Kaserne

Live: Mogwai, Kaserne Basel, 17-10-26

Mogwai
Support: Sacred Paws
Donnerstag 26. Oktober 2017
Kaserne, Basel

Heilige Pfoten und Dämonen mit Fell – was nach einem flauschigen Abend im verzauberten Zoo klingt, war der normale Rock-Wahnsinn am Donnerstagabend in der Kaserne in Basel. Glasgow besuchte die Schweiz und zeigte, dass die lokale Musikszene Schottlands mit extrem unterschiedlichen Bands aufwarten kann. Kein Wunder also, war die Halle stark mit Neugierigen befüllt und schon fast mit tropischem Klima ausgestattet. Doch bevor die Helden des Abends, die Post-Rock-Grösse Mogwai, die Bühne für sich behaupten konnten, gab es einige Überraschungen zu erleben.

Das Duo, zeitweise Trio, Sacred Paws aus Glasgow und London gibt nicht nur in ihrer Biografie an, sich immer mit viel Inbrunst zu bemühen – sie zeigten diesen Willen auch live. Der Stilkontrast zwischen Vorband und Hauptact hätte zwar nicht grösser sein können, die Frauen stürzten sich aber mit so viel Spielfreude und Ausgelassenheit in ihren Jangle Pop, dass man nach wenigen Takten automatisch mit Kopf und Körper wackelte. Schon fast hyperaktive Schlagzeugrhythmen und Gitarrenfiguren wurden von quierligem Gesang begleitet und zeigten, dass nicht alles aus dem Norden instrumental und schwer sein muss.

Aber auch Mogwai selber haben nicht zuletzt mit ihrem neusten Album „Every Country’s Sun“ bewiesen, dass Humor immer einen grossen Platz in ihrer Musik einnehmen wird. Was früher in merkwürdigen Album- und Songnamen ausgelebt, dann von Synthies und Sprachsamples weitergeführt wurde, darf jetzt in „Disco-Stücken“ münden. „Party In The Dark“ wurde auch gleich als zweites Lied in der Kaserne dargeboten und liess den Post-Rock mit lautem Shoegaze und Gesang in neue Gebiete eintreten. Für Puristen wohl ein Moment der Überwindung, in der Bandgeschichte aber eine logische Weiterentwicklung.

Denn wenn Lieder wie „Remurderd“ mit Synthiespuren das Basler Publikum erquicken können und sich das knackige Songformat bei Mogwai bereits seit Jahren bewährt hat, dann liegen die Intuitionen der Musiker bestimmt nicht falsch. Auch wenn ich mir teilweise ein längeres Ausharren auf gewissen Riffs oder Melodien gewünscht hätte, diese konzentrierte Form ihrer Lieder machte viel vom Reiz aus. Wirklich gross wurde dies natürlich mit den sehr lauten, von bis zu drei Gitarren dargebotenen Stücken wie „2 Rights Make 1 Wrong“ oder die Zugabe „We’re No Here“. Ob nun die Erde bebte oder der Gleichgewichtssinn von den Schallwellen verwirrt wurde, die Schotten strahlten nicht nur dank ihrer eindrucksvollen Lichtshow.

Mit zwei neuen Tourmitgliedern Cat Myers (Schlagzeug) und Alex Mackay (Gitarre), vielen frischen Songs wie dem dunklen „Old Posions“ und einer grossen Spielfreude, bewegten sich die Mitglieder von Mogwai zwischen Scheinwerfern, Strobo und raumfüllenden Lichtinstallationen und zeigten, dass sie live zu einer unglaublichen Wucht aufspielen – und dies nach mehr als 20 Jahren Bandgeschichte! Post-Rock klang selten so lebendig und liess die Leute zu einigen Tanzbewegungen hinreissen. Da sollte auch das Füttern nach Mitternacht kein Problem darstellen.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: GusGus, Kaserne Basel, 17-10-14

 

GusGus
Support: Timnah Sommerfeldt, Cephei
Samstag 14. Oktober 2017
Kaserne, Basel

Ach, die Freuden der späten Nachstunden, wenn sich die Zeit ausdehnt und alle Aspekte des Alltages hinter Nebel und einzelnen Scheinwerfern verschwinden. Es macht auf jeden Fall Sinn, eine Gruppe, welche den düsteren Techno zelebriert, in näherer Umgebung der Geisterstunde auftreten zu lassen. Schade nur, dass manche deswegen nicht das komplette Konzert geniessen konnten – die Züge halten sich noch nicht an die Partylaunen. Trotzdem, das Konzert der Isländer GusGus in der Kaserne Basel war eine prächtige Feier.

