Karisma Records

Bjørn Riis – Forever Comes To An End (2017)

Bjørn Riis – Forever Comes To An End
Label: Karisma Records, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Künstler
Genre: Art-Rock

Wenn es einen Mitarbeiterpreis für den am schwersten arbeitenden Gitarristen unter den Musikern gäbe, mit „Forever Comes To An End“ hätte sich Bjørn Riis diesen auf jeden Fall verdient. Und ein solches Diplom würde sich bestimmt neben all den Fanpostern an den Wänden im Studio gut machen – denn auch mit seinem zweiten Soloalbum zeigt der Gitarrist von Airbag, dass er aus lebenslangen Inspirationen wunderbare Art-Rock-Songs schneidern kann. Natürlich immer voller Saitenzauber und sphärischen Wirkungen.

Es wird schnell klar, dass in Stücken wie „The Waves“ oder dem Titellied eine grosse Anzahl von guten Geistern lauert. Bjørn Riis lässt harte Riffs erbeben wie bei Porcupine Tree oder Black Sabbath, gleitet dann aber auch auf wohlklingenden Wellen wie bei Pink Floyd oder Marillion über die schlafenden Landschaften. „Forever Comes To An End“ ist also nicht nur die träumerische Weiterführung bekannter Traditionen, sondern auch die Demonstration der technischen und künstlerischen Fähigkeiten des Musikers.

Wenn man zwischen Keyboardflächen und Akkordwechseln eintaucht, dann muss man sich nie Sorgen um Luftmangel machen. Die Kompositionen von Bjørn Riis haben viel Freiraum und erdrücken den Hörer nicht mit wichtigtuerischem Abgrasen von Griffbrettern. Viel mehr geben sich atmosphärische Höhenflüge und Stakkato-Angriffe zärtlich die Hand und freuen sich auch, wenn in Liedern wie „Where Are You Now“ Gesang erklingt. Das tut dem meist instrumental gehaltenen Album sehr gut und verleiht dem Auftritt eine tiefere Ebene. Somit ist das Werk bereits nach wenigen Durchgängen nicht nur für Gitarristen eine wundervolle Meditation.

Anspieltipps:
Forever Comes To An End, The Waves, Where Are You Now

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Bjørn Riis – Lullabies In A Car Crash (2014)

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Bjørn Riis – Lullabies In A Car Crash
Label: Karisma Records, 2014
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock, Space-Rock

Wenn Herr Riis auf Youtube schon als Gilmourfanatiker auftritt und massenhaft Videos hochlädt, in denen er uns beibringt, wie man Gitarre nach dem Vorbild von Pink Floyd spielt, dann kann seine Musik auch nur wie die legendäre Band klingen. Und tatsächlich, sein erstes Soloalbum bietet Gitarrengeschichten wie früher, tief im Art-Spacerock verankert. „Lullabies In A Car Crash“ kann man dabei auch geniessen, ohne selber im Autowrack zu landen, die Schönheit strahlt auch in die dunkelsten Ecken.

Zu Beginn steht ein Intro, das sich als Geräuschkulisse tarnt, aber als stimmungsvolle Einleitung der Gitarren- und Synthieflächen dient. Die Grundstimmung wird festgelegt, die Bühne ist bereit. Mit „Stay Calm“ meint man auf „Animals“ von Pink Floyd gelandet zu sein. Klarer Gesang, untermalt von flirrenden Gitarren und einem Klangteppich mit viel Gefühl. Im Refrain die verzerrte und energische Stimme, Ausbruch der Instrumente und sanfte Erholung. Alles erinnert an die grossen Meister, ohne aber jemals eine billige Kopie zu sein. Riis hat sich den Art-Rock einverleibt und stellt ihn als Verlängerung seines Körpers dar. Das gesamte Album wirkt wie aus einem Guss und die einzelnen Lieder verlieren sich in der Reise durch 50 Minuten Musik. Man tritt hier eine Reise an, will sich verzaubern lassen und an keine technischen Details denken. Dabei fällt auch gar nicht auf, dass Bjorn Riis zu keiner Sekunde innovativ vorgeht. Die Vorbilder Steven Wilson, David Gilmour oder Steven Rothery sind immer präsent und lugen dem Musiker über die Schulter. Die grosse Kunst ist aber, dabei seinen eigenen Stil zu wahren und die Vorlagen sanft umzudichten. Eine nicht einfache Kunst, die hier aber komplett gelungen ist.

Seine Hauptband Airbag ist nie weit entfernt, treiben sie sich doch genau in diesem Umfeld rum. Dass der Gitarrist auf seinem Soloalbum ein weiteres Mal genügend Ideen und Kraft aufgebracht hat, um ein Album von solcher Qualität zu veröffentlichen, ist beachtlich. Dass die Texte dieses Mal aber die düsteren Seiten vom Leben beleuchten und oft von Verlust und Trauer handeln, macht beim Titel „Lullabies In A Car Crash“ Sinn. In den Schreckenssekunden eines Unfalls läuft die Zeit viel langsamer ab, und im Kopf hört man berührende Melodien. Mit Bjorn Riis wird sogar eine solche Katastrophe eine angenehme Angelegenheit.

Anspieltipps:
Stay Calm, Lullaby In A Car Crash