Headphone Dust

Fovea Hex – The Salt Garden 2 (2017)

Fovea Hex – The Salt Garden 2
Label: Headphone Dust, 2017
Format: Download
Links: FacebookBand
Genre: Folk, Ambient

Berauschend, meditativ und immerzu auch ein wenig mysteriös – die Musik auf „The Salt Garden 2“ gestaltet sich in etwa so, wie der mitternächtliche Gang durch ein Labyrinth im Schlossgarten. Fovea Hex, die irische Experimental Band unter der Leitung von Clodagh Simonds, gibt sich seit 2005 als unfassbares Ding zwischen Nebelgestalt und Traumerscheinung. Dieses Wirken machte auch Steven Wilson hellhörig und nun erscheint bereits die zweite EP auf ebendiesem Label.

Dabei bieten Fovea Hex auf ihrer neusten Platte eigentlich eher die gegenteilige Musik, die Mann bei einer abgesegneten Veröffentlichung des Prog-Gottes erwarten würde. Denn Stücke wie „You Where There“ oder „All Those Sings“ sind gemächlich, sanft und immer unterschwellig. Das Kollektiv sucht mit klassischen Instrumenten wie Cello und wandelbaren Stimmen eine universelle Wirkung – nur um dieses mit modernen Zauberern wie Brian Eno am Synthie zu verstärken. Die Musik, welche dabei entsteht, ist immer ruhig und nahe beim Ambient-Folk zu verorten.

Man sollte sich aber nicht über die gemächliche Geschwindigkeit und das filigrane Gerüst täuschen lassen – denn hinter „The Salt Garden 2“ sitzen nicht nur Jahre von Erfahrung, sondern auch grossartige Ideen und Harmonien.  Die Musik lässt sich zwar nie kategorisieren, Chorgesänge, eine erbebende Katharsis und die schmerzhafte Zerbrechlichkeit verbinden sich bei Fovea Hex aber zu einem betörenden Erlebnis. Der Abschluss der Trilogie kann somit also schnell passieren.

Anspieltipps:
You Were There, All Those Signs,

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Fovea Hex – The Salt Garden 1 (2016)

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Fovea Hex – The Salt Garden 1
Label: Headphone Dust, 2016
Format: 10inch Vinyl mit 2 CDs
Links: Discogs, Band
Genre: Folk, Art-Pop, Ambient

Wenn ein Gott plötzlich Personen in sein Reich lässt, diese grossherzig willkommen heisst und sie wohl behütet bleiben lässt, dann müssen diese Menschen etwas sehr besonderes sein. Fovea Hex mussten sich somit sofort mit grossen Erwartungshaltungen konfrontiert sehen, denn als erste Band wurden sie auf dem Label von Steven Wilson ins Portfolio aufgenommen. Doch geschickt umgeht die Band all diese Vorurteile und Gefahren und präsentiert mit „The Salt Garden 1“ eine EP, die musikalisch wohl niemand erwartet hatte. Feenstaub hallo!

Clodagh Simonds sammelt unter dem Namen Fovea Hex nicht nur sanfte Stimmungsbilder auf EPs, sondern auch hochkarätige Mitspieler. So unterstützten sie nicht nur Herr Wilson selber, sondern auch Brian Eno oder Roger Fripp. Diese Musiker formten für Simonds Stimme immer passende Lieder und gaben ihr ein verzauberndes Umfeld. „The Salt Garden 1“ ist nicht nur ein Neustart, sondern eine Fortführung bekannter Tugenden. Mit vier andächtigen Liedern voller sakraler Melodien und schönem Gesang versinkt die Künstlerin in einem Nebel aus Folk, Pop und Ambient. Sanfte Instrumentenspuren umfliessen ihre Knöchel, Chorgesang erhebt sich zwischen den Polen. Gemächlichkeit und bedachtes Handeln stehen an vorderster Stelle, so wird bei „The Golden Sun Rises Upon The World Again“ genau dieser Satz zu einem kompletten Lied ausgedehnt. Allgemein verlässt sich Fovea Hex eher auf Wirkung als auf Worte, bei „Solace“ werden diese nämlich komplett weggelassen. Durch diese Wendung erstarkt das Lied in seiner Form und ist das Highlight. Den Eindruck hatte wohl auch Steven Wilson, der aus den kurzen Minuten auf einer zusätzlichen CD ein über 20 Minuten langes Ambientschauspiel kreierte.

Ganz klar der irischen Heimat huldigend, gleichzeitig aber auch komplett eigenständig auftretend ist „The Salt Garden 1“ eine wunderschöne Begegnung mit Clodagh Simonds. Ohne sich an den typischen Klischees zu vergreifen, erschuf die Künstlerin einen schwelgerischen Auftakt zur neuen Trilogie. Wilsons Wahl, Fovea Hex als erste Labelkollegen zu präsentieren, ist erstaunlich frei und gelungen. Eine wundervolle EP für genussvolle Minuten.

Anspieltipps:
The Golden Sun Rises Upon The World Again, Solace