Lady Gaga

Lady Gaga – Joanne (2016)

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Lady Gaga – Joanne
Label: Streamline Records, 2016
Format: CD
Links: DiscogsKünstlerin
Genre: Pop, Dance, Country

Es ist leider eher zum Davonlaufen, oder in diesem Fall Davontraben, aber indem Lady Gaga auf ihrem vierten Studioalbum die Dinge genau so gedreht hat wie ich es mir immer gewünscht habe, wurde die neue Scheibe auch langweilig. Ihr kennt doch diesen alten Spruch von wegen Unerfülltem und doch Geschehenem – „Joanne“ ist genau diese Floskel in musikalischer Form. Und das Schlimmste ist: Ich möchte dieses Werk doch so gerne mit all meinem Herzen lieben.

Wo vor ein paar Jahren noch die krachenden Beats, die tausendfach überlagerten Synths und die elektronischen Höhenflüge regierten, herrscht jetzt reduziertes und sogar analog gespieltes Pop-Gehabe. Lady Gaga ist in sich gekehrt und hat ihre Lieder endlich nicht mehr produktionstechnisch überladen lassen. Songs wie „A-Yo“ oder „Million Reasons“ sind im Country verankert, lassen die Gitarren sprechen und stellen vor allem Frau Gagas Stimme in den Vordergrund. „Joanne“ ist somit ein wunderbar erdiges Stück Musik, das mit Momenten wie „Perfect Illusion“ in Komposition und Wirkung an Vorheriges anschliesst.

Wundervoller Höhepunkt ist die Zusammenarbeit mit Florence Welch auf „Hey Girl“ – aber auch sonst lauern überall spannende, klangliche Spielereien und ein echt starker Gesang. Lady Gaga hat ihr markantes Organ perfekt präsentieren lassen und gewinnt mit diesem Schritt – wäre da nicht die Belanglosigkeit des Ganzen. Auch nach vielen Hördurchgängen bleibt wenig von „Joanne“ hängen – man vermisst die klaren und euphorischen Hits von früher. Irgendwie hat die Lady vergessen, ihre alte Genialität in die neue Form zu transportieren, und als Hörer sitzt man zu schnell ratlos da. Mehr als nur schade.

Anspieltipps:
A-Yo, Million Reasons, Hey Girl

Media Monday #255

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Dieses Pfingstwochenende hatte es in sich, und die Tage davor auch. Fünf Konzerte in einer Woche sind doch etwas viel, aber ein wenig Platz für Film und TV blieb trotzdem. Die Vorlage stammt wie immer vom Medienjournal.

1. So ein langes Pfingstwochenende verleitet ja regelrecht dazu viel zu unternehmen und viel Zeit im Wohnzimmer zu verbringen. Denn wie meist, war es auch dieses Jahr eher regnerisch. Darum hab ich die Gelegenheit genützt um bei einem Freund zu Hause die VR-Brille für sein Smartphone auszuprobieren. Eine ganz unterhaltsame Sache, wenn auch das Angebot an Videos und „Spiele“ noch sehr klein ist.

2. Das Abendessen verwechsle ich ja gerne mal mit ein paar Flaschen Bier, an solchen Wochenenden. Besonders wenn man jeden Abend mit Freunden an ein Konzert geht. Wunderbar daran ist aber, dass man sich dann auch mal ein Essen nach dem Ausgang kocht. Zum Beispiel gleicht mit fünf Gästen in der eigenen Wohnung, und dazu leidenschaftlich über Musik spricht. Bis drei Uhr Nachts.

3. Am Samstag war GraticComicTag, die FedCon läuft dieser Tage auch noch. Mir persönlich war beides egal. Ich schaue weder Star Trek, noch mag ich Comics in deutscher Übersetzung lesen. Beim amerikanischen Pendant bin ich aber bestimmt wieder in einem Shop anzutreffen.

4. Wenn es „Chelsea“ nicht gäbe, ich würde wohl mein Leben genau so fortführen wie mit dem Angebot dieser neuen Talkshow auf Netflix. Sicherlich, die Dame ist ja ganz ok und auch immer mal interessant, doch das Konzept hinter der Sendung begreife ich noch nicht wirklich. Und drei neue Folgen pro Woche? Da wird sich doch schnell eine Übersättigung einstellen.

