IDM

Antwood – Sponsored Content (2017)

Antwood – Sponsored Content
Label: Planet Mu, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: IDM, Avantgarde, Electronica

Es klingt wie ein hermetisch geschlossenes System, merkwürdig und etwas zu stark auf sich selber bezogen. Aber trotzdem macht diese elektronische Avantgarde auf positive Weise stutzig. Das zweite Album des kanadischen Künstlers Tristan Douglas, welches er unter dem Pseudonym Antwood veröffentlicht, gräbt sich tief in das Gebiet des subversiven Marketing und der Manipulation mit Klang und Bild. Keine Angst, gekauft ist auf „Sponsored Content“ keine Frequenz und keine Sollbruchstelle – viel mehr wird hier alles durchleuchtet und -gerüttelt.

Antwoods Rückkehr zu Planet Mu ist rastlos und immer nahe am Abgrund. Dröhnende Synthies breiten sich über lärmigen Effekten aus, Takte und Ideen werden immer wieder mittendrin abgewürgt – nur um dann doch eine Spur von Melodie und Zusammenhang erkennen zu lassen. „The New Industry“ landet mit dieser Form fast beim Gabber, anderen Tracks wird durch verfremdete Stimmen plötzlich der Boden weggerissen. Und immerzu klingt die Musik, als könnte sie gar nicht von einem Menschen stammen. Zu kalt und kantig sind die Schichten, zu ausserirdisch sphärische Momente wie „FIJI Water“.

Die Musik auf „Sponsored Content“ erhält immer wieder Raum zur Entfaltung, oft herrschen aber Geschwindigkeit und radioaktive Energie vor. Aber genau diese direkte Art braucht es, um uns vor Augen zu halten, dass die neuen Technologien und digitalen Umgebungen eben nicht so aufgebaut sind, dass sie uns helfen und weiterbringen. Der Konsum steht auch hier an erster Stelle, die Manipulation durch Grosskonzerne an der Tagesordnung. Da ist es eine richtige Wohltat, dass sich Antwood mit seiner Musik nicht nur klanglich, sondern auch inhaltlich dagegenstellt. Dieser Avantgarde-IDM ist genau das richtige für die nächtlichen Hacker-Streifzüge durch die Server der Regierung.

Anspieltipps:
The New Industry, Wait For Yengi, Commodity Fetish Mode

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Kedr Livanskiy – Ariadna (2017)

Kedr Livanskiy – Ariadna
Label: 2MR, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: Techno, Electronica, Pop

Das tolle an Musik ist ja, dass man ohne grosse Planung und ein Flugzeug zu besteigen andere Länder und Gebiete auf der Welt erkunden kann. Dies muss dabei nicht immer in einem Kulturschock enden, kann aber neue Perspektiven auf Bekanntes bieten. So auch „Ariadna“, das erste Album der russischen Künstlerin Kedr Livanskiy, welches elektronischen Pop mit Retro-Techno und House garniert. Die eher turbulente Vergangenheit ihres Geburtslandes wird dabei auch nicht zwischen trockenen Beats vergessen.

Wenn sich eine Musikerin vor allem hinter ihrem Instrument wohl fühlt, dann lassen sich Gedanken auch am besten in Klangform ausdrücken. Für Kedr Livanskiy waren die Synthies schon immer ein heilbringender Ort und eine Zuflucht, das spürt man bei Tracks wie „Za Oknom Vesna“ oder „Mermaid“. Hier gleiten Beats, Melodien und Soundteppichen ineinander und bilden eine Einheit, die andersartig nicht vorstellbar wäre. Ob sich die Stücke nun eher mythologischen oder urbanen Einflüssen hingeben, alles klingt angenehm rau und die ätherische Stimme Livanskiys bringt die benötigte Veruchtheit. Gut eingesetzte Sprachsamples und englische Stichwörter wie bei „ACDC“ brechen die Sprachbarriere auf ein Niveau hinunter, dass die Musik allen nahekommt und zum Tanz einlädt.

