man nicht nur Inspiration und Ansporn, sondern auch einen Querschnitt durch die damalige Szene in New York. Trance und Dance geben Hip-Hop und Punk die Hand, Hauptsache eine starke Attitüde. Hier gibt es vieles zu entdecken und noch mehr zu geniessen, denn die damalige Zeit ist einem selten so nahe wie mit dieser herzvollen Zusammenstellung von Moby.

Anspieltipps:
Go! (Woodtick Remix), Rock The House, Feeling So Real
Pacific State (808 State), Pause (Run DMC), Dream Frequency (Feel So Real)

Yoko Ono – Yes, I’m A Witch Too (2016)

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Yoko Ono – Yes, I’m A Witch Too
Label: Manimal Vinyl Records, 2016
Format: CD
Links: Discogs, Künstlerin
Genre: Remix, Electro, Art-Pop

Und dann fallen sie doch um, eine nach der anderen, dabei sind die Gäste so lange vorsichtig um die Weinflaschen getanzt. Im Schein der Kerzen wurde es aber immer schwieriger, den Gegenständen auszuweichen – die Tanzschritte wurden unter den Batik-Shirts immer ausgefallener. Aber wenn die Wohnung musikalisch schon von verhexten Tanzliedern gefüllt wird, dann bleibt niemand stehen. Die Künstlerin, die bei allen irgendwie aneckt, ist wieder mit einem neuen Album zurück – und liess sich für „Yes, I’m A Witch Too“ erneut auseinandernehmen und frisch abrichten.

Das beginnt schon beim Cover, denn die Fotografie ist nur eine doppelte Kopie von Yoko Ono selber. Die Musikerin hält sich auf der Platte im Schatten der Scheinwerfer auf und überlässt die Führung einer bunt durchmischten Truppe. 17 Lieder wurden für die Neubearbeitung freigegeben, von weltbekannten Künstlern wie Moby und Sparks bis zu Geheimtipps wie tUnE-yArDs findet man alles. Und genau so abenteuerlich wie die Namensliste ist auch die Bandbreite der Stile. Beginnt die Zusammenstellung mit einer entrückten Streicherballade, endet sie in einem wilden Technobrett. Dies sorgt nicht nur für Überraschungen, sondern auch für Momente der Verwirrung. Sicherlich gehört es zu Yoko Ono, dass ihre Musik nicht simpel und einfach erfassbar daherkommt. Doch die allgemeine Krankheit der Compilations zieht auch bei „Yes, I’m A With Too“ ins Land. Nicht alles überzeugt, die Reihenfolge ist teilweise holprig. Gewisse Lieder vergisst man gleich beim Anhören, andere scheinen nur noch nach den Remixer zu klingen und vergessen die Meisterin schier ganz.

Bei Yoko Ono gilt immer der gleiche Grundsatz: Entweder gibt man seine Aufmerksamkeit und Geduld komplett in die Hände der Dame oder lässt es gleich komplett bleiben. Somit ist diese Scheibe vor allem für begeisterte Freunde, wenn auch hier laut zum Tanz aufgerufen wird. Das Album setzt sich zwar nicht ganz zwischen die Stühle, bleibt aber auf den Lehnen und grinst schief. Und lässt leider in vielen Inkarnationen die extrovertierte und experimentelle Ader der Originale vermissen. Da haben es sich gewisse Musiker und Bands etwas zu einfach gemacht. Vor dem Kauf reinhören wird empfohlen.

Anspieltipps:
Give Me Something (mit Sparks), Warrior Woman (mit tUnE-yArDs), Hell In Paradise (mit Moby)

Jean-Michel Jarre ‎– Electronica 1: The Time Machine (2015)

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Jean-Michel Jarre ‎– Electronica 1: The Time Machine
Label: Columbia, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Electronica, Techno, Synth-Pop

Der Meister ruft, der Nachwuchs trabt ohne Widerrede an. Warum sonst finden sich Moby, Pete Townshend, 3D, M83, Little Boots, Tangerine Dream, John Carpenter, Laurie Anderson und noch viele mehr gemeinsam auf einem Album ein? Wenn aber eine Legende wie Jean-Michel Jarre zu Tisch, oder besser gesagt Mischpult bittet, dann folgt man diesem Aufruf ohne nachzudenken. Denn seine Musik hat nicht nur Generationen inspiriert, sondern die Electronica auf neue Ebenen katapultiert. Mit „Electronica 1“ nimmt der Franzose nun kurz Abstand vom gängigen Album und schenkt sich selber eine Zusammenstellung.