5. ESC-Twittern, Tatort-Twittern, dieses ganze kollektive Fernsehen war mir bis jetzt komplett unbekannt. In meinem Wohnzimmer steht zwar ein TV, der wird aber nur für Bluray und Netflix benutzt. All diese Schrottsender empfange ich nicht, auf den sozialen Netzwerken treibe ich mich nicht herum. Lieber mit echten Menschen ab und zu über Filme, Serien und das Leben diskutieren.

6. Leute, kennt ihr eigentlich eine tolle Alternative zu dem iPod Classic? Solltet ihr nämlich unbedingt, schließlich gibt mein liebstes Gerät so langsam den Geist auf und ich will doch nicht ein iPod Touch mit nur 64GB kaufen. Das reicht ja knapp für alles von U2, Ellie Goulding und Marillion. Und gibt es ein Spieler, der die Dateien von iTunes abspielen kann?

7. Zuletzt habe ich das Technorama in Winterthur besucht und das war aufregend, spannend und unterhaltsam, weil man in diesem Wissenschafts-Zentrum hunderte von Experimente selber durchführen kann. Die Welt der Physik, Chemie, Biologie und Technik wird einem somit greifbar gemacht und auf wundersame Weise erklärt.

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Media Monday #221

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Immer diese Lücken, welche zu füllen sind. Aber man verbringt ja genügend Zeit mit diversen Medien, um die Fragen des Medienjournal zu beantworten.

1. Als ich am Samstag den Flohmarkt in Zofingen besuchte, war ich doch sehr negativ über die angebotene Waren überrascht. Viele Leute haben ihre halbkaputten Restbestände eines Kellerlochs verkaufen wollen und dabei auch die Preise viel zu hoch angesetzt. Immerhin fand ich eine supergünstige CD von Jovanotti und ein Album von Neurosis. War also doch nicht vergebens.

2. Sollte es jemals eine länderübergreifende Toleranz ohne Rassismus geben, werde ich nie mehr jammern oder Leute verfluchen. Aber ja, wird leider so schnell nicht passieren.

3. Bei Steven Wilson bleibt zumindest alles beim Alten, schließlich konnte er am gestrigen Konzert in Zürich wieder mal nur eines: Begeistern. Der Mann ist ein Genie und hat sogar vier Lieder von Porcupine Tree gespielt. Wilson ist ein Garant für Qualität, seit Jahrzehnten.

4. Die Dokumentation „Cowspiracy“ war eine unglaubliche Erfahrung, einfach weil der Film endlich einen Aspekt unserer Ernährung und aktuellen Lage auf der Erde anspricht, der praktisch immer verschwiegen wird. Da ich eine aktive Greenpeace-Vergangenheit habe, war es für mich doppelt spannend. Gerade weil auch bei Greenpeace Schweiz der Fleischkonsum und die Auswirkungen auf die Umwelt fast nie ein Thema waren.

5. Obwohl viele über Lady Gaga fluchen, bin ich ja der Meinung, dass ihre Musik super toll ist und die Dame über viel künstlerisches Talent verfügt. Besonders wer sie einmal live erlebt hat, weiss wie gut Gaga singen und auftreten kann. Schade nur, werden viele ihrer Songs über mit einer fetten Produktion zugestopft. Seit dem dritten Album „Art Pop“ wäre sie meiner Meinung nach aber von dem Erfolgsdruck befreit, da diese Platte die Erwartungen der Vertriebe nicht erfüllen konnte. Wieso also nicht den Weg von Miley Cyrus einschlagen und als viertes Werk etwas völlig anderes Versuchen?

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6. Alles in allem war das Bordun- und Folkmusikfestival in Zofingen ein toller Nachmittag, denn immerhin traf man dort viele Bekannte und Freunde, die Sonne zeigte sich und wärmte uns alle, und von der Bühne schalte wunderbare Musik. Bands aus der Schweiz wechselten sich mit Gruppierungen aus Schottland ab. Besonders Jim Hunter gefiel mir sehr, die Dudelsackspieler aber weniger.

7. Zuletzt habe ich meine allererste Folge von „Doctor Who“ geschaut und das war zu gleichen Teilen wunderbar wie mühsam, weil ich mich noch an diese englische Art der Sci-Fi gewöhnen muss. Die Figuren und Handlungen sind ja sehr überzeichnet und theatralisch, aber auch erfrischend anders. Die Folge „Vincent und der Doctor“ aus der fünften Staffel stellte aber eine nette Einführung in den Kosmos dar, und Karen Gillan ist ja wohl zum träumen.