Ob diese Scheibe nun im verlassenen Betonrohbau, der eisigen Kälte oder im europäischen Club genossen wird, Kedr Livanskiy bietet genau die richtigen Modulationen von Roland und Korg-Synthies. Leichte Melodien ohne wirkliche Bestimmung oder in den IDM abbiegendes Clap-Feuer, veraltet ist hier gar nichts. Dass „Ariadne“ manchmal etwas dumpf wirkt ist schon richtig so, die aufblitzenden Höhen sind dann umso schneidender. Wie die ersten Sonnenstrahlen auf monatealtem Eis.

Anspieltipps:
Ariadna, ACDC, Sad One

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Claude Speeed – Infinity Ultra (2017)

Claude Speeed – Infinity Ultra
Label: Planet Mu Records, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Soundcloud
Genre: IDM, Electronica

Wenn man die Tracktitel wie „Windows 95“ liest, dann ist auch ohne Anhören klar: Claude Speeed sucht auf seinem zweiten Album die Inspiration und Quellen in der Vergangenheit. Die elektronischen Skizzen und Versuche wandern auf „Infinity Ultra“ somit in altbackenen Spuren, der schottische Künstler versinkt dabei aber nie in langweiliger Nostalgie. Vielmehr versucht er, die Electronica und IDM auf eine neue Weise anzugehen, wie er damals mit seiner Band American Men den Post-Rock umkrempeln wollte.

Es ist also schon korrekt, wenn beim Einstieg mit „BCCCC“ gleich mal die Synthie-Fanfaren aufsteigen und man flächendeckend empfangen wird. Diese Wärme macht die kommenden Angriffe der komischen Rhythmen und Drones umso verdaulicher. Denn was Claude Speeed auf „Infinity Ultra“ keinesfalls ist, das ist zugängliche Simplizität oder kohärente Bauweise. Nicht nur kann man zwischen den Songs und deren kargen Bass- und Melodienspuren abstürzen, auch weisen einzelne Tracks selber immer wieder Lücken und Sollbruchstellen auf. Das Tanzen kann man sowieso gleich vergessen.

Trotzdem macht es Freude, sich mit der Musik auf diesem Album zu beschäftigen. Claude Speeed reiht hier dreckigen Noise, Retrowave, wilde Feedbackorgien und unentspannten Ambient an eine Schnur – nur um diese im Verlauf der Spielzeit immer wieder neu zu verknüpfen und durchzuschütteln. Die Platte bleibt somit gerne etwas undurchsichtig und wird wohl vor allem bei Klangtüftlern für Jubelschreie sorgen – für alle anderen sind genau diese merkwürdigen Eigenschaften der Lieder wohl der Stolperstein.

Anspieltipps:
BCCCC, Moonchord Supermagic, Contact

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Hidden Orchestra – Dawn Chorus (2017)

Hidden Orchestra – Dawn Chorus
Label: Tru Thoughts, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Künstler
Genre: Electronica, IDM, Jazz

„Dawn Chorus“ im Sommer zu hören, ist nicht unbedingt eine einfach Angelegenheit – besonders bei offenen Fenstern. Denn das neuste Album von Musiker Joe Acheson aus Schottland unter dem Namen Hidden Orchestra baut einen Grossteil seines Fundamentes auf Aufnahmen von Vogelgesängen auf. Da kann man sich schon mal verwundert zu einem Baum umdrehen, oder verwirrt die Anlage lauter stellen. Der Musik tut es aber sowieso gut, wenn die Stücke nicht zu leise durch den Raum plätschern – denn diese Mischung aus Jazz und Electronica ist filigran.

Wobei man aber auch keine Angst haben muss, hier aus Versehen auf kleine Spätzchen oder Meisen zu treten – denn Lieder wie „Still“ oder „Stone“ wurden über mehrere Tage hinweg mit talentierten Musikern auf genommen. Daraus entfaltet sich nach und nach ein Album voller Einflüsse des Jazz, Post-Rock und IDM. Hidden Orchestra vermengte diese Einflüsse im Studio zu einem emotionalen Album und bietet wahre Erlebnisse mit Momenten wie „Wingbeats“. Wenn Cello und Klavier auf Beats treffen, dazu die Staren singen – dann ist Musik hier mehr als ein Erzeugnis.