Jarres Musik hat sich über die Jahre so stark in die Köpfe der Hörer eingebrannt, dass man seine Synths und Keyboards aus tausenden von Alben heraushört. Somit ist es sehr interessant zu beobachten, wie stark die Gastbeiträge Einfluss auf die Musik üben können. Oft drücken die Trademarks von Jarre klar durch und übernehmen den Gast. Spannend ist es immer dann, wenn das Lied den Meister zum eigentlichen Nebenbeitrag macht. Bei „Suns Have Gone“ übernimmt klar Moby das Zepter, das Lied könnte so auch auf einer seiner Platten vorkommen. Dank dieser Wechselwirkung geht die Rechnung oft auf und die Tracks präsentieren sich in einer tollen Atmosphäre. Gerne wird es etwas düster wie bei „Conquistador“, oder gar abstrakt wie „Rely On Me“ mit Frau Anderson. Zwar findet man auch etwas billigen Trance („Stardust“) oder dürftige Ergebnisse bei Boys Noize und Vince Clarke, dies ist aber glücklicherweise der kleinere Teil von „The Time Machine“. Pete Townshend klingt wunderbar mürrisch („Travelator Pt. 2“) und „Watching You“ stellt Massive Attack mit seiner krummen Gangweise nach. Das Album pendelt somit auch zwischen tanzbaren Pophits und hartem Techno, leistet sich aber durchwegs die sphärische Electronica.

Und hier kommt auch die Kritik zu greifen, denn als Gesamtwerk ist die Scheibe einfach zu unstimmig. Der Sammlungscharakter haftet stark an und lässt den Fokus vermissen. Wunderbar sind die Instrumentaltracks, die Kollaborationen mit Tangerine Dream oder Lang Lang. Nur sitzen die etwas verwirrt zwischen krachendem Beat und gesanglichen Handständen. Somit ist „The Time Machine“ eine nette Zusammenstellung, wenn aber auch kein echtes Album. Lust und Vorfreude auf den zweiten Teil macht es aber auf jeden Fall. Nun muss man sich nur noch bis Frühjahr 2016 gedulden.

Anspieltipps:
Glory, Conquistador, The Train & The River

Schnappszahl – 333 mal 17408sound

Runde Geburtstage oder Ereignisse zu feiern ist doch langweilig. Und weil die Drei eine wunderschöne Zahl ist, lasse ich den Schnapps nun zu meinem 333. Eintrag fliessen. Erstaunlich, wie schnell der Blog gewachsen ist und wie viele Beiträge ich in diesen 16 Monaten bereits verfasst und veröffentlich habe. Der grösste Antrieb dafür ist natürlich nicht (nur) mein Ego, sondern auch ihr Leser und Verfolger. Danke für eure Treue, eure Kritik, euer Lob und eure Diskussionen. Auch in Zukunft werde ich versuchen, mein breiter Musikkonsum hier abzubilden und mit euch zu teilen. Denn Musik macht immer dann am meisten Spass, wenn man die damit verbundenen Emotionen und Erlebnisse weitergeben kann.
Um das Lesevergnügen noch unterhaltsamer zu gestalten, ist in Kürze eine neue Beitragsreihe geplant. Als Vorschau sage ich nur „Fragebogen“. Bleibt dran!

333 – Die 333. Platte in meiner Discogs-Collection

Die digitale Sammlung auf der wunderbaren Discogs-Seite repräsentiert mit vielen Lücken und fehlenden Einträgen mein Plattenregal im Internet. Mit wenigen Klicks kann man all seine erstandenen Scheiben in eine Liste packen und hat für immer den Überblick über gekaufte Scheiben und Versionen. Sortiert habe ich die Liste für diesen Beitrag nach dem Datum der Additionen. Somit ist der 333. Eintrag folgende Platte:

