Egopusher

Live: Egopusher, Moods Zürich, 17-10-20

Egopusher
Support: Chico Cream
Freitag 20. Oktober 2017
Moods, Zürich

Es war zu erwarten gewesen – dass die Musiker und Besucher dann aber in solch intensives, blutrotes Licht getaucht wurden, war doch mehr als überraschend. Die Plattentaufe zum ersten Album von Egopusher wurde nämlich nicht nur von vielen Leuten begleitet, sondern mit einer gelungenen und wirkungsvollen Lichtshow untermalt. Das Duo und ihr erstes, vollwertiges Baby hatten aber auch gar nicht weniger verdient, ist „Blood Red“ doch ein Album, das lange Zeit begeistert. Obwohl bereits seit einer Woche erhältlich, war es an diesem Freitag dann soweit, offiziell die Geburt zu feiern – im edlen Lokal Moods in Zürich.

Weil Schlagzeuger Alessandro Giannelli und sein Bandkumpel und Violinist Tobias Preisig gerne über dem Horizont schweben und wirken, war bereits die Einstimmung mit Support Chico Cream ein Genuss. Mario Scarton sass hinter einer halben Burg aus Klavier, Synthies und Effektgeräten, beugte sich wie ein verrückter Forscher über die Tasten und entlockte ihnen Klänge, die zwischen abstürzend verzerrt und hallend klar pendelten. Der von der Berliner Szene beeinflusste Künstler liess aus Ambientfiguren tanzbare Technobeats wachsen, krümmte Harmonien um die Basspedale und fabrizierte Musik, die fast das Magazin De:Bug wiederbelebte.

In diesen nährhaften Boden pflanzten Egopusher dann ihre Samen und schafften es zum wiederholten Mal, mit ihrer faszinierenden Mischung aus perkussiver Wucht, avantgardistischer Streichmusik und Club-Electronica die Leute zum Tanzen und Feiern zu bringen. Pulsierende Stücke wie „Jennifer (William Part II)“ wechselten sich mit experimentellen Steigerungen ab, bejubelte Singles („Patrol“) liessen die Endorphine nur so fliessen. Doch wie leider oft zu beobachten in der etwas jungen und hippen Szene, verkrampften sich zu viele Leute lieber an ihren Smartphones, als den Moment zu geniessen.

Dies kann man der Band nicht vorwerfen, gaben Egopusher schliesslich alles und verliessen die Bühne schweissnass und glücklich, wenn leider auch ohne eine Zugabe zu spielen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, diese Herren auch schon in stärker packender Form live erlebt zu haben. Gewisse Momente wirkten etwas verzettelt, was die Genialität hinter ihren Liedern aber auf keinen Fall schmälerte. Preisig und Giannelli haben mit ihrer andersartigen Musik eine Quelle angezapft, die hoffentlich noch lange nicht versiegen wird und herrlich frischen Wind in die Welt der handgemachten Electronica bringt.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Egopusher – Blood Red (2017)

Egopusher – Blood Red
Vertrieb: Irascible, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Band
Genre: Indie, Electronica, Techno

Diesem Duo gebührt grossen Respekt. Denn Tobias Preisig und Alessandro Giannelli haben es nicht nur geschafft, die selten gehörte Kombination aus Geige und Schlagzeug zu einer neuen Sternstunde zu bringen, sondern auch zwischen Auftritte in Berlin, Schweiz und China endlich ein Album zu schreiben. „Blood Red“ heisst das erste, vollwertige Kind von Egopusher und verbindet nicht nur alle angesprochene Welten auf wundervolle Weise, sondern eröffnet ein neues und aufregendes Kapitel der Bandgeschichte.

Die Besetzung als Duo kann oft zu Musik führen, die dem schlummernden Potential nicht gerecht wird. Bei Egopusher passiert zum Glück das Gegenteil: Giannelli und Preisig treiben sich gegenseitig zu neuen Höchstleistungen und wissen kongenial, ihre Instrumente zu ergänzen. Wenn sich die Geigen leidenschaftlich und emotional im Hintergrund halten, wird ein perkussiver Teppich gelegt. Wenn sich die Beats laut durch die Zimmer toben, dann jaulen die Seiten und treiben die Musik an. Dank Synthiespuren, Basspedalen und Electro-Drum erhalten Stücke wie „Jennifer (William Part II)“ eine unglaubliche Tiefe und Dynamik.

