Infinity Ultra

Claude Speeed – Infinity Ultra (2017)

Claude Speeed – Infinity Ultra
Label: Planet Mu Records, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Soundcloud
Genre: IDM, Electronica

Wenn man die Tracktitel wie „Windows 95“ liest, dann ist auch ohne Anhören klar: Claude Speeed sucht auf seinem zweiten Album die Inspiration und Quellen in der Vergangenheit. Die elektronischen Skizzen und Versuche wandern auf „Infinity Ultra“ somit in altbackenen Spuren, der schottische Künstler versinkt dabei aber nie in langweiliger Nostalgie. Vielmehr versucht er, die Electronica und IDM auf eine neue Weise anzugehen, wie er damals mit seiner Band American Men den Post-Rock umkrempeln wollte.

Es ist also schon korrekt, wenn beim Einstieg mit „BCCCC“ gleich mal die Synthie-Fanfaren aufsteigen und man flächendeckend empfangen wird. Diese Wärme macht die kommenden Angriffe der komischen Rhythmen und Drones umso verdaulicher. Denn was Claude Speeed auf „Infinity Ultra“ keinesfalls ist, das ist zugängliche Simplizität oder kohärente Bauweise. Nicht nur kann man zwischen den Songs und deren kargen Bass- und Melodienspuren abstürzen, auch weisen einzelne Tracks selber immer wieder Lücken und Sollbruchstellen auf. Das Tanzen kann man sowieso gleich vergessen.

Trotzdem macht es Freude, sich mit der Musik auf diesem Album zu beschäftigen. Claude Speeed reiht hier dreckigen Noise, Retrowave, wilde Feedbackorgien und unentspannten Ambient an eine Schnur – nur um diese im Verlauf der Spielzeit immer wieder neu zu verknüpfen und durchzuschütteln. Die Platte bleibt somit gerne etwas undurchsichtig und wird wohl vor allem bei Klangtüftlern für Jubelschreie sorgen – für alle anderen sind genau diese merkwürdigen Eigenschaften der Lieder wohl der Stolperstein.

Anspieltipps:
BCCCC, Moonchord Supermagic, Contact

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.