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The Twilight Singers – Dynamite Steps
Greg Dullis Solowerke erschienen zum Teil unter diesem Bandnamen und präsentieren, was man von diesem Herrn erwartet: Düsterer Alternative Rock mit einem Einschlag zum Indie. Die Band bleibt dabei mit den Füssen in der nahen Vergangenheit und spielt dunkle Songs voller Gitarren und melancholischem Soul. Was das fünfte Album der Zwillinge darstellt, war ein Höhepunkt im Jahr 2011 und ist bis heute ein intensives Album mit grossartigen Tracks. Fans von Dulli greifen ohne zu zögern zu, Freunde des erwachsenen Alternative Rock hören unbedingt rein.
Die Aufmachung des Vinyl ist angenehm schlicht, das Album überstreckt sich auf zwei weisse Scheiben in einem Gatefold. Geschmückt wird die Musik mit stimmungsvollen Fotografien und einem wunderbaren Cover. Was will man noch mehr?

33 x 3 – Die 33. CD auf dem dritten Regalbrett

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Bob Dylan – Time Out Of Mind
Die Rückkehr von Bob Dylan kriegte ich im Elternhaus sehr gut mit, allerdings war „Time Out Of Mind“ erst das zweite Album vom Meister, das ich bewusst wahr nahm. Der Nachfolger steht an der Spitze, wobei „Time…“ bis heute stärker im Kopf geblieben ist. Bereits der erste Song „Love Sick“ groovt und Herr Dylan grummelt wie kein Zweiter. Wirklich beeindruckt hat mich aber der Abschluss mit „Highlands“. Während über 16 Minuten wird hier eine Geschichte erzählt, in der Präsentation eigentlich sehr reduziert ist, trotzdem eine starke Faszination ausübt. Interessanterweise hat mich aber der Musiker trotzdem nie komplett gepackt, so habe ich bis heute wenige seiner Alben gekauft, und höre auch diese Scheibe selten. Wenn sie aber im Spieler landet, dann erinnert es mich oft an vergangene Jahre.

3 x 3 x 3 – Die 3. Vinylscheibe im 3. Fach von unten nach links

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Moby – Hotel
„Hotel“ war wohl etwas wie ein Abschluss einer Phase in Mobys schaffen. Zum letzten Mal hat er damit ein Album veröffentlicht, das in sich geschlossen wunderbar funktioniert und seine alte Punk-Wurzeln durchscheinen lässt. Auch toll, dass er in fast jedem Lied singt und dazu seine Gitarre bearbeitet. Bis heute sind viele Lieder darauf meine Liebsten von ihm, wie „Spiders“, „Raining Again“ oder „Slipping Away“. Weilte es lange als CD in meiner Sammlung, habe ich dann glücklicherweise einmal das Vinyl angetroffen und veredelte mein Regal um ein wichtiges Stück bohlischer Musikgeschichte. Schliesslich war es auch die erste Scheibe die ich mir von Moby kaufte. Und bis heute bin ich Fan.


3 Kritiken die in den kommenden Tagen hoffentlich das Licht der Welt erblicken:
The Chemical Brothers – „Born In The Echoes“
Heidemann – „Orphan“
Roger Waters – „Amused To Death“


Was wünscht ihr in den nächsten 333 Einträge hier zu lesen?

10 perfekte Momente von Songs in Filmen

Wieder einmal ein neues Thema einer Blogroll, das mich auch im musikalischen Bereich tangiert. FriedlVonGrimm war so freundlich, mir das Thema der perfekte Momente von Liedern in Filmen aufzubrummen. Lange habe ich nun gebraucht, um genügend Beispiele zusammen zu tragen. Perfekte Momente von Liedern in Filmen, ein Thema, das für mich schwierig zu erfassen ist. Meist schaue ich mir Filme nur ein bis zwei Mal an, selten bleiben da solche Szene im Langzeitgedächtiniss. Trotzdem gibt es ein paar Bild-Ton Kombinationen, die mich begeistern.
Reihenfolge zufällig und ohne Rangliste.


Sunshine // „Mercury“ von Underworld & John Murphy
Ok, eigentlich ist es kein Song, sondern ein Lied vom Soundtrack selber, darum gilt es nur als 10.5. Doch die Verbindung der wunderbaren und andächtigen Bilder und der emotional gespielten Gitarre, ist und bleibt für mich einer der wundervollsten Momente in diesem grandiosen Film von Danny Boyle. Berührend und schön.