Immer instrumental gehalten und eine geschmacksreiche Mischung zwischen modernem Techno und kunstvollem Indie, zaubern Stücke wie „Flake“ oder „Blood Red“ ein Lachen auf die Lippen der Hörer und laden zum Tanz ein. Man spürt in der Musik von Egopusher somit nicht nur die grossen Talente des Duos, sondern auch die Einflüsse ihrer Reisen. Ob das Deutsche Nachtleben oder die Nachdenklichkeit der einsamen Stunden auf Achse – hier vermengen sich Stimmung und Ausdruck perfekt.

Anspieltipps:
Flake, Jennifer (William Part II), Blood Red

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Egopusher, Badenfahrt Baden, 17-08-26

Badenfahrt 2017
Bands: Egopusher, Traktorkestar
Samstag 26. August 2017
Website: badenfahrt.ch

Es war also soweit, die letzte wilde Partynacht an der Badenfahrt 2017 wurde eingeläutet. Erstaunlich, wie schnell ein solches, doch zehn Tage andauerndes Fest vorbeigehen kann. Doch dies war noch lange kein Grund, um Müdigkeit aufkommen zu lassen – denn noch einmal wurde eine Nacht lang „Versus“ so richtig ausgelebt. Ob moderne, elektronische Schwelgereien oder Breitwand-Balkan-Zeremonien, die Vielfalt war erneut so gross wie das Festgebiet.

Früh da sein war aber bei allen Veranstaltungen das Credo, spielten die Bands doch in eher kleinen Lokalitäten. Das Zürcher Duo Egopusher baute seine Instrumente und Geräte in der Parzelle 5554 auf, einer goldenen Bar mit fantastischer Aussicht auf die Aargauer Stadt. Tobias Preisig und Alessandro Gianelli liessen sich aber nicht von den funkelnden Lichtern des Festes ablenken, sondern entlockten Effektgeräten, Schlagzeug und Violine Songs, die extrem packend Techno mit etwas Jazz und cinematischem Volumen mischen.

Umhüllt von Nebelschwaden und Stroboblitzen liessen sie die Besucher des Gerüstbaus zwischen versunkenen Tänzen und frenetischem Jubel oszillieren und liessen alle kurz die Hitze vergessen. Nach diesem Auftritt freute man sich gleich noch mehr auf das kommende Debütalbum der Gruppe. Und fand mit Traktorkestar den perfekten Gegenpol für ein weiteres Konzert. Denn die Berner sind nicht nur viele Mitgleider stärker, sondern auch klanglich komplett woanders zu verorten.

Sich auf die eher knappe Bühne im Beetli Schmied quetschend, zeigte die Blaskapelle den Badnern, dass grossartig mitreissende Balkan-Brass-Musik auch aus der Schweiz stammen kann. Mit wilder Perkussion, immer abwechselnd gespielten Solos und einer Wagenladung voller heisser Rhythmen liessen Traktorkestar dieses kleine Quartier geschlossen hüpfen und feiern. Und war für viele der perfekte Abschluss für einen weiteren, wundervollen Badenfahrts-Tag.

Nicht minder interessant: Auf der Polygon-Bühne wurde einige Stunden zuvor die Miss Badenfahrt gekürt. Doch ganz im Sinn der alternativen Kultur ging es hier nicht darum, die schönste Bikinifigur und die längsten Beine zu bejubeln, sondern Künstler jeglichen Alters und Geschlechtes bei Darbietungen zu bewerten. Mit ihren witzigen, immer eloquenten und tiefreichenden Slam-Texten konnte sich die Trimbacherin Lisa Christ dann am Ende durchsetzen und nimmt die wunderbare Stadtturm-Krone somit in den Kanton Solothurn nach Hause. Die Badenfahrt ist schliesslich schweizweit zu feiern.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

Live: Fête Royal, Royal Baden, 17-05-26

Fête Royal
Bands: Egopusher, Faber, Autisti
Freitag 26. Mai 2017
Royal, Baden

Welch Wonne dieser Anblick, ein altes Kino voller freudiger Menschen, eine Bühne voller talentierter Künstler und ein Zusammensein für alle Altersklassen – und dieser wunderbare Kulturort soll Ende Jahr zum Baubüro umgenutzt werden? Politik und Wirtschaft geben sich manchmal schon der puren Idiotie hin, nur um die Kontozahlen hoch zu halten. Umso wichtiger war es, dass der diesjährige Saisonabschluss im Royal in Baden richtig kräftig gefeiert wurde. Dank einem grossartigen Programm und ausverkauftem Haus war dies am ersten Abend auch überhaupt kein Problem.

Denn schon früh füllten sich die Ränge und Tanzflächen im ehrwürdigen Gebäude, und vor dem Haus wurde angestanden und fröhlich geplaudert. Hoffentlich nