Experimental

Moebius Story Leidecker – Familiar (2017)

Wenn ein Toter wieder aufersteht, dann wird dies meist mit einem zuckenden Leib beschrieben. Passenderweise weckt einem das Album „Familiar“ auch gleich im zweiten Stück mit „Zucken“, das Wiederhören mit dem Elektropionier Dieter Moebius funktioniert somit auf diversen Ebenen. Der Schweizer-Deutsche Künstler war nicht nur Teil von Cluster und Revolutionär des Krautrocks, sondern bis zu seinem Tod 2015 aktiv und neugierig. So traf er sich 2012 in Montana mit den amerikanischen Musikern Tim Story und Jon Leidecker für eine Woche voller Musizieren und Ausprobieren und nach „Snowghost Pieces“ versammelt nun „Familiar“ Teile dieser Sessions.

Man merkt den Tracks dabei oft an, dass sie unter totaler Freiheit und Anregung zur Tüftelei entstanden sind. Formale Grenzen gibt es keine, Rhythmus und Melodien wandern umher und lassen sich gegenseitig beeinflussen. Moebius Story Leidecker vergassen dabei aber nie, dass elektronische Krautrock-Avantgarde auch schnell mühselig werden kann. Egal ob „Block Now“ oder das Titellied, alles findet innerhalb einer normalen Songlänge statt. Wenn sich am Ende von „Familiar“ dann die drei Herren mit „Vexed“ noch an eine lange Reise wagen, dann ist es auch da nie überfordern komplex. Viel eher faszinieren die blubbernden, kratzenden und scheinbar lebendigen Geräusche aus Synthie und Perkussion.

Nicht alles ist so eingängig wie das pulsierende „Zucken“, aber auch nicht alles ist so befremdend wie der Beginn mit „Wrong“. Viel eher haben Moebius Story Leidecker hier eine angenehme Mischung aus Planung und wildem Trip gefunden, der sich organisch in die Umgebung einfügt. Für alle Freunde der etwas abgefahrenen Klangspiele ist diese Scheibe somit ein Muss, und natürlich eine weitere freudige Begegnung mit Dieter Moebius.

Anspieltipps:
Zucken, Familiar, Vexed

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Advertisements

Kai Reznik – Awkward Motions (2017)

Kai Reznik, der mysteriöse Musiker aus Frankreich, bleibt auch mit seinem zweiten Album „Awkward Motions“ ein Schatten. Doch je weniger man über seine Person schreiben kann, desto mehr Raum bleibt für die Musik übrig. Denn was bereits mit der EP „Scary Sleep Paralysis“ in 2016 angekündigt wurde, das wird nun umso stärker und eindringlicher fortgesetzt: Diese Mischung aus harter Electronica, vergiftetem Ambient und synthetischem Industrial ist unangenehm und wild. Damit man aber nicht komplett im klanglichen Wahnsinn versinkt, leiten mehrere Gäste durch die Tracks.

Mit „Beautiful agony“ werden die krachenden und stolpernden Beats von M.A.D im Zaun gehalten, seine Stimme verleiht dem Lied dafür eine umso unheimlichere Komponente. Die Epik des Einstiegs „The Awkward groovy X tension“ findet man auch hier und in allen folgenden Kompositionen, fast als würde sich Kai Reznik als Hofmusiker von albtraumähnlichen TV-Serien anbieten. Geschichten zu erzählen ist allgemein ein sehr gewichtiger Punkt, „L.A.S.T.“ verführt uns zum Beispiel in ein Gothic-Verlies voller Lust und verhängnisvoller Begegnungen. Hier stellt sich die Musik fast an die zweite Stelle, drückt aber immer wieder durch die Stimmen.

Ob mit verzerrten Gitarren, schepperndem Electrodrum oder polyphonen Synthies – die Scheibe bleibt vielschichtig und überraschend. Wie auf der EP gilt zwar auch hier, dass gewisse Ideen nicht so perfekt aufgehen wollen und die Produktion oft etwas billig wirkt, doch dies lässt die Musik von Kai Reznik auch in die herrlichen Gebiete der B-Movies abdriften. Hier werden aber nicht pralle Blondinen von Muskelpaketen gerettet, hier wird die Welt mit berstender Electronica in die Abgründe der Zivilisation geführt.