U2 – Song For Someone

Seit einigen Jahren wurde die Kunstform Musikvideo immer stärker mit Kurzfilmen verschmolzen. Die Popkultur und Massenbewegung wurden stärker einbezogen und es sind Filme entstanden, in denen die Musik gar nicht mehr so wichtig war. Lady Gaga und Beyonce haben mit ihrem Film zu „Telephone“ nicht nur die digitale Welt auf den Kopf gestellt, sondern sich humor- und glanzvoll von Jonas Åkerlund in Licht rücken lassen. Das Video ist dabei nicht nur unterhaltsam und gelungen, sondern auch voller Referenzen zu Kultfilmen.

Wie weit man diesen Hochglanz treiben kann, zeigte Taylor Swift und ihre Armee aus heissen Frauen in diesem Jahr bereits. Hier wurde aber vergessen, den Filmaspekt beizubehalten und eine Handlung in den Songs einzuweben. Und wenn das die Popköniginnen und Prinzessinnen können, dann weiss doch auch eine Gruppe alter irischer Männer diese Kunstform wirkungsvoll einzusetzen. Somit haben sich U2 zusammen mit Vincent Haycock daran gemacht, ein stimmungsvoller und düsterer Film zum Song „Song For Someone“ zu drehen. Ohne die Band, in Form eines kurzen Kriminaldramas, mit Woody Harrelson in der Hauptrolle. Kann nichts mehr schief gehen oder? Nein, und das Video benutzt das Stück nicht nur, es ergänzt die Bedeutung des Textes und vertieft die Wahrnehmung.

Was meint ihr dazu?

Kylie Minogue – Kiss Me Once (2014)

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Kylie Minogue – Kiss Me Once
Label: Parlophone, 2014
Format: Doppelvinyl mit CD und Downloadcode
Links: Discogs, Musikerin
Genre: Pop, Dance, Electro

Nach vier Jahren Pause meldet sich Kylie zurück, und wie. Das letzte Album „Aphrodite“ war ein eher durchwachsendes Werk, konnte mit All The Lovers aber doch einen typischen Kylie-Hit aufweisen. Das die Dame in ihrer Musik frischen Wind braucht war allerdings nicht zu überhören. Nun steht mit „Kiss Me Once“ der Nachfolger in den Regalen und siehe da, die Frau hat’s auch auf ihrem zwölften Album noch drauf. Oder besser gesagt die angeheuerten Produzenten und Songschreiber.

Der Start mit „Into The Blue“ und „Million Miles“ gestaltet sich typisch für solchen Industriepop mit viel Melodie, Schmiss und synthetisch hergestellten Klänge. Aber schon hier hört man Frau Minogue hat wieder Spass an der Musik und legt sich ins Zeug. So kommt es schon mal vor, dass sich ihre Stimme fast ein wenig überschlägt und übermütig in hohe Lagen entweicht. Allgemein hat sie nach 26 Jahren im Business immer noch ihre unverkennbare Art zu singen beibehalten. Wo Kylie drauf steht ist auch Kylie drin. Der erste Höhepunkt und zugleich Befreiungsschlag erfolgt mit dem fünften Song „Sexercize“. Geschrieben von der ausführenden Produzentin Sia Furler ist der Song im Bereich Dubstep einzuordnen und klingt echt toll. Wie fast jeder Track dreht sich auch hier in den Lyrics alles um Sex, dies wird durch das Aerobic-Video noch verstärkt. Das kann schon mal zu viel werden und man fragt sich wieso man die Künstlerin Kylie so stark als Sexsymbol positionieren will. Nichtsdestotrotz beginnt das Album ab jetzt echten Spass zu machen. Es folgen weitere sehr tanzbare Poplieder, sehr gut produziert und eingesungen und sogar noch ein Duett mit Enrique Iglesias, „Beautiful“. Das funktioniert vor allem dank den mit Effekten überladenen Stimmen sehr gut.

Sicherlich handelt es sich bei der Musik von Kylie auch mit diesem Album nicht um tiefgründige Popmusik die überrascht, aber endlich wird ein Werk abgeliefert das ich mir immer von ihr erhofft habe. „Kiss Me Once“ anzuhören ist eine angenehme Angelegenheit und dient als gute Einstimmung in einen fröhlichen Abend. Hochglanzpop der besseren Sorte, auch wenn viele Momente an andere Sternchen wie Lady Gaga, Madonna, Rihanna oder Ellie Goulding erinnern.

Anspieltipps:
I Was Gonna Cancel, Sexercize, Sleeping With The Enemy