„Dawn Chorus“ schwillt an wir ein Chor bei Sonnenaufgang, lässt Tiere und Menschen zusammen singen und geniessen und verführt mit zarten Gesten – welche immer wieder zu lauten Höhepunkten anschwellen. Dank fantastischer Arbeit an Schlagzeug, Klavier und der elektronischen Bearbeitung bietet uns Hidden Orchestra hier ein Album für alle Temperaturen und Sommertage. Und am Ende wird man von den geflügelten Freunden davon getragen, während die Melodien noch lange nachklingen.

Anspieltipps:
Still, Wingbeats, Stone

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Blanck Mass – World Eater (2017)

Blanck Mass – World Eater
Label: Sacred Bones, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, IDM

Wer nach dem zweiten und sehr heftig tobenden Album „Dumb Flesh“ gehofft hatte, DJ Benjamin John Power kehre mit seinem neusten Werk wieder stärker zu den Ambient-Wurzeln zurück, der wird hier wundervoll vor den Kopf gestossen. Denn auch „World Eater“, die dritte Scheibe unter dem Namen Blanck Mass, ist vor allem laut und gnadenlos – hier gibt es keine sanfte Klangwolken aus Synthie-Flächen, hier gibt es Glasscherben in die Augen und glühendes Metall in die Gehörgänge. Weiter entfernt vom Auftritt an der olympischen Zeremonie in London 2012 mit „Sundowner“ war der Künstler wohl nie.

Aber das ist auch gut so, denn wenn Blanck Mass mit Tracks wie dem kolossalen Neunminüter „Rhesus Negative“ aus dem Schatten springt, kann man nur jubeln. So wild und hart war Techno selten – und trotzdem machen diese Momente extrem Spass. Trockene Industrial-Beats treffen auf heftigst verzerrte und übersteuerte Frequenzen, Liebhaber von IDM werden hellhörig. Wenn sich dann noch hymnische Melodien und geschriene Zeilen dazu gesellen, ist das elektronische Musikglück perfekt. All dies kostet zwar Energie und Ausdauer, belohnt aber umso stärker.

Dank einer guten Hand für einen reizvollen Spannungsbogen leitet uns Blanck Mass mit Geschick durch die sieben Stücke auf „World Eater“. Und bei Kompositionen wie „Please“ dürfen sogar die einzelnen Spuren sanft umhergleiten – man landet doch wieder etwas beim Ambient. Hier bedeutet dies aber nicht Tiefenentspannung, sondern emotionales Aufatmen und Neuorientieren. Denn alsbald ist man wieder bei den brüllenden Ausbrüchen wie in „The Rat“ und explodiert schier vor klanglicher Wucht. Besser gibt es lärmigen Techno wohl nirgends sonst.

Anspieltipps:
Rhesus Negative, The Rat, Minnesota / Eas Fors / Naked

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Liturgy – The Ark Work (2015)

Liturgy_The Ark Work_MBohli

Liturgy – The Ark Work
Label: Thrill Jockey, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Black Metal, IDM, Experimental

Kann Musik den Hörer soweit fordern, bis er körperliche Schmerzen verspürt? Meist ist dies zum Glück nicht der Fall, besonderes wenn man Musik ab Konserve geniesst. Konzerte können dank Lautstärke und Show doch intensiver sein. Und wenn Musik schon schmerzt, dann hört man meist nicht weiter. Ausser, es ist „The Ark Work“ von Liturgy. Die Black Metal Band aus den USA verstörte bereits mit ihrer merkwürdigen Mischung auf „Aesthethica“ und wagt sich nun noch weiter in die Unmöglichkeiten von Stilkreuzungen.

