Le Pop Club

The Green Flamingos – The Southern Oracle (2017)

Der werte Herr Dali hätte seine wahre Freude am Covermotiv von „The Southern Oracle“, ist das Bild doch eine Zeichnung zwischen surrealistischen Fantasien und optischen Farbtäuschungen. Und genau in dieser Mischmenge versucht sich auch das erste Album der Genfer Gruppe The Green Flamingos zu platzieren. Die Band um Sängerin Yoanna Claquin hat sich für den Langspieler nämlich vom Blues entfernt und viel Beat und Psychedelica in ihre Musik geschüttet.

Toll ist dabei, dass sich The Green Flamingos für Songs wie „Up And Away“ oder „Beware“ nicht auf eine Armada von Effektgeräten und Nachbearbeitungen verlassen, sondern ihre Musik handgemacht und wunderbar rau im Raum stehen lassen. Wer benötigt schon Overdubs und Klangwände, wenn einzeln gespielte Spuren effektiver sind?  „The Southern Oracle“ lebt somit von einem Gefühl, das sich die Attraktivität aus den Sechzigern holt und den damaligen Elan auf heutigen Psychedelic Pop überträgt. Das darf kratzen („Rome Is Burning“) oder romantisch schwingen („The Last Sinner“), ungemütlich wird es nie.

Schade ist dabei nur, dass sich The Green Flamingos somit etwas zu sanft durch die tiefen Wasser der bewusstseinsveränderten Musik bewegen. Zwar sind Keyboard und Bass immer wieder für herrliche Momente zuständig, als Ganzes wirkt „The Southern Oracle“ aber oft etwas zahm. Klar, hier geht es eher um die zärtlichen und eingängigen Momenten als den Krawall, zu oft verschwindet die Platte aber etwas im Hintergrund. Für ein Debüt ist der Gruppe hier aber bereits eine gut tanz- und träumbare Scheibe gelungen.

Anspieltipps:
Up And Away, The Rush Kicks In, The Last Sinner

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Magic & Naked – Human Expression (2017)

Band: Magic & Naked
Album: Human Expression
Genre: Psychedelic Rock / Pop

Label/Vertrieb: Le Pop Club
VÖ: 8. September 2017
Webseite: Magic & Naked auf FB

Es gibt Alben, die passen perfekt zu bestimmten Momenten und Tageszeiten. Während man mit düsterem Techno wohl am liebsten die Nacht durchschreitet, liefern Magic & Naked mit ihrem Album „Human Expression“ die perfekte Musik für ein gemütliches Sonntagsfrühstück, bei dem die Sonne den Raum durchflutet. Denn genau so frei und gelassen wie man sich bei dieser Mahlzeit fühlt, so empfindet man auch den Genuss dieser Scheibe. Die Genfer Band verpackt in zwölf Songs einen entspannten Flug durch leicht psychedelischen Pop.

Magic & Naked lehnen sich dabei weit zurück und verspüren nie die Lust, ihre Instrumente härter zu bearbeiten und wild zu werden. Viel eher bestimmen helle Melodien und klar aufgereihte Spuren das Bild. Beschwingt führen die Herren durch Momente wie „My Green Bird“ und landen dabei mit ihrem Indie-Pop in den Gebieten, in denen sich in letzter Zeit viele frische Schweizer Bands niedergelassen haben. So erinnert „Bring Me The Moon“ an Harvey Rushmore & The Octopus und „Human Expression“ transportiert blitzschnell in die Sechziger.

Im Gegensatz zu stilähnlichen Gruppierungen hat dieser melancholische Folk-Pop hier aber ein kleines Problem. Das Album nimmt etwas zu selten Fahrt auf und kann nicht auf ganzer Länge packen. Magic & Naked arbeiten zwar ehrlich und einfallsreich, oft werden sie aber Gefangene ihrer eigenen Entspannung. Songwriting und Produktion sind bei „Human Expression“ wunderbar gelungen, Stücke wie „In The Morning“ vergisst man leider aber zu schnell wieder. Somit verkommt das Album etwas zu oft zu angenehmer Hintergrundmusik, welche vom Geklapper des Besteckes übertönt wird.

Anspieltipps:
My Green Bird, Bring Me The Moon, Dark Room

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.