Giulio Aldinucci

Giulio Aldinucci – Borders And Ruins (2017)

Giulio Aldinucci – Borders And Ruins
Label: Karlrecords, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Ambient, Electronica

„The border is a real crack in an imaginary dam. / The border used to be an actual place, but now, it is the act of a thousand imaginations.“ Dies schrieb Alberto Ríos, amerkanischer Dichter, in seinem wunderschönen doppelten Sonet „The Border“ und legte damit den perfekten Grundstein für „Borders And Ruins“. Denn der italienische Künstler Giulio Aldinucci behandelt mit seinem neusten Album genau dieses schwierige Thema und sucht in sonischem Chaos die Ordnung zu finden, die wir auf der Welt nicht mehr hochhalten können. 

Als Komponist und Sucher im Bereich der experimentellen Electronica und dem Ambient tätig, lebt auch dieses Album von den Schichten, die sich ineinander verweben, wie Wolken am Himmel aufgetürmt werden – nur um dann wieder in kleine Stücke zu zerfallen und auseinander zu driften. Akustische Aufnahmen mischen sich unter verfremdete Synthie-Spuren, ein Rauschen breitet sich zwischen Frequenzen aus. Nie ist die Ordnung der Musik sicher, alles wirkt immer instabil – Giulio Aldinucci will auch gar nichts anderes. Denn hier geht es nicht um Trost, hier geht es sakralen Zerfall.

„Borders And Ruins“ ist dadurch aber noch lange kein unhörbares Stückwerk, sondern überrascht immer wieder mit tiefer Schönheit in den lärmigen Zwischenteilen. Bereits das erste Stück „Exodus Mandala“ wirkt mit Chorgesang und weiten Keyboardflächen erhaben und diese Stimmung trägt sich durch das gesamte Werk. Giulio Aldinucci beweist sich als Meister der sanften Veränderungen und weiss, wie zärtlich Ambient sein kann.  Das überraschendste an dieser Platte ist aber, wie treffend ein Kommentar zur aktuellen politischen Lage sein kann, ohne ein Wort zu benutzen. Hier liegt die wahre Grösse versteckt.

Anspieltipps:
Exodus Mandala, Venus Of The Bees, The Sunken Horizon

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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