Anspieltipps:
Beautiful Agony, Aerica’s Whisper, L.A.S.T.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Nadah El Shazly – Ahwar (2017)

Es ist eine aufregende Zeit um in den Osten zu blicken und die aktuelle Musikszene zu beobachten. Denn wie abgesprochen, sind in den letzten wenigen Jahren einige frische Künstlerinnen an der Oberfläche aufgetaucht, die nicht nur in ihrer Heimat, sondern global für Furore gesorgt haben. Nach Yasmine Hamdan (Libanon) und Noga Erez (Israel) zieht mit „Ahwar“ auch Nadah El Shazly aus Ägypten nach, bietet auf ihrem Album aber vor allem Andersartiges. Passend zum surrealistischen Covermotiv taucht man tief in wundersame Kompositionen ein, weit weg vom Pop.

„Afqid Adh-Dhakira“ lässt zwar die Gedanken in Richtung arabische Eingängigkeit gleiten, Nadah El Shazly macht dem aber nach wenigen Takten einen Strich durch die Rechnung und nimmt den Hörer mit in die befremdende Welt aus schrägen Arrangements, abstrakten Klangfolgen und dem Jazz nahe Expositionen. Viel von der Punk-Vergangenheit der Künstlerin blieb also nicht übrig, umso erstaunlicher ist die Weite, welche sich auf diesem Debüt auftut. Von direkter Gesangperformance, nur mit wenigen Instrumenten untermalt, bis hin zu leichten Beats und Drones ist alles vorhanden und webt sich bunter zusammen als die schönsten Teppiche auf dem Markt.

Dass man Nadah El Shazly nicht versteht, ausser man ist des Arabischen mächtig, tut dem Genuss zu keiner Sekunde weh – viel eher wirken gewisse Passagen und Melodien noch ferner und interessanter. Die Reise, welche man mit „Ahwar“ unternimmt ist somit niemals ein Klischeeprodukt des Ostens, sondern ein progressiver und mutiger Schritt in die Emanzipation. Was sich wohl mit wenigen anderen Künstlern direkt vergleichen lässt, ist hier eine Begegnung voller Herausforderungen und Belohnungen. Offene Geister verbindet euch.

Anspieltipps:
Afqid Adh-Dhakira, Palmyra, Koala

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Siren Section – New Disconnect (2017)

Band: Siren Section
Album: New Disconnect
Genre: Wave / Elektro / EBM

Label/Vertrieb: Eigenveröffentlichung
VÖ: 27. Oktober 2017
Webseite: sirensection.com

Warum sollte man sich zwischen alten Legenden der elektronischen Musik und neuen Talenten entscheiden müssen? James Cumberland und John Dowling dachten sich wohl genau dies, als sie 1994 zum ersten Mal gemeinsam musizierten und heute nun unter dem Banner Siren Section in allen Formen der digitalen Musik für Furore sorgen. Mit ihrem neusten Werk „New Disconnect“ wird somit auch keine Stilbegrenzung vorgenommen, sondern zwischen Einflüssen des Krautrock, Cold Wave, Techno und EBM gependelt. Und ja, das macht Laune.

Obwohl sich die Produktion manchmal etwas zu flach anhört, sorgt dies für die nötige Kühle und Distanz auf dem Album. Lieder wie „June Future“ fallen auch in der Grufti-Szene nicht auf, wagen sich aber sogar an den Flirt mit dem alten Indierock. Siren Section behalten in all diesen Ideen immer den Überblick und haben ein Album geformt, das sowohl kohärent als auch überraschend ist. So darf man bei „Here Comes The Midnight Sun“ im Drum’n’Bass tanzen, „Santa Cruz“ führt dreckige und stark verzerrte Synthies ins Feld. Ob Kraftwerk oder Depeche Mode, hier findet sich alles ein.

Dass sich bei „New Disconnect“ erst um das zweite Album von Siren Section handelt, würde man nicht denken, aber zu diesem Ziel haben auch viele Kollaborationen und Versuche unter anderen Namen geführt. Gut also, hat sich das Duo wieder zusammengefunden und zeigt mit seinen Kompositionen, dass sich niemand vor elektronischer Musik fürchten muss. Ob man nun wild feiern oder alleine geniessen will, Tracks wie „Ground Descending“ erlauben beides und sehen immer schmuck aus.

Anspieltipps:
June Future, Santa Cruz, New Disconnect

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Claire M Singer – Fairge (2017)

Band: Claire M Singer
Album: Fairge
Genre: Experimental / Ambient

Label/Vertrieb: Touch
VÖ: 20. Oktober 2017
Webseite: clairemsinger.com

Und jetzt zu etwas komplett Anderem: Eine 20-minütige Komposition für Orgel und Cello, ein kontinuierliches Anschwellen an Klangschichten, ein hypnotisches Stück Musik zwischen Experiment und Ambient. Was die schottische Künstlerin Claire M Singer mit “Fairge” vorlegt, ist genauso träumerisch und unwirklich wie geerdet und emotional. Knapp ein Jahr nach ihre Debütalbum “Solas” wird der Kosmos dieses jungen Talents gefühlvoll erweitert und ist nicht nur für Denker interessant.

“Fairge” ist als Lied wie als Konzept eine Reise und beginnt in kompletter Stille. Ganz sachte lässt Claire M Singer die Instrumente in das Bewusstsein des Hörers treten und verfeinert die Töne mit Elektronik. Was zuerst wie etwas unheimliche Field Recordings wirkt, bläht sich mit jeder Minute zu einem grösseren Klangkörper auf und man bemerkt: Dies sind Orgelnoten, welche schier pausenlos gehalten werden. Schwermütig, aber immer zaubervoll vom Cello umgarnt, steigt man zusammen mit der sich steigernden Lautstärke in die Höhe. Und spätestens ab der Hälfte des Liedes findet die Katharsis statt.

Claire M Singer scheut sich nicht, meist eher veraltet anmutende Instrumente in experimentelle Formen zu bringen und mit wenigen Veränderungen in der Komposition extreme Wirkungen zu erzielen. “Fairge” ist somit eine ergreifende Erfahrung und sowohl für Leute perfekt, denen Anna Von Hausswolff immer etwas zu bedrohlich erschien, für die die Orgel im Soundtrack zu “Interstellar” dann aber doch zu selten aufspielen durfte. Und wenn am Ende die Musik langsam wieder aus unserer Wahrnehmung verschwindet, so bleibt das Gefühl der Vollkommenheit.

Anspieltipps:
Fairge

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Egopusher, Moods Zürich, 17-10-20

Egopusher
Support: Chico Cream
Freitag 20. Oktober 2017
Moods, Zürich

Es war zu erwarten gewesen – dass die Musiker und Besucher dann aber in solch intensives, blutrotes Licht getaucht wurden, war doch mehr als überraschend. Die Plattentaufe zum ersten Album von Egopusher wurde nämlich nicht nur von vielen Leuten begleitet, sondern mit einer gelungenen und wirkungsvollen Lichtshow untermalt. Das Duo und ihr erstes, vollwertiges Baby hatten aber auch gar nicht weniger verdient, ist „Blood Red“ doch ein Album, das lange Zeit begeistert. Obwohl bereits seit einer Woche erhältlich, war es an diesem Freitag dann soweit, offiziell die Geburt zu feiern – im edlen Lokal Moods in Zürich.

Weil Schlagzeuger Alessandro Giannelli und sein Bandkumpel und Violinist Tobias Preisig gerne über dem Horizont schweben und wirken, war bereits die Einstimmung mit Support Chico Cream ein Genuss. Mario Scarton sass hinter einer halben Burg aus Klavier, Synthies und Effektgeräten, beugte sich wie ein verrückter Forscher über die Tasten und entlockte ihnen Klänge, die zwischen abstürzend verzerrt und hallend klar pendelten. Der von der Berliner Szene beeinflusste Künstler liess aus Ambientfiguren tanzbare Technobeats wachsen, krümmte Harmonien um die Basspedale und fabrizierte Musik, die fast das Magazin De:Bug wiederbelebte.

In diesen nährhaften Boden pflanzten Egopusher dann ihre Samen und schafften es zum wiederholten Mal, mit ihrer faszinierenden Mischung aus perkussiver Wucht, avantgardistischer Streichmusik und Club-Electronica die Leute zum Tanzen und Feiern zu bringen. Pulsierende Stücke wie „Jennifer (William Part II)“ wechselten sich mit experimentellen Steigerungen ab, bejubelte Singles („Patrol“) liessen die Endorphine nur so fliessen. Doch wie leider oft zu beobachten in der etwas jungen und hippen Szene, verkrampften sich zu viele Leute lieber an ihren Smartphones, als den Moment zu geniessen.

Dies kann man der Band nicht vorwerfen, gaben Egopusher schliesslich alles und verliessen die Bühne schweissnass und glücklich, wenn leider auch ohne eine Zugabe zu spielen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, diese Herren auch schon in stärker packender Form live erlebt zu haben. Gewisse Momente wirkten etwas verzettelt, was die Genialität hinter ihren Liedern aber auf keinen Fall schmälerte. Preisig und Giannelli haben mit ihrer andersartigen Musik eine Quelle angezapft, die hoffentlich noch lange nicht versiegen wird und herrlich frischen Wind in die Welt der handgemachten Electronica bringt.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

John Maus – Screen Memories (2017)

Band: John Maus
Album: Screen Memories
Genre: Pop / Lo-Fi / Wave

Label/Vertrieb: Ribbon
VÖ: 27. Oktober 2017
Webseite: johnma.us

Wie haben wir diese sechs Jahre nur ausgehalten? Nach drei wahnsinnig guten und andersartigen Experimental-Pop-Alben kehrte der amerikanische Musiker John Maus dem Business nämlich den Rücken zu und widmete sich seiner akademischen Karriere. Mit einem Doktortitel in politischer Philosophie ausgestattet ist es nun aber endlich wieder an der Zeit, neue Lieder zu veröffentlichen. Und “Screen Memories” ist genau dieses zauberhafte Ding, das man sich gewünscht hatte. Endlich ist der Meister des Barock-Pop wieder auf dem Thron!

Wie schon beim letzten grossartigen Werk “We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves” regieren hier die Synthie-Klänge und Drumcomputer der Achtziger, der hallende Gesang von John Maus und leichte Gitarrenspuren. Dies alles mischt sich unverkennbar zu keck tanzenden Takten, zu romantisch anmutenden Harmonien und verträumten Liebeleien. Man schwebt zwischen bunten Wolken (“Decide Decide”), man schaut neugierig in düstere Abgründe (“Touchdown”) oder erlebt die polyphonen Seiten des Post-Punk wie mit “Edge Of Forever”. Maus versteht es dabei genial, die distanzwahrende Kühlheit der Musik mit Emotionen zu verbinden.

“Screen Memories” ist dank dieser eigenartigen und immer wieder reizvollen Mischung ein Album, auf dem sich jeder Song kurz zum Hit entwickelt. John Maus gönnt seinen Ideen wenige Minuten, aber genügend Spielraum und jongliert mit Stimmungen und einer erhabenen Atmosphäre, die nicht selten an die Renaissance erinnert. Dabei verliert er nie den Überblick und lässt ein passendes Lo-Fi-Wave-Gefühl entstehen, mit dem man sich bequem in die Musik bettet und geniesst. Danke dafür.

Anspieltipps:
Touchdown, Decide Decide, The People Are Missing

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Mixtaped Monk – Tales From A Distant Galaxy (2017)

Band: Mixtaped Monk
Album: Tales From A Distant Galaxy
Genre: Electronica / Experimental

Label/Vertrieb: Eigenveröffentlichung
VÖ: 21. September 2017
Webseite: Mixtaped Monk auf FB

Als wir den weltallbereisenden Mönch zum letzten Mal antrafen, da war er mit Cousin Silas auf Wanderschaft, liess uns alle in elektronische Wohlklängen baden und lieferte den „Soundtrack To Your Own Fantasy„. Für das vierte, wieder instrumentale Album „Tales From A Distant Galaxy“ von Mixtaped Monk darf man nun in die Geschichte einer Figur eintauchen, die sich Lichtjahre von uns entfernt so abgespielt haben könnte oder noch abspielen wird. Erneut werden diverse Stilrichtungen zu einem gelungenen Album zusammengefügt, bereit, um von unseren Gedanken belebt zu werden.

Mixtaped Monk weiss genau, wie man die Reize der menschlichen Fantasie auslöst und wie dazu Keyboardflächen und sanfte Gitarren der Geschichte ihre Dienste erweisen. Ob sich das Album in Richtung Ambient mit Synthiereizen ausdehnt – wie beim passend betitelten „Before Genesis“ – oder sich doch eher auf experimentellen und leichten Post-Rock stützt: „Tales From A Distant Galaxy“ wirkt immer organisch und in allen Kulturen unserer Welt verankert. Selber aus Indien stammend, lässt der Multiinstrumentalist wie bei „A New Dawn“ gerne fernöstliche Harmonien in die Lieder einfliessen und macht die Musik für Europäer somit schnell exotisch-interessant.

Sanfte Beats treiben Stücke wie „Quest For Nebula“ voran und lassen das Album immer wieder in die gute Art von Chillout kippen. Mixtaped Monk fällt bei seiner Musik nie in die Falle der mühsamen Klischees und vermengt leichte Melodien mit Anspruch. Ob man zu diesen Liedern nun träumen, reisen oder verweilen möchte, „Tales From A Distant Galaxy“ passt zu allen Aktivitäten und beweist, dass es auch ein sinnvolles Leben nach der plätschernden Zeit von Mike Oldfield gibt.

Anspieltipps:
Quest For Nebula, Warped Reality, A New Dawn

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

King Gizzard And The Lizard Wizard – Sketches of Brunswick East (2017)

Band: King Gizzard & the Lizard Wizard
Album: Sketches of Brunswick East
Genre: Rock / Jazz / Experimental

Label/Vertrieb: PIAS
VÖ: 13. Oktober 2017
Webseite: kinggizzardandthelizardwizard.com

Wenn etwas Beständigkeit zeigt, dann ist es die Neuerfindung, der Wechsel. Die australische Psychedelic Rock-Band King Gizzard & The Lizard Wizard zementieren diesen Grundsatz nun bereits zum dritten Mal in einem Jahr, zwei weitere Beweise sollen bis Ende Dezember noch folgen. Aber zuerst muss man diese neue Portion verarbeiten, stellt es doch einen ziemlichen Bruch zu “Muder Of The Universe” dar. Herrschten auf dem Vorgänger noch die wuchtigen und beschwörerischen Elemente, gibt es nun eine Abkehr zum Licht und der lockeren Spielart des Jazz-orientierten Rock der Marke Miles Davis.

“Sketches of Brunswick East” zeigt sich aber nicht in einzelnen und unausformulierten Versatzstücken, sondern als kontinuierlich ablaufendes Klangspiel. Nach einem kurzen Intro wird man in eine Welt voller Fahrstuhl-Orgeln, Flöten, Sixties-Gitarren und beschwingtem Schlagzeug geworfen. King Gizzard & The Lizard Wizard landen nicht komplett auf der Liegewiese der Hippies, mit knuffigen Songs wie “The Spider And Me” wird aber auch ein simpleres Publikum bedient. Einfach ist dieses Album aber deswegen nicht, ergeben gewisse Melodien und Takte doch erst mit der Zeit Sinn.

Diese Skizzen sind die Wiederbelebung eines fast vergessenen Musikgefühles, Rock, der nach San Francisco passt, aber auch in den nebligen Sümpfen nicht stark auffällt. Dafür sorgen Hexentänze wie “Tezeta” oder lyrische Überraschungen wie “The Book”. Vor allem aber beweisen die Musiker von King Gizzard & The Lizard Wizard zum wiederholten Male, dass sie weder ihr straffer Zeitplan noch die musikalische Komplexität überfordern kann. Zwar wird diese Scheibe niemals die beste in ihrem Œuvre sein, strahlt aber mit angenehm gelber Farbe weiter als so manch andere Platte in diesem Herbst.

Anspieltipps:
Tezeta, The Spider And Me, The Book

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.