IIIIIIII / IIIIIIIII

Vlimmer – IIIIIIII / IIIIIIIII (2017)

„Beutenacht“ macht es gleich klar: Auch wenn Vlimmer in seiner 18-teiligen EP-Reihe nun die Mitte erreicht hat, glücklicher und zuversichtlicher ist Alexander Donat deswegen in seiner Musik nicht. Der Gründer des Labels Blackjack Illuminist und grosse Verfechter von grimmigem Wave zieht auch mit „IIIIIIII / IIIIIIIII“ weiterhin um die Betonruinen und verlassenen Baubrachen in Berlin. Dazu nutzt er lärmige Drones genauso wie verrauschten deutschen Gesang und geradlinige Drums unter schneidenden Gitarren.

Lieder wie „Jugendentzug“ scheren sich aber einen Dreck um die drückende Schwerkraft in dunklen Stadtgebieten, sondern krempeln Cold Wave und Noise-Pop zu einer nihilistischen Version von Klängen um, die auch Bands wie The Flaming Lips mit ihrem Album „The Terror“ anzuzapfen versuchten. Im Gegensatz zu den Amerikanern weiss Vlimmer aber jederzeit, dass übersteuerte und verfremdete Melodien kühle Skepsis und Fatalismus benötigen. Sogar wenn der EBM vorbeischaut, bleiben die Tanzschritte verhalten („Schwerelosigkeit“ oder „Strato“).

Schwarz, rau und voller Risse – „IIIIIIII / IIIIIIIII“ ist eine tolle Portion an Musik, die sich irgendwo zwischen Darkgaze und Wave herumtreibt und zu keiner Sekunde positiv sein will. Vlimmer vermengt diverse Stilrichtungen und Ideen zu einem wandelbaren Erzeugnis, entzieht jedem Tag das Sonnenlicht und lässt alles in extremer elektronischer Verzerrung versinken. Da ist es schon fast beruhigend, dass man mit „Betonozean“ doch wieder auf dem sicheren Boden der Post-Punk-Tatsachen landet. Hypnotisierend.

Anspieltipps:
Schwerelosigkeit, Körperkonstante, Strato

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.