Die Gruppe, welche seit Mitte Neunziger dafür steht, dunkle Beats und schwere Basslinien mit mitreissenden Melodien und tollem Gesang zu verbinden, stand bereits zum vierten Mal im Kasernenareal im Mittelpunkt. Zu zweit bestiegen sie nach der zurückhaltenden aber eindrücklichen Einstimmung von Timnah Sommerfeldt und Cephei die Bühne und wischten den Dark Ambient mit ihren Liedern schnell beiseite. GusGus liessen es sich nicht nehmen, den gross bejubelten und betanzten Auftritt mit ihrer neuen Single „Featherlight“ zu starten – ein Vorbote des kommenden Albums und herrliche Mischung aus empathischem Pop und Clubeuphorie.

Allgemein wissen die Herren genau, wie man die Musik für dunkle Räume in unscheinbaren Gebäude mit dem Glitzer und der Epik von modernem Pop verbinden kann. So blieben die Synthiespuren selten alleine, Samples und mehrstimmiger Gesang mischte sich dazwischen und liess nicht nur die Hände der Besucher in die Höhe steigen. Das machte zwar manche harte Momente etwas zu weich, ist aber auch dafür verantwortlich, dass sich ihre Songs abheben und in viele Gefässe passen. Dank perfekt konstruierter Lichtshow wurde man schnell auf eine neue Ebene transportiert und vergass die Hitze in der Halle.

GusGus stehen als auch viele Jahre nach ihrer Gründung zu Recht für treibende und wunderbare Musik, die so manche Nächte verkürzen können. Und man darf sehr gespannt sein, ob das nächste Werk „Lies Are More Flexible“ diese Erfolgsgeschichte fortsetzen kann – der Auftritt in Basel lässt aber nichts anderes vermuten.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

Live: Open Air Basel, Kaserne Basel, 17-08-10 bis 12

Open Air Basel
Bands: Archive, Chinese Man, Bilderbuch, Bombino, Allah-Las, Mammut, Fai Baba, Denner Clan
Donnerstag 10. bis Samstag 12. August 2017
Kaserne, Basel

Es muss nicht immer riesig und eng sein, es reichen kleine Momente der Freude und eine liebevolle Gestaltung. Genau darum ist das Open Air Basel auch weiterhin ein Geheimtipp für Freunde der guten Livemusik. Und obwohl das Festival vor der Kaserne dieses Jahr bereits drei Tage andauerte, war von Grössenwahn nie etwas zu spüren. Mit maximal drei Bands pro Abend auf der grossen Bühne gab es keine Hast, und die Musiker konnten ihre Sets etwas ausdehnen. Ebenso war das Drumherum perfekt auf die Feier abgestimmt und man konnte sich lecker verpflegen, Kleider kaufen oder tauschen und für sinnvolle Organisationen spenden.

Wenn auf der Bühne dann mal keine Künstler sich verausgabten und die Lichter aus blieben, dann fand man plötzlich mitten auf dem Kasernenplatz eine Band, die zwischen Ständerlampe und Vogelkäfig ein paar akustische Songs zum Besten gab. Oder hinter der grossen Bar erklang plötzlich Synthie-Pop, wunderbar frech vorgetragen von We Invented Paris – sogar mit einem Cocktail-Mischer. Da war es manchmal schon fast einerlei, aus welchem Grund man eigentlich an diese Freiluftkonzerte gereist war – das Rahmenprogramm rechtfertigte jede Sekunde. Aber natürlich waren auch die Hauptacts mehr als zufriedenstellend.

