Ghost Label Record

Baryonyx – Fuori Il Blizzard (2016)

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Baryonyx – Fuori Il Blizzard
Label: Ghost Label Record, 2016
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Alternative, Synth-Pop

2007 begannen zwei Herren in Livorno mit der spannenden Idee, die Rockmusik mit einer elektronischen Herangehensweise neu zu definieren. Matteo Ceccarini und Antonio Morelli versuchten diesen Gedanken über mehrere Umwege umzusetzen und landeten nun für die erste LP vpn Baryonyx wieder im selben Boot. „Fuori Il Blizzard“ kombiniert dabei fröhlichen Pop-Rock, den gewisse schon bei Jovanotti antrafen, und alternative Synthformationen, welche die klassischen Strukturen gerne etwas aufbrechen. Kurzweilig bleibt dieses Album also auf jeden Fall.

Nach einem zurückhaltenden Intro findet man sich gleich in einer Umgebung wieder, die vom Blizzard berührt wurde. Gitarren und Schlagzeug wurden durchgeschüttelt und Keyboards übernehmen regelmässig deren Aufgaben. Das macht die Lieder spürbar anders – Baryonyx sind aber keine verrückten Wissenschaftler, welche alle Konventionen sprengen. Klar lebt „Bonacciale“ von seinem digitalen Beat und der Gesang wird immer wieder verfremdet; Rock und Wave gehen aber auch gerne geteilte Wege. „Fuori Il Blizzard“ könnte somit viel wilder sein.

Es ist dem Songwriting von Baryonyx zu verdanken, dass man ihnen diese zaghaften Schritte verzeiht. Das Album macht Spass und lässt sich gut anhören, ab „Trilobyte“ landet man immer mehr im Club. Schön aber, dass hier alle tolerant sind und auch Lederjackenträger hereingelassen werden. So feiert man zusammen die Neugier in der Musik und lässt bei „Voce 84“ die Disco beben. Wenn sie diese zwei Gegenpole nur noch griffiger kombinieren würden, wären die Italiener bestimmt bald weit bekannt.

Anspieltipps:
Mondo A Calori, Ergosfera, Trilobyte

Dieser Text erschient zuerst bei Artnoir.

Ru Fus – In Fabula (2016)

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Ru Fus – In Fabula
Lbael: Ghost Label Record, 2016
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Alternative Rock, Noise

Eigentlich ist es einfach – man braucht ein Schlagzeug, das trocken aufgenommen wird, einen Bass, der die Saiten tief vibrieren lässt und eine Gitarre, die alle Verzerrungsgeräte im Dorf eingsammelt und angehängt hat. Voller Elan werden diese Mittel nun gemeinsam gegen einen langweiligen Abend in Pisa eingesetzt und schon bebt der italienische Boden. Ru Fus wissen, dass Proto-Grunge und Noise Rock noch immer für zappelige Stunden sorgt.

Hinter dem witzigen Namen verbirgt sich Emiliano Valente, einer der alten Hasen in der dortigen Musikszene und fingerfertiger Saitenspieler. Zusammen mit einem Sänger und Schlagzeuger gibt es mit „In Fabula“ nun zwölf Songs, die uns allen plötzlich lange Haare wachsen und uns Luftinstrumente spielen lassen. Ru Fus verlassen dabei die Gebiete des Proberaums, das Album klingt schnell aufgenommen, dreckig produziert und voller Lust auf krachende Nächte. Wieso sollte man wilden Stoner Rock polieren? Ein lärmiges und verzerrtes Lied voller Energie macht schliesslich mehr Spass.

Klar, „In Fabula“ dreht die Entwicklung in der Rockgeschichte nicht um, auch wirken viele Songs etwas zu gleichförmig. Für Liebhaber der abgenutzten Gitarren und Liebesbekundungen an die impulsiven Momente im Leben ist das Wirken von Ru Fus aber gut geeignet. Lange Überlegungen zum Songwriting und der Produktion sollte man sich aber keine machen. Aber wer will dies schon nach mehreren Bieren in dunklen Stunden? Und so schräg wie „Oblivion“ klangen Pearl Jam schliesslich schon lange nicht mehr.

Anspieltipps:
Around My Brain, Oblivion, Blackest Rain