Metal Core

Architects – All Our Gods Have Abandoned Us (2016)

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Architects – All Our Gods Have Abandoned Us
Label: Epitaph, 2016
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Hardcore, Metalcore

Diese Fähigkeit, extrem harter und lauter Musik eine solche Ohrwurmqualität zu verleihen, bewundere ich immer wieder. So kann eine Band wie Architects noch so wild und laut auf mein Trommelfell einprügeln, die Musik wirkt lockend und packend. Um so bemerkenswerter ist dieser Umstand, wenn Musiker auch nach mehreren Jahren dieses Talent immer noch besitzen. „All Our Gods Have Abandoned Us“ ist bereits das siebte Studioalbum der britischen Metalcore-Gruppe und überzeugt nicht nur äusserlich mit dem kunstvollen Cover, sondern auch mit den inneren Werten.

Sicherlich, die Band steigt ultraheftig mit „Nihilist“ in das neue Werk und nimmt selten die Gangart zurück. Wer sich zwischen trockenen Breaks, emotionalem Geschrei und shreddernden Gitarren wohl fühlt, dem bieten Architects erneut ein gefundenes Fressen. Die Gruppe weiss aber dem doch oft ausgelutschten Genre des Metalcore viele tolle Momente hinzuzufügen. Sie zeigen sich variabel und gerade dank Frontmann Sam Carter sind die Lieder sehr emotional. Auch wenn die Gitarren etwas im Riff-Brei zwischen Hardcore und Djent untergehen, retten die Gesangsmelodien und -schreie viele Stücke. Gemischt mit den perfekt platzierten Breaks strahlen Lieder wie „Deathwish“.

Architects sind keine Frohgeister, dass merkt man auch auf „All Our Gods Have Abandoned Us“ an jedem Satz und jeder Stimmung. Ob politische oder existenzielle Ängste, zwischen den musikalischen Hieben werden auch unsere Gewissen an den Pranger gestellt. Diese Verletzungen führen zu einem intensiven Erlebnis und kumulieren sich in Liedern wie „A Match Made In Heaven“. Es entsteht ein Suchtgefühl, und bereits nach wenigen Hördurchgängen kehrt man immer wieder zurück. Metalcore, der abhängig macht und immer wieder aufs Neue betört? Danke Architects für diese Leistung, so dürft ihr gerne viele weitere Werke aufnehmen.

Anspieltipps:
Deathwish, Gone With The Wind, All Love Is Lost

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Periphery – III: Select Difficulty (2016)

Periphery III - Select Difficulty

Periphery – III: Select Difficulty
Label: Century Media, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Prog Metal, Metal Core, Melodic

Einen schier grössenwahnsinnigen Rundumschlag wagten Periphery 2015 mit dem Doppelalbum „Juggernaut“ – und kehren bereits jetzt mit einem Nachfolger zurück. Und anstatt das letztjährige Erfolgsrezept einfach zu kopieren, haben die Musiker die Köpfe zusammengesteckt und all ihre Merkmale auf kleinerer Spielfläche zusammengebracht. „III: Select Difficulty“ bietet somit Prog Metal, Metalcore und Melodic College Fights in minutenschnellen Wechseln – und Periphery zeigen, wieso ihre Musik seit jeher bei vielen Hörern polarisiert.

Wobei das Album mit „The Price Is Wrong“ gleich so heftig beginnt, dass man vor lauter Djent die Kaffeetasse an die Decke wirft. Unbarmherzig und voller beissender Riffs, so wild waren Periphery selten. Hier benötigen sie aber doch Zeit bis zum dritten Song, um ihre hochmelodischen Anfälle aus dem Sack zu lassen. Und ab da könnte für manchen Hörer der Gesang von Spencer Sotelo wieder zum Stolperstein werden – denn seine Melodien kratzen oft an der Grenze zum Schmachten und zuckrigem Geschrei. Doch genau dies passt perfekt zur stilistischen Tour de Force von Periphery. Was „Marigold“ vormacht, wird dann absolut krank bei „Remain Indoors“: Gamesounds, epische Drachentötergesten, markerschütterndes Geschrei, instrumentales Prog-Gewichse und Gesang aus dem College-Radio.

Alleine einen solchen Satz zu lesen kann Schwindelgefühle auslösen – es ist aber dem Talent von Periphery zu verdanken, dass „Select Difficulty“ trotz all dieser Extreme zu einem grossartigen und homogenen Album wurde. Man schmachtet mit den Melodien und singt laut mit, nur um gleich vom Gewitter des ultraharten und polyphonen Prog Metal überrascht zu werden. Die Nummer drei ist eines dieser Werke, bei denen man vor Freude und Überraschung übermütig umherspringt, Gegenstände verprügelt und Wände anschreit. Und Periphery sind echt nicht aufzuhalten, denn auch in dieser komprimierten Form scheinen sie nicht zu bändigen und ohne Fehler.

Anspieltipps:
Marigold, Remain Indoors, Lune

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.