Mascot

10 Years – (How to Live) As Ghosts (2017)

„Burnout“ ist einer dieser typischen Rock-Songs, für die man eigentlich zu abgeklärt im Leben steht um ihn zu lieben. Aber 10 Years seien gepriesen, denn auch mit ihrem achten Studioalbum haben sie wieder Ohrwürmer geschrieben, die sich nicht um solche Gedankengänge scheren und mit eingängigen Riffs, herrlich gefühlsvollem Gesang und packenden Refrains zu neuen Lieblingen werden. „(How To Live) As Ghosts“ versprüht das erlösende Gefühl einer Wiedergeburt, schien die amerikanische Alternative Rock Band doch kurz vor ihrem Ende zu sein.

Denn was 1999 voller Elan begann, wurde immer schwieriger und gemäss Aussagen von Frontmann Jesse Hasek waren die Aufnahmen zum Vorgängeralbum extrem mühsam. Nach einigen Besetzungswechsel und frischen Einfällen kehren 10 Years nun aber doch wieder erstarkt auf die Bühnen der Welt zurück und bieten mit „(How To Live) As Ghosts“ elf neue Songs, die zwischen modernem Rock, nicht ganz so brutalen Deftones und grossen Gefühlen pendeln. Genauso vielfältig und überlegt zeigen sich auch die Lyrics, welche viel von den Tourerfahrungen Haseks laben.

10 Years bieten also mit ihrem neusten Werk lebensbejahende Musik, die gerne gross und voluminös daherkommt („Ghosts“), sich heroisch steigert („Blood Red Sky“) oder auch verliebt mit kleiner Lautstärke anlocken kann („Lucky You“). Die Mannen gehen dabei immer klar strukturiert vor und vermeiden eine zu wilde Präsentation, doch diese saubere Produktion passt ganz gut zu ihrer Musik. Und mit Stücken wie „Vampires“ erhält man schliesslich trotzdem wunderbar treibende Minuten mit dem gesunden Pathos.

Anspieltipps:
Novacaine, Vampires, Lucky You

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Doom Side Of The Moon – Doom Side Of The Moon (2017)

Wie oft kann man ein Album anhören, sich neu erarbeiten oder gar neu aufnehmen? Beim weltweiten Klassiker „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd geht dies scheinbar unendlich und für alle Ewigkeit. So dachten sich die Musiker von The Sword einmal etwas angeheitert, dass Lieder wie „Time“ in schwerem Stoner-Rock zu spielen vielleicht ganz unterhaltsam wäre. Schneller gemacht als studiert, hier ist „Doom Side Of The Moon“ – gespielt von The Sword mit Sänger Alex Marrero, Saxophonist Jason Fray und Keyboarder Joe Cornetti. Und erstaunlicherweise sind die Musiker in ihrer Bearbeitung nie brachial.

Doom Side Of The Moon wissen um die wichtigen Merkmale dieser Platte bescheid und kastrieren weder das berühmte Riff von „Money“, noch lassen sie die wichtigen Orgelflächen weg. Klar, bei „The Great Gig In The Sky“ wird nicht gesungen sondern mit dem Saxophon betört und instrumentale Experimente wie „On The Run“ sind hier eher tief brummelnde Zwischenteile. Als Gesamtes ist diese Huldigung zum 50 jährigen Jubiläum der Platte aber vor allem eine Verneigung von Fans – mit teilweise wild tobenden Schlagzeugen und ausufernden Gitarrenstellen.

Was Doom Side Of The Moon hier beweisen ist der Umstand, dass das Vermächtnis von Pink Floyd zu Recht riesengross ist. Kompositionen wie „Us And Them“ oder „Eclipse“ sind tatsächlich auch 2017 nach dem 1000. Mal immer noch frisch und mitreissend anzuhören, die neu hinzugefügten Kilos machen das Album weder schwerfällig noch kollabiert ein Stück. Man spürt immer die Freude an dieser Ummünzung und wird somit schnell von der Lust der Musik mitgerissen. Und wem Pink Floyd bisher immer etwas zu schwach auf der Brust war, der erfährt hier sein Verzerrungswunder.

Anspieltipps:
Breathe (In The Air), Time, Us And Them

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Vola – Inmazes (2016)

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Vola – Inmazes
Label: Mascot Records, 2016
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Metal

Moderne Musik ist etwas Wunderbares und lässt mich nie in retro-romantische Stimmung verfallen – schliesslich ist es heute möglich, die Wirkungen von gestern mit den technischen Möglichkeiten von heute zu kombinieren. Dabei wird im besten Fall etwas komplett Neues erschaffen, welches seine Wirkung in alle temporalen  Richtungen strahlen lässt. Das Debütalbum von Vola, einer frischen und aufgeweckten Gruppe aus Kopenhagen, ist genau ein solches Produkt. „Inmazes“ vereint Stimmungen des ehrwürdigen Prog-Rock mit technischem Metal und Industrial.

„Inmazes“ haftet zwar oft diese klinische Sauberkeit an, im Herzen sind Vola aber emotional und voller Liebe. Das Album startet gleich mit einem Brecher – „The Same War“ ist eine grossartige Mischung aus elegischen Melodien, krummen Rhythmen mit harten Gitarren und einem Klangkleid zwischen Progressive Metal und Art-Rock. Vielfältig, immer wieder die Spur wechselnd und dabei zwischen Sternenlicht und Gesteinsschwärze oszillierend. Vola offenbaren mit jedem Stück neue Schichten – graben mit Djent-Schaufeln am Metal, streuen Electronica zwischen die wunderschönen Gesangsmelodien und lassen schon nach wenigen Hördurchgängen alle in Jubel ausbrechen. Da spielt es keine Rolle, dass die Musiker den Pfad des Metals oft verlassen, um das Glück beim Regenbogen zu finden.