Allen voran natürlich die abschliessenden Archive aus England, welche das Open Air samstagnachts mit ihrer dröhnenden Show beendeten. Zwar ohne Holly Martin, dafür mit einer fesselnden Mischung aus alten und neuen Songs auf der Bühne, verflog die Show innert kürzester Zeit. Was mit „Driving In Nails“ begann, baute Berge aus „F*ck U“, „Distorted Angels“ und „Bullets“, um dann mit „Controlling Crowds“ und „Numb“ noch wuchtiger zu enden. Ein perfekt gesetzter Schlusspunkt also, wobei auch Chinese Man diese Aufgabe am Freitag mit Bravour übernahmen. Ihre Mischung aus Hip-Hop, World und modernster, elektronischer Musik war ein Multimedia-Spektakel und Basswunder.

Da hielt es Bombino aus Nigeria am Donnerstag noch etwas einfacher und liess seine grossartige Mischung aus Tuareg-Gitarren und Blues-Rock für sich sprechen. Mit ungewohnten Melodien und packenden Rhythmen tanzte man quer über den Platz. Auch Bilderbuch waren alles andere als normal, alleine dank dem Vorhang aus tanzenden Sneakers. Dazu der extrovertierte Indie-Art-Punk, die frechen Texte und perfekt platzierten Ansagen – Österreich hat eine neue Superguppe. In diese Sphären vorzudringen versuchten auch die Allah-Las aus Kalifornien, ihr eher zurückhaltender Blues-Folk vermochte aber leider nicht so zu packen.

Da hielt die Schweizer Fraktion mit Fai Baba und Denner Clan schon wilder dagegen und zeigte bereits in den hellen Stunden am Donnerstag, dass Surf-Rock oder ausufernder Indie immer noch an ein heutiges Festival gehören. Wie auch der Ecken schlagende Rock der Isländer Mammút, die nicht nur Erinnerungen an Björk wach werden liessen, sondern mit tollem Gesang und guten Einfällen mehr als glücklich machten. Wie auch das gesamte Open Air, was erneut bewies, dass Basel einfach stilvoll ist und bei der Musik mehr als guten Geschmack beweist. Das nächste Jahr sind wir auf jeden Fall wieder mit dabei.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Neo Noire, Kaserne Basel, 17-05-12

Neo Noir
Support: Hathors
Freitag 12. Mai 2017
Kaserne, Basel

Man konnte nicht anders, als sich immer wieder anzuschauen und etwas zu grinsen – denn was man hier hörte, brachte nicht nur viele Erinnerungen, und sondern auch Freude zurück. Und gibt es etwas schöneres für eine Band, als beim Publikum diese Gefühle auszulösen? Neo Noire sind natürlich keine Jungspunde ohne Erfahrung und wissen genau, wie man in den Leuten mit Musik Dinge auslösen kann. Und obwohl es sich bei diesem Auftritt um die Plattentaufe ihres ersten Albums „Element“ handelte, standen hinter den Instrumenten viele Jahre mit noch mehr gespielten Songs.

GURD, Zatokrev, Disgroove, Slag in Cullet – was einen tollen Abend an einem Festival ergeben würde, kumuliert sich hier zu einer neuen Art von Supergroup. Die Künstler Thomas Baumgartner, Frederyk Rotter, Franky Kalwies und David Burger finden sich im Alternative Rock und bringen mit ihrer Musik momentan nicht nur Basel zum Beben. Das erste Album von Neo Noire schlug ein wie damals die erste Welle des Grunge – und holt sich aus dieser Zeit die besten Eigenschaften. Die Gitarren türmten sich auf, der Gesang war zweistimmig und der Klang breit und wuchtig.

Bereits mit dem ersten Song zeigten Neo Noire voller Selbstbewusstsein und Energie, wie wundervoll Rocksongs doch sein können. Von einer aufwändigen Lichtshow in helles Licht gehüllt legte die Band los und liess Stücke wie „Save Me“ oder „Shotgun Wedding“ durch den Saal schallen. Und egal wie stark diese Momente an Alice In Chains oder Smashing Pumpkins erinnerten, die Herren haben mit ihrer Musik auch eine eigene Identität erschaffen. Kleine Ausschweifungen des Post-Rock, ein paar heftige Trommelwirbel aus dem Metal – alles für einen perfekten Musikabend.