Back To The Future // „Power Of Love“ von Huey Lewis And The News
Über den Film muss ich hoffentlich keine Worte verlieren, zählt er doch weiterhin zu den allerbesten und schönsten Abenteuer, die mal vor der heimischen Glotze erleben darf. Einen grossen Anteil am Feel-Good Gefühl trägt der Soundtrack, dominiert von Huey Lewis And The News. Ihr Lied „Power Of Love“ ist nicht nur Teil der Szene, sondern definiert die Musik über weite Strecken des Films.


Watchmen // „99 Luftballons“ von Nena
Der Streifen ist in meinen Augen ein grossartiges Stück Comicverfilmung, wenn auch nicht ohne Überlänge. Nebst den beeindruckenden Bildern und der passend adaptierten Geschichte, bleiben vor allem die interessant eingeflochtenen Lieder hängen. So auch das Anti-Atomkrieg Lied von Nena, leider nur angespielt aber trotzdem einbrennend.


Southland Tales // „Memory Gospel“ von Moby
„Southland Tales“ ist ein überfrachtetes und wirres Abenteuer voller Szenen mit doppeltem Boden. So laut und überdreht der Film meist ist, so ruhig und sanft wird er am Schluss. Genial unterlegt mit einer B-Seite von Moby, tanzend in den Weltuntergang.


Donnie Darko // „Mad World“ von Gary Jules
Auch der Kultfilm über Zeitreisen, Familie und böse Hasen platzt fast vor Song-Szenen. Extrem mitreissend und tieftraurig ist aber der Schluss mit „Mad World“, hier in der Version von Gary Jules. Ich könnte jedes Mal weinen.


The Boat That Rocked // „A Whiter Shade Of Pale“ von Procol Harum
Wenn ein Film über die Musik funktioniert und wahrgenommen wird, dann „The Boat That Rocked“. Die Geschichte über die Piratenradiostation in England enthält so viele Klassiker aus den 60er, dass man sich fast nicht entscheiden kann, welche Szene nun die beste ist. Wirklich unter die Haut geht aber der Moment, in dem das Schiff sinkt, und alles verloren scheint. Und mit welch anderem Lied sollte man seinen Untergang sonst begleiten?


Children Of Men // „Court Of The Crimson King“ von King Crimson
King Crimson geben ihre Musik selten für Samples oder Filme frei, umso beeindruckender darum der Moment in „Children Of Men“. Die dystopische Geschichte passt zum Fanfarengeblase und hoch auftrumpfenden Lied des scharlachroten Königs. Und wer entdeckt den perfekten Pink Floyd Moment?


Sucker Punch // „Sweet Dreams (Are Made Of These)“ von Emily Browning
Man hasst den Film, oder liebt ihn. Ich liebe das Werk von Zack Snyder für all seinen Wahnsinn und Übertriebenheit, und die grossartigen Cover von bekannten Liedern. So startet der Film auch gleich wie ein Musikvideo, und Hauptdarstellerin Emily Browning singt sich durch den Klassiker von Eurythmics.


Iron Man 3 // „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65
Auch wenn dieser Hit aus den 90er nur kurz angespielt wird, er passt wie die Faust aufs Auge. Text, Stimmung, Aufbau, alles fügt sich wohlwollend in das bisher verrückteste Intro eines Marvel-Filmes. Tony wusste schon 1999 wie man feiert, und schliesslich war das Lied in der Schweiz damals auch wirklich ein Hit.


Into The Wild // „Big Hard Sun“ von Eddie Vedder
Was hatte mich der Film beschäftigt und geprägt, die Romantik des Entsagen, der Einsamkeit und Abenteuerlust. Und natürlich der umwerfende Soundtrack von Eddie Vedder. Mit dem Cover von „Big Hard Sun“ erreicht der Film einen frühen Höhepunkt und geht sofort tief unter die Haut. Eddie singt wie kein zweiter, egal ob Solo oder mit Band.


Spring Breakers // „Everytime“ von James Franco / Britney Spears
Der bunte und grelle Film über die heutige ausufernde Zustände der Selbstwahrnehmung und des Realitätsverlust bietet viel elektronische Partymusik, und eine erstaunlich introvertierte Szene. „Everytime“ von der jungen Britney Spears untermalt stumme Bilder voller Gewalt und Wahnsinn. Das Genie von Harmoni Korine zeigt sich hier endlich.

Nominieren darf sich jeder selber, ich bin sowieso wieder viel zu spät für diese Blogroll.