Wenn sich eine Band im Felde des Black Metal positioniert, ist es sehr schwierig an der Musik etwas zu verändern. Dem Genre obliegen klare Grenzen und die Liebhaber sind Hüter mit spitzen Federn. Ändern Musiker die Formel oder wird eine Gruppe zu bekannt, dann ist es nicht mehr wahrer Black Metal, jedenfalls für einige Betrachter. UNTRVE! Somit haben Liturgy seit Jahren einen schwierigen Stand, denn ihre Musik baut zwar auf dieser harten Metal-Art auf, mischt aber noch unglaublich viel Anderes mit rein. So ballern Schlagzeug und Bass wild drauflos, die Gitarren werden so schnell gespielt, dass man seine Hand schon verkrampft an den Körper hält. Durch diese extreme Repetition klingen die Saiteninstrumente oft wie Bläser, eine Disharmonie wie bei einem Dudelsack entsteht. Jaulend und kreischend vollbringen die Musiker so Melodien, bauen Grundgerüste für Angriffe und brechen alles wieder ein. Die Pausenstücke „Follow“ und „Follow II“ verstören mit ihrem Gedudel, ein inhaltsloses Experimentalerscheinen der Elektronik. Aber gerade diese Bauteile vollenden so manches Stück dieses Werks. Die Anteile der intelligenten Tanzmusik bieten Beats, Flächen und Unterstützung des klaren Gesangs. Durch viele Satzwiederholungen werden die Tracks hypnotisch und man kann wie bei einem Unfall nicht wegschauen. Besonders das über elf Minuten lange „Reign Array“ ist einfach nur gewaltig. Aber wer nicht in den ersten Sekunden fasziniert ist, der wird auch für den restlichen Teil des Albums nicht warm damit.

Am Ende sitzt man da, die Ohren dröhnen und der Kopf fühlt sich schwer und träge an. „The Ark Work“ ist eine knappe Stunde Prügelei für die Gehörgänge, Musik, die nicht schön oder einfach ist, aber immer fasziniert. Auch wenn sich nie ganz erschliesst, wie ernst es Liturgy wirklich meinen – ein Witz können solche Lieder nicht sein. Dafür steckt zu viel drin und darum ist das Album einfach nur toll, auf total verstörende Weise. Nur für Wagemutige.

Anspieltipps:
Follow, Quetzalcoatl, Reign Array

Clark – Clark (2014)

Clark-Clark-Vinyl_MBohli

Clark – Clark
Label: Warp Records, 2014
Format: Doppelvinyl mit Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: IDM, Techno, Ambient

Manchmal lässt man sich leicht täuschen. Als ich das Album von Clark im Regal entdeckte und kurz etwas darüber las, vermutete ich darunter das Debütalbum eines Elektro-Künstlers. Selbstbetitelte Alben müssen aber nicht immer Erstgeborene sein, so ist auch „Clark“ bereits das siebte Werk vom Engländer Christopher Stephen Clark. Der Produzent und Künstler kann bereits auf eine gelungene Karriere im Bereich des IDM und Techno zurückschauen und legt auch hier ein tolles und abwechslungsreiches Album vor.

Wenn man am Ende mit dem zweckmässig reparierten Raumgleiter auf dem nassen Asphalt landet, begleitet von tiefen und voluminösen Synths, dann fühlt man sich nicht nur in den 80ern angekommen, sondern auch in Blade Runner getaucht. Der Weg hierhin würde eine solche Ankunft nicht vermuten lassen, schlussendlich ist es aber eine logische Entwicklung. Die Schönheit in „Petroleum Tinged“ findet man von Anfang an auf „Clark“ und lässt sich auch nicht von den wildesten Beats und Breaks unterkriegen. Das Intro „Ship Is Flooding“ dröhnt wie ein Schiffshorn auf MDMA, legt mit seinen Flächen den Boden für das erste Highlight „Winter Linn“. Die Beats beginnen sich aufzutürmen, alles knarrt und kratzt – und dann der völlig gegen den Strich gehende Melodienverlauf. Solche Momente sind typisch im IDM und fordern angenehm beim Konsum der Musik. Was hier im Wohnzimmer funktioniert, klappt auch im Club. Die Musik von Clark fordert geradezu lautes Hören auf einer guten Anlage, Drink oder Bier in der Hand aber optional. Getränke würde man im Verlauf der Platte wohl auch verschütten, wechselt der Künstler doch gerne die Genres. Die Stücke lehnen sich mal stärker in den Electro, dann wieder in den härteren Techno oder verschwinden ganz im Ambient. Grob gesagt findet man auf der ersten Vinylscheibe vor allem die harten Beats und schnellen Tempi, auf der zweiten dann die Musik, die auch zum Träumen geeignet ist. Chris Clark hält dabei aber immer Überhand und dirigiert die einzelnen Bestandteile mit sicherer Hand ins Ziel. Egal wie unterschiedlich, alles fügt sich zu einem Gesamtbild mit einheitlicher Stimmung zusammen. Und da sich Clark wohl bei grossen Meistern wie Vangelis orientierte, findet man keine Schwachstelle.