Auch Hathors aus Winterthur liessen keinen Stein auf dem anderen, als sie die Leute in den Abend einstimmten. Ihr gewaltig rumorender Noise-Rock mit Grunge-Mustern hatte viel Schwung und die Band bewies, dass sie mit ihrem aktuellen und dritten Album „Panem Et Circenses“ einige Lieder erschaffen hat, die einem das Brillengestell vom Kopf weghauen. Breitbeinig, wie ein Tiefdruckgebiet voller Rhythmen und Riffs und mit viel Spiellust – echter Rock ist eben doch keine Angelegenheit für langweilige und abgekämpfte Musiker.

 Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Czar Fest Tag 1, Kaserne Basel, 17-04-14

Czar Fest
Bands: Scratches, Zeal & Ardor, Sum Of R, Autisti, Khaldera, The Universe By Ear
Freitag 14. April 2017
Kaserne, Basel

Es wird in den alten Büchern als Plage beschrieben, das massenhafte Einfallen der Heuschrecken. Doch tausende Jahre später jubelt man, wenn diese Wesen Basel besetzen. Denn bereits zum zweiten Mal feierte das Czar Of Crickets Label aus der Rheinstadt seine Bands, sein Bestehen und natürlich die grossartige Musik. Und davon gibt es momentan unglaublich viel, was bereits nach wenigen Minuten des ersten Abends gezeigt wurde.

Denn wer ein Festival mit einer solch fesselnden Gruppe wie The Universe By Ear beginnen kann, der muss sich echt nicht verstecken. Die Lokalmatadoren stürzten sich in ein kurzes, aber voluminöses Set voller Progressive Rock, hitverdächtigen Stücken wie „Seven Pounds“ und rauchenden Instrumenten. Sogar ein neues Lied wurde präsentiert und schnell waren alle Besucher bekehrt. Dies liessen sich auch Khaldera nicht entgehen und liessen mit ihrem instrumentalen Post-Stoner die Säulen zittern. Sogar ein streikender Bass brachte diese Dampfwalze nicht aus der Bahn.

Doch man kann sich merken: Wer einen Abend voller harter Musik gestaltet, der benötigt eigentlich nur ein Trio aus der Westschweiz. Autisti, die neue Band von Louis Jucker und Emilie Zoé, ging mit ihrer Aurüstung nämlich roher und wilder um als alle anderen Musiker in der Kaserne an diesem Abend. Ihr Noise-Rock liess Bier fliegen und Körper zusammenprallen. Da war es wahrlich nötig, dass man bei Sum Of R eher etwas meditativ in den doomigen Post-Metal eintauchen konnte. Zwei Herren, viel Dunkelheit und eine betörende Schalleruption.

Und danach war auch klar, wieso die meisten Leute an diesem Abend das Czar Fest besuchten – die Live-Premiere von aktuellem Wunderkind Zeal & Ardor fand zwischen Lichtgewitter, Nebelschwaden und unzähligen Zuschauern statt. Dabei wirkte die immer noch erstaunliche Mischung aus Sklaven-Gospel und Black Metal auch mit Band gespielt erfrischend anders. Etwas härter als auf Platte, dafür eindringlich und vereinnahmend – so ein selbstsicheres Bühnendebüt sieht man selten.

Bevor man danach glücklich, müde und mit ergattertem Shot-Glas in die Nacht hinaus stolperte, gab es noch den verführerischen Abschluss mit der Basler Band Scratches. Mit ihrem alternativen Rock liessen sie die Dunkelheit wie einen schützenden Mantel über alle Anwesenden fallen und die wunderbare Kombination aus tiefschwarzem Soul, melancholischer Strahlkraft und schneidenden Gitarrenriffs war formvollendet. Genau wie auch der erste Abend des Czar Fest selber – die Schweizer Szene lebt!

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Black Mountain, Kaserne Basel, 16-11-07

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Black Mountain
Support: Comet Control
Montag 07. November 2016
Kaserne, Basel

Nicht immer ist es leicht, den gewünschten Zustand zu erreichen und oft benötigt der Körper eine gewisse Zeit, um sich anzupassen. Egal ob dies nun auf Momente mit oder ohne eingenommene Substanzen ausgelegt wird, zutreffend ist es immer. Auch der Konzertabend am Montag in Basel bot in der Kaserne einen Trip, der nach einer Einfühlungsphase die späten Stunden in einen Rausch verwandelte. Black Mountain aus Kanada besuchten die Stadt und boten mehr Vergnügen als der gesamte Festbetrieb der Herbstmesse.