Vola haben mit „Inmazes“ ein grossartiges Album geschrieben und aufgenommen – ein Werk, das zu Reisen ins Weltall einlädt, dabei die Bodenhaftung nie verliert und seine Lieder ohne Kompromisse präsentiert. Die Riffs und Blasts sind gnadenlos direkt, die Harmonien perfekt auf die Takte abgestimmt. Man höre nur mal den Wechsel zwischen dem harten Beginn und dem ausufernden Schluss von „Starburn“ – kompositorisch eine Grosstat. Freunde der aktuellen und härteren Musik finden somit in diesem Werk einen neuen besten Freund. Und mit Vola eine hoffnungsvolle Zukunft.

Anspieltipps:
Stray The Skies, Your Mind Is A Heldpless Dreamer, Inmazes

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Lody Kong – Dreams And Visions (2016)

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Lody Kong – Dreams And Visions
Label: Mascot, 2016
Format: CD
Links: FacebookDiscogs
Genre: Metal, Hardcore

Wie gerne doch Väter ihren Söhnen Traditionen weiterreichen und somit den Stolz anschwellen lassen. Bei der Familie Cavalera gehört es seit langem zum guten Ton, laute und böse Musik zu machen. Igor und Zyon, Söhne von Max Cavalera, machen zusammen mit Travis Stone und Noah Shepherd nun ihre eigene und moderne Variante von Metal. „Dreams And Visions“, das erste Album von Lody Kong, ist unbarmherzig und absolut gemein. Von Anfang bis Ende wird gnadenlose Musik gespielt, ist oft aber stärker im Hardcore und Punk zu Hause als beim Metal.

Und ist leider auch oft eher merkwürdig und etwas belanglos. Lody Kong haben schnell ein grosses Problem, nämlich wirkt ihre Musik wie ein Brei mit Stacheln. Man vergisst die Songs schneller als die langen Laufzeiten es vermuten lassen – besonders ab der Hälfte will das Album auf keine Weise im Kopf bleiben. Ob es daran liegt, dass die Musik viele Klischees verwendet und Breaks und Riffs einfach zu bekannt erscheinen? Oder sind die kuriosen Lyrics Schuld, die einen krampfhaften Humor in die dunkle Musik einzubringen versuchen? Lody Kong wirken in solchen Situationen eher wie kleine Jungs, die über platte Sexwitze kichern.

Nie ist man sich ganz sicher, wie man „Dreams And Visions“ auffassen sollte. Soll dies nun ausgelassener Metal sein, oder Moshpit-Hardcore mit blutiger Nase? Leider wirken Lody Kong auf ihrer ersten Scheibe noch sehr orientierungslos, aber immerhin überzeugt die Schlagzeug- und Gitarrenarbeit. Hier spürt man die Abstammung der Jungs und Max kann sich also doch ganz stolz auf die Schultern klopfen. Nur sollte er vielleicht mit dieser Band noch einmal über das Songwriting sprechen.

Anspieltipps:
Chillin‘, Killin‘; Kreative Center; Topaz

The Jelly Jam – Profit (2016)

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The Jelly Jam – Profit
Label: Mascot, 2016
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Rock

Lustig – als ich dieses Album zum ersten Mal in den Händen hielt, wollte mir der Bandname gar nicht bekannt vorkommen. Doch dann zu Hause die CD eingelegt, Anlage aufgedreht und plötzlich sind sie wieder da: Die satten und wuchtigen Bassläufe, die krachenden Riffs und das versierte Schlagzeugspiel. Mittendrin der Gesang von keinem anderen als Ty Tabor, seines Zeichens Mitwirkender bei King’s X. The Jelly Jam sind wieder da, und wer das Album „Shall We Descent“ von 2011 verpasste, der hatte die Supergroup schon lange abgeschrieben.

Denn nach den zwei ersten Veröffentlichungen war ab 2004 lange Zeit Stille im Umfeld von Tabor, Rod Morgenstein (Winger & Dixie Dregs) und John Myung (Dream Theater). Das Trio hatte sich zusammen einen Namen für kraftvolle Lieder im Umfeld des einfachen Prog-Rocks gemacht. Im Gegensatz zu anderen Zusammenschlüssen von bekannten Musikern stand bei The Jelly Jam immer der Spass und die Unbekümmertheit im Vordergrund. Das spürt man nun auch wieder auf „Profit“ – ein Album, das sich nicht lange mit komplexen Strukturen und Konzepten herumschlägt. Lieber lässt man die Gitarren sprechen, zaubert immer wieder eingängige Melodien und Hooks auf das Notenblatt und geniesst den abwechslungsreichen Rock.

Egal ob Hard, Classic oder auch ein wenig Stoner – The Jelly Jam mischen alles perfekt abgestimmt zu neuen Stücken. Der Klang ist immer voll und weitet sich ohne Grenzen aus, die schnittige Produktion lässt die Profimusiker in perfektem Licht stehen. Schnell singt man bei Liedern wie „Stop“ oder „Ghost Town“ mit, feiert die traditionelle Musik und geniesst die frischen Wirkungen. „Profit“ ist eine wunderbare Fortsetzung des musikalischen Vermächtnisses von The Jelly Jam und lässt jedes Jahr ohne die Gruppe in Vergessenheit geraten.

Anspieltipps:
Water, Ghost Town, Heaven