„Clark“ sammelt viele Gegensätze und Unterschiede auf einem Album, verzettelt sich aber dabei nie. Dank der Gestaltung mit viel Verzerrung, Rauschen und Zerfall erhalten die Lieder eine Schlagseite der Imperfektion – dies steht dem Werk ausgezeichnet. Schönheit mit Rostflecken sozusagen. Wer sich also für etwas düstere und fordernde Musik im Bereich IDM-Techno interessiert, der muss hier zuschlagen.

Anspieltipps:
Winter Linn, The Grit In The Pearl, Petroleum Tinged

Steffi – Power Of Anonymity (2014)

Steffi_Power-of-Anonymity_MBohli

Steffi – Power Of Anonymity
Label: Ostgut Ton, 2014
Format: Doppelvinyl
Links: Discogs, Künstlerin
Genre: Techno, IDM, Electro

Bei elektronischer Musik stellt sich nicht nur beim Käufer, sondern oft auch beim Produzenten die Frage: Wo und wann soll dieses Album denn gespielt werden? Soll es die Tänzerinnen und Tänzer im Club zum schwitzen bringen, oder eher eine Gesprächsrunde in der heimischen Stube zum Leben erwecken? Steffi, seit knapp 20 Jahren DJane und auf dem Berghain-Label Ostgut Ton zu Hause, wollte mit „Power Of Anonymity“ etwas Drittes: Musik kreieren, die sie selber gerne in den dunklen Tanzräumen hören mag.

Ihr zweites Album folgt dabei ihren Pfaden zurück in die Anfangszeit ihrer Karriere. Damals war die Musik in den Clubs noch nicht so düster und dunkel wie heute, und nicht alles ballerte mit übelsten Bässen den Boden weg. Synth und Sequenzer durften Melodien und Hooklines kreieren, die eher psychedelisch fesseln und in ihrer Repetition eigene Reize spriessen lassen. Auch Steffi lässt die Töne hüpfen und aufeinander prallen, ohne die Läufe zu früh zu beenden oder zu schichten. Die Tracks entfalten sich zaghaft aber stetig. Der Beginn des Albums ist mit „PIP“ locker und zielt nicht direkt auf die minimalistische Bauweise dieser Musik ab. Je länger die Reise mit „Power Of Anonymity“ aber andauert, desto weiter wagen wir uns auf die Tanzfläche. Bei „Selfhood“ beispielsweise drücken die Keyboards auf die Tube und die Geschwindigkeit zieht an, oder „Bang For Your Buck“ trumpft mit starker Perkussion. Steffi gestaltet ihre Arrangements dabei nie überhastet oder zu voll, sondern lässt den Klängen Raum zum Atmen. Das Album behält somit seine lockere Grundstimmung und ist erstaunlich positiv für den Ostgut Ton-Katalog, denn dort regiert oft die Unterwelt. Wenn gegen Schluss dann noch Dexter und Virginia auf „Treasure Seaking“ einen gesanglichen Beitrag leisten, will man die Beine schwingen und grinsend in die Nacht hopsen.

Die kompakte Produktionsweise des Albums lässt sich am Klang erhören, denn alle Lieder verfügen über denselben Vibe und ergänzen sich zu einem gesamten Körper. Einzelne Tracks stechen dabei zwar nie gross aus der Menge heraus, in ihrer Gesamtheit fliesst aber alles wunderbar zusammen. Der Zweitling von Steffi hat somit beide eingangs erwähnte Situationen gemeistert, denn das Album besteht nicht nur im Club, sondern auch zu Hause mit Freunden. Intelligente Tanzmusik mit ein wenig Retroflair, so macht es Spass.

Anspieltipps:
Selfhood, Bang For Your Buck, Treasure Seeking