Die Neo-Psychedelica-Gruppe von dem fernen Kontinent steht seit 2004 für handgemachte, warme und gerne etwas abgehobene Rock-Musik. Mit vier Alben und vielen Konzerten spielten sie sich in die Herzen vieler Menschen und bewiesen auch im ehemaligen Rossstall, dass vergangene Tugenden immer noch vieles bedeuten. Denn ihre Lieder zerren gerne an der Substanz des Retro-Rock, lassen die Orgeln tief sprudeln und bringen den zweistimmigen Gesang dank den schleppenden Takten perfekt zur Geltung. Stücke wie „Rollercoaster“ verbinden all diese Elemente mit grossartigen Gitarrenriffs und bodenständiger Rhythmusfraktion.

Erstaunlich wie leicht Black Mountain diese Lieder von den Fingern gleiten, besonders wenn man die Strukturen bedenkt, die gerne sogar am Prog der Hippie-Zeit kratzen. Auch in Basel bewies die Gruppe ihr Talent unter dunkler und oft blauer Beleuchtung – und liess die Zuschauer mit jeder Minute tiefer in den Kaninchenbau eintreten. Was zu Beginn noch etwas schwer zu verstehen war, wurde spätestens nach der Hälfte des Auftrittes zu einem Triumphzug. Und wer sein Konzert mit einem schier endlos ausgeweiteten, sich an allen Instrumenten labenden „Space To Bakersfield“ abschliesst, der verdient jedes Lob.

Sicherlich ist es schön heute, aber für einen Abend auch ohne LSD in die Vergangenheit zu reisen ist halt auch geil. Comet Control wagten sich mit ihrer Musik nicht so weit zurück und liessen ihre Stücke lieber mit viel Verzerrung und Rauschen im Jetzt stehen. Die Kanadier liessen unter ihrer Wucht fast nichts gerade und lebten die Rücksichtslosigkeit gesund aus – jedenfalls litt nur die Gitarre. Immer schön mit elektronisch generierter Doppelstimme unterlegt, bot die Gruppe einen guten Start in den Abend.

Wer Black Mountain übrigens unterstützen möchte, der tue dies doch bitte hier. Denn der Gruppe wurde in Schweden die komplette Ausrüstung inklusive aller Instrumente geklaut.

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Live: Open Air Basel, Kaserne Basel, 16-08-12-13

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Open Air Basel
Freitag 12. August 2016
Battles, The Cinematic Orchestra, Serafyn
Samstag 13. August 2016
Beginner, Talib Kweli, The Benjamin Keys Show
Kasernenplatz, Basel

Der Aargau trinkt sich durch das Heitere Open Air, in Zürich ravt man durch die Strassen und Bern feiert die Strassenmusik. Basel hingegen beweist einen Sinn für guten Geschmack und zeigt während zwei Tagen auf dem Kasernenplatz spannende Bands und Momente voller Glück. Das Basel Open Air blieb auch 2016 ein Fest in kleinem Rahmen und mit viel Stil, dieses Jahr thematisch in Rock und Hip-Hop aufgeteilt. Und wer auch ohne live gespielte Lieder auskommt, der konnte sich am Nachmittag am kostenlosen NomiDance in die Freiheit tanzen.

Wobei am Freitag zu den späteren Stunden die geraden Tanzschritte verunmöglicht wurden. Direkt aus New York eingeflogen boten Battles eine Erleuchtung im Bereich der musikalischen Neuerfindung. Als Trio veränderten sie nicht nur die Klänge ihrer Instrumente bis zur Unkenntlichkeit, sondern fusionierten Art-Rock, Jazz, Pop und experimentelle Electronica zu einer neuen Art von Musik. Komplex, faszinierend und neuartig – ein perfekter Abschluss für den ersten Abend. The Cinematic Orchestra gingen zuvor nicht ganz so weit, begeisterten aber mit wunderbar durcharrangiertem Jazz – gefühlvoll und unaufgeregt.

