Minni

Minni – Dark Horse (2017)

„Dark Horse“ kommt zwar nur mit drei Liedern und einem zusätzlichen Remix um die Ecke, zeigt als EP aber gleich die volle Kraft, die ein solches Format in den richtigen Händen bieten kann. Minni, welche nach ihrer Kindheit in Kroatien nun in Berlin kreativ arbeitet, zeigt mit diesen neusten Songs nämlich, dass Synthie-Pop bei ihr zu einem wahren Wunderstil wird. Stimmlich und atmosphärisch nahe bei Sade zu verorten, damals als man noch nachdenklich zur Musik schmachten durfte, beginnt „Fool“ herrlich verträumt und gross. Fast vergisst man, dass die Musik aus Synthies und Drum Machines kommt.

Und mit den klanglichen Huldigungen geht es auch gleich weiter, „Dark Horse“ sucht das Glück in den Anfängen von Talk Talk, nutzt seine Melodie aber auch, um schwerelos über die Landschaften zu gleichen. Es ist grosses Kino, was Minni hier abliefert und knappe fünf Minuten Liedlänge sind immer zu wenig. Das gilt auch für „Give A Little Love“, das mit fantastischem Bass bei Bryan Ferry anklopft und dann romantisch in den toll gesungenen Refrain einsteigt. Dazu gesellt sich das zurückhaltende aber wirkungsvoll gespielte Saxophon von Otis Sandsjö und die filigrane Perkussion von Jason Cooper.

Im direkten vergleich zwischen „Dark Horse“ von Frau Perry und dieser EP sollte schnell klar sein, wo sich Minni positioniert. Mit nur drei neuen Stücken verzaubert uns die Musikerin und bringt endlich die wahre Sensualität zurück in den Pop. Da braucht es kein riesiges Budget, da benötigt man keine Effekthascherei – diese Klangwelten nehmen gefangen und wollen immer wieder genossen werden. Ein solches Pferd hätten die Trojaner auch lieber erhalten.

Anspieltipps:
Fool, Dark Horse, Give A Little Love

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.