little idiot

Moby & The Void Pacific Choir – More Fast Songs About The Apocalypse (2017)

Moby & The Void Pacific Choir – More Fast Songs About The Apocalypse
Label: Little Idiot, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Künstler
Genre: Elektro-Rock, Noise

Noch einmal zuschlagen, am besten wieder direkt in die Wunde – denn nicht einmal ein Jahr nach „These Systems Are Failing“ sind die Blessuren nicht verheilt. Aber wie auch, hat sich seit 2016 doch einiges auf der Welt zum schlechteren gewendet – sei es politisch oder sozial. Das ruft nach einem musikalischen Durchrütteln, Moby & The Void Pacific Choir bringen mit „More Fast Songs About The Apocalypse“ einen gratis downloadbaren Nachschlag voller wütendem Elektro-Rock. Denn der DJ und Künstler ist auch auf seinem 14. Studioalbum weder müde noch langweilig.

Was sich aber seit dem letzte Oktober nicht verändert hat ist die gnadenlose Herangehensweise von Moby und seinen Musikern an die Musik. „More Fast Songs About The Apocalypse“ ist, wie es sein Titel schon korrekt andeutet, schnell und laut und nimmt sich keine Sekunde zu viel Zeit für den Feinschliff. Gitarren und Keyboards übersteuern, die Drums schlagen Umweltsünder windelweich und der Gesang schreit Melodien klein. Aber hinter all diesem abgelassenen Dampf verstecken sich Momente, die Lieder wie „A Happy Song“ oder „A Softer War“ zu Hymnen werden lassen. Wenn auch nicht so offensichtlich wie beim Vorgänger.

Es ist trotzdem aber etwas schwierig, diese Scheibe als eigenständiges Produkt zu verstehen. Viel besser funktionieren die neuen Liedern, wenn man sie als Appendix zu „These Systems Are Failing“ betrachtet. Moby & The Void Pacific Choir erreichen nämlich nicht die mitreissende Grösse wie beim letzten Mal – aber ein Album voller politischer Noise-Rock ist immer noch zu wichtig, um es nicht zu beachten. Also: Anhören, Umdenken, Welt verändern – und das gesparte Geld gleich für einen guten Zweck spenden.

Anspieltipps:
A Softer War, All The Hurts We Made, A Happy Song

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Moby – Hotel : Ambient (2015)

Moby_Hotel Ambient_Mbohli

Moby – Hotel : Ambient
Label: Little Idiot, 2015
Format: 2 CDs im Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Ambient, Electronica

Ein Hotelzimmer ist immer eine merkwürdige Parallelwelt, ein schier steriler Ort, an dem alle Ruhe suchen, aber oft nur aufreibende Minuten erfahren. Moby erlebte als reisender Musiker zwischen Konzerten und Partys die Wirkung dieser Zimmer auch selber immer wieder und liess diese Inspiration zu einem ganzen Album heranwachsen. „Hotel“ vermengte die Attitüde des Punk, fantastische Melodien, einfühlsame Texte und spielerische Electronica. Nur die Ruhe kehrte selten ein, darum fand man damals bei der Deluxe Edition noch eine zweite CD mit Ambient-Stücken beiliegend.

Jahre später erhalten alle mit „Hotel : Ambient“ noch einmal die Gelegenheit, diese schönen Klangreisen genauer zu erforschen. Jetzt stellt Moby gleich zwei CDs voller Lieder zur Verfügung, die mit nur wenigen Synth-Spuren Tiefen erschaffen, die oft in anderer Musik fehlen. Wunderbare Momente wie „Homeward Angel“ oder „Live Forever“ gibt es endlich in der erweiterten Version zu hören, für kurze Stopps im gemieteten Zimmer gibt es Aufblitzer wie „Snowball“. Dabei lässt Moby die Musik zwischen meditativen Übungen und melodienverzierten Songgerüsten pendeln.

Er geht mit diesem Album noch nicht so weit wie mit späteren Tonkonstruktionen, die schon fast bei Eno oder Glass stehen, trotzdem beweist der ehemalige Stern des wilden Techno hier viel Gefühl für Stimmung und Atmosphäre. „Hotel : Ambient“ ist mehr als nur schön, sondern eine wichtige Ergänzung im Schaffen von Moby und der Beweis, dass digital kreierte Musik keineswegs kühl daherkommen muss. Zum Träumen vor Fenstern, die fremde Menschen und Städte zeigen.

Anspieltipps:
Homeward Angel, Overlands, Live Forever

Moby – Almost Home, Live At The Fonda (2014)

Moby_almosthome

Moby – Almost Home, Live At The Fonda
Label: Little Idiot, 2014
Format: 2CD, 2 DVD Digipack
Links: Discogs, Musiker
Genre: Electronica, Pop, Dance

Über Moby muss nicht viel geschrieben werden, der Mann hat sich seit den Neunziger zu einer Grösse in der Musikwelt entwickelt und eine eingeschworene Fangemeinschaft begleitet all seine Projekte. So wird jedes neue Album gespannt erwartet und mit offenen Armen empfangen, wie auch letztes Jahr „Innocents“. Die Platte setzt den angefangenen Weg fort und bereichert den Moby Kosmos mit weiteren schönen Songs in seiner speziellen Mischung aus Electronica, Pop und Traum. Als der Künstler dann aber verkündete, er spiele nur drei (!) Konzerte in Los Angeles und keine ganze Tour, verspürten viele Menschen einen Stich im Herzen. Moby live zu erleben ist eine unbeschreibliche Erfahrung und lohnt sich jedes Mal. Als Linderung des Schmerzes wurde ein Konzert per Streaming im Internet übertragen und ist jetzt als CD-DVD Paket erhältlich.

Das knapp dreistündige Konzert aus dem Fonda in LA besteht aus zwei Sets. Im ersten Teil spielt Moby mit seiner Band das komplette Innocents Album, danach folgt ein grosses Best Of seiner ganzen Karriere. Das ganze Konzert wurde sehr geschmackvoll gestaltet. So ist das Fonda ein altes Theater aus den 20er Jahren in welchem 2000 Zuschauer Platz finden, die Band steht komplett in weiss gekleidet auf der Bühne und die Lichtshow ist reduziert aber unterstützt die Lieder perfekt. Streichinstrumente sind nicht Sampels sondern echt, ein Chor singt mit. Moby selber spielt in schwarzer Kleidung Gitarre, Bongo, singt, hüpft, springt und spricht zwischen den Songs viel mit dem Publikum. Dabei erzählt er wie an jedem seiner Konzerte auf seine sympathische Art Anekdoten aus dem Musikerleben, bedankt sich tausend Mal bei Musiker und Publikum und geniesst den Abend komplett. Das überträgt von Beginn an eine wunderbare Stimmung auf die Zuschauer und auch wenn man sich das Konzert nun zu Hause auf dem Sofa anschaut glaubt man selber dabei zu sein und wird echt mitgerissen.

Innocents ist ein eher ruhiges Album, besitzt aber alle klassischen Moby Qualitäten. Echt toll ist, dass alle Gaststars auch live mit dabei sind. Es geben sich unter anderem Damien Jurado, Greg Dulli, Mark Lanegan und Skylar Grey die Klinke in die Hand. Das sorgt für Abwechslung und vergibt dem Konzert einen zusätzlichen Wert. Schön ist es, dass auch Moby selber immer wieder ehrfürchtig zu diesen Menschen schaut und zeigt: Er ist für sein Leben unendlich dankbar und weiss dies ist nicht selbstverständlich, Musik ist Leben. Wenn dann der Teil mit der Werkschau beginnt benötigen die Songs keine Gäste mehr. Ihre Qualität spricht für sich, denn die Lieder wurden vor dem Konzert von den Fans im Netz ausgewählt. Natürlich sind alle Hits dabei wie „Porcelain“, „Lift Me Up“, „Extreme Ways“ oder „In My Heart“. Auch die Anfangsphase der Karriere wird mit alte Ravesongs wie „Feeling So Real“ beachtet. Jeder der gerne Moby hört wird mit dieser Setlist zufrieden sein. Nicht verwunderlich ist dabei, dass die Zuschauer im Fonda aus der ganzen Welt angereist sind und per Stream über 500’000 zusätzliche Fans eingeschaltet haben. Dieses Livedokument lohnt sich nicht nur für den harten Kern der Moby Fans sondern für alle die mit seiner Musik etwas anfangen können. Berührt, macht glücklich und beeindruckt. Moby du bist weiterhin der Beste, aber bitte spiel doch wieder einmal in Europa.

Anspieltipps:
The Perfect Life, The Last Day, Go, Raining Again