Der Start in die Konzertnächte gehörte an beiden Abenden einer Gruppe aus Basel – freitags betörten Serafyn mit drei weiblichen Stimmen, Cellos und harmonischem Folk-Pop. Und samstags wurde der Rap mit Soul, Funk und Blues aufgelockert. The Benjamin Keys Show füllten den eher spärlich besuchten Platz mit vielen guten Einfällen. Doch lange blieb es nicht leer, denn als Talib Kweli seine intensiven Sprechattacken über die Kaserne schallen liess, fand man vor der Bühne eine begeisterte Masse. Conscious Rap aus den Staaten, voller Angriffslust und gesampelter Wucht.

Die wahre Party stieg danach aber bei Beginner – der legendären Rapkombo aus Hamburg, welche sich in Basel mit Jan Delay zeigte. Ihre Zeilen wurden von hunderten von Besuchern mitgesungen, ihre Beats trafen punktgenau die Magengrube. Mit einer visuell beeindruckenden Show erhellten sie die Nacht und beendeten das diesjährige Basel Open Air mehr als gelungen. Schön, dass man zwischen den grossen Massenveranstaltungen weiterhin kleine Oasen voller hochkarätiger Musik finden kann.

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Live: Archive, Kaserne Basel, 15-11-08

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Archive
Support: Pedro Lehmann
Sonntag 08.11.2015
Kaserne, Basel
Setlist

Hoard – Collect – File – Index – Catalog – Preserve – Amass – ARCHIVE. Das Kollektiv ist wieder da, alle stillgestanden. Bitte übergeben Sie alle Emotionen und Energie an die Verwalter des Archivs und bereiten Sie sich darauf vor, den Rest Ihres Lebens mit uns zu teilen. Wie Sie bereits wissen, bieten wir Ihnen eine unvergessliche Zeit und ein extremes Suchtverhalten. Lassen Sie sich auf uns ein – was jetzt bereits nicht mehr in Ihrer Hand liegt – und erleben Sie eine höhere Daseinsform. Feel it!

Wobei ich mich während dem Auftritt der englischen Band in der Kaserne in Basel schon kurz gefragt habe, wieso diese Gruppe bereits wieder hier ist. Zuletzt beehrten sie die Deutschschweiz im X-Tra in Zürich, vor 8 Monaten. Damals war das Album „Restriction“ neu und Archive präsentierten die Lieder zusammen mit dem Film zu „Axiom“. Ende 2015 gibt es kein neues Material und auch keine Überraschungen. Die Setlist besteht zwar weiterhin aus einer gesunden Mischung aus älteren und modernen Stücken, aber vergessene Perlen fand man keine. Sicherlich, eine Truppe wie Archive hat solch viele Hits und Publikumslieblinge im Gepäck, dass ihre Konzerte auch nach fünf Stunden noch grossartig wären. Trotzdem beschränkte man sich auf 13 eindrucksvolle Einblicke in das Schaffen dieser Firma. Von neusten Krachern wie „Crushed“ oder „Conflict“ zu alten Gewinnern wie „Fuck U“ oder „Dangervisit“. Dazwischen das übergeniale und unglaublich mitreissende „Finding It So Hard“. Einer der Wendepunkte ihrer Karriere, und für mich der Punkt am Konzert, an dem alles über mich herein brach. Die Wucht, die Energie, die Ausstrahlung. Wo die Musik schon Höhepunkt an Höhepunkt reiht, unterstützt die Lichtshow das gehörte mit extremen Bildern aus Scheinwerfern und Farben. Hinter den Männern wurden auf drei Leinwänden Filme gezeigt, die Texte und Melodien verstärkten und oft auch mit verstörenden Bildern faszinierten. Da fehlten natürlich Ausschnitte aus „Axiom“ nicht.

Wer leider durch Abwesenheit glänzte, war Holly Martin. Scheinbar befindet sich die hübsche Dame schon in einem anderen Land, wohl um ihr eigenes Album zu vollenden. Somit war die Abwechslung des Gesangs auf Dave Pen und Pollard Berrier beschränkt, aber kein Verlust. Dave wird immer stärker zum Frontmann und ist das Publikumsmagnet, Pollard zeigte eine wunderbare Leistung am Mikrofon. Spätestens beim abschliessenden – und immer wieder extrem starken – „Lights“ als Zugabe war man somit hin und weg. Archive können somit auch mit einer Tour zwischen zwei Alben nichts Schlechtes bieten. Egal wie oft man die Lieder schon vernommen, die Gruppe live erlebt hat – es ist immer wieder eine ganzkörperliche Erfahrung ohne Enttäuschungen.

