Infinite Third

Infinite Third – Channel(s) (2017)

St.Petersburg – schnell verbindet man damit grosse Weiten, Kälte und weisser Schnee. Dass „Channel(s)“ vom amerikanischen Musiker Billy Mays III aber danach klingt, ist etwas erstaunlich. Schliesslich stammt der Künstler, der sich Infinite Third nennt, aus der gleichnamigen Stadt in Florida. Sonne und Strand gibt es in Liedern wie „Sentence(s)“ weniger, dafür werden mit Improvisationen und Flächen innere Zwänge und Ängste ergründet. Trotzdem ist das Album nie erdrückend und raubt nie die Luft.

Infinite Third, der seit 2009 die Musik dazu benutzt um persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, hat sich auf diesem Werk dem sanften Post-Rock und den elektronischen Ergänzungen verschrieben. Ohne Gesang und oft mit vielen Leerstellen werden einzelne Instrumente geschichtet und poetisch zusammengeführt. Tracks wie das experimentell zappelnde „Vision(s)“ oder das von zauberhafter Gitarre lebende „Dream(s)“ haben viel Gewicht ohne erschlagend zu wirken. Viel eher gibt es Hoffnungsschimmer und wundervolle Loops.

Menschen können alles überstehen, besonders wenn man sich die grossen Zusammenhänge bewusst wird. Dies zeigt Infinite Third nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit seiner Musik. Somit ist „Channel(s)“ zwar experimentell und vielschichtig, aber nie zu komplex oder zu repetitiv. Ob nun also heisse Sonne oder nasser Schnee, an diesem Post-Rock kann man sich immer erwärmen.

Anspieltipps:
Vision(s), Dream(s), Nothing Happend (Again)

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.