Pedro Lehmann als Vorgruppe konnten leider keine grossen Akzente setzen. Die Mischung aus Indie, Rock und lärmenden Gitarrenausbrüchen war nett, aber mehr nicht. Vielleicht war ich nicht in der Stimmung, doch viele Lieder waren eher langatmig und nicht sonderlich abwechslungsreich. Auch die Stimme von Yannick Gächter konnte mich nicht überzeugen. Aber als Vorgruppe bei Archive dabei zu sein, ist keine einfache Aufgabe, hier ist man geistig schon woanders.

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Live: Friska Viljor, Kaserne Basel, 15-11-07

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Friska Viljor
Support: Mo Kenney
Samstag 07.11.2015
Kaserne, Basel
Bilder: Mischa Castiglioni

Samstagabend in Basel: Draussen vor den Türen wummert die Herbstmesse und alles leuchtet in den prächtigen Neonlichtern der Kirmesbahnen. Drinnen im Saal tropft Schweiss von den Stirnen und Bier kondensiert zwischen Händen und Gläsern. Schweden war zu Besuch und liess die Kaserne eine wilde Party feiern. Friska Vijor sind schliesslich nicht dafür bekannt, ruhige und bedächtige Konzerte zu spielen. Somit war auch der Auftritt zu ihrem neuen Album „My Name is…“ eine ausgelassene Sache.

Mo Kenney aus Kanada gönnte den Besucher einen ruhigen Start in den Musikabend und spielte als Support mit ihren zwei männlichen Begleitern auf der Bühne schöne und fröhliche Lieder. Oft erinnerte mich der von der Gitarre beherrschte Klang an Landeskollegen wie Alvvays. Indie mit etwas Shoegaze, Rock mit viel Emotion. Die 25 Jährige erzählte zwischen den Liedern ehrliche Anekdoten zu ihren Songs und verzauberte somit einige Zuschauer in den ersten Minuten. Im Rossstall war es darum angenehm still und auch Zwischenrufe wurden von Mo beantwortet. Gerne lauschte und tanzte man, lachte und klatschte. Sicherlich erfindet die Kanadierin mit ihrer Musik das Rad nicht neu, doch solch wundervolle Stücke zu hören macht immer Spass.

Gut gelaunt bereitete man sich auf die Schweden vor, bewaffnet mit Bier und Platz zum Tanzen. Und dieser wurde auch benötigt, denn bereits beim ersten Lied „We Are Happy Now (La La La)“ hiess es: Alle Leinen los und fröhliches Ausrasten. Lauthals mitsingen, Fäuste in die Luft, gemeinsames Tanzen, Bier ausschütten. Die Band kennt keine Zurückhaltung und präsentiert wilden Indie-Rock mit viel Energie und unterschiedlichsten Instrumenten. Gitarre, Mandoline oder Orgel, alles findet seinen Platz. Klang und Wort unterstützen die Feierlichkeiten, oft ist der Inhalt der Songs auch nicht mehr als ein Grund zu trinken. Doch wenn man die Herkunft der Band kennt, verwundert dies nicht. Haben sich Daniel Johansson und Joakim Sveningsson doch zur Gründung ihrer Band hinreissen lassen, als sie beide von ihren Freundinnen verlassen wurden. Und wie kann man sich da besser selbst therapieren, als mit krachender Musik?

Obwohl das Konzert zu Beginn etwas verhalten war und die Musiker praktisch nie direkt mit den Leuten kommunizierten, wendete sich spätestens mit der Hitdichte alles zum Besten. Es gab eine Polonaise durch den Saal und Mo kehrte für „Painted Myself in Gold“ auf die Bühne zurück. Und wer dachte, jetzt ist der Höhepunkt da, der wurde mit dem überschwänglichen „Arpeggio“ eines Besseren belehrt. Denn was könnte neu gefundene Freunde besser verbinden als diese Zeilen? „Let’s do something out of the ordinary / let’s do it good and do it now / doors are open for us to storm them all / without a care of what’s inside / I’m gonna meet you out tonight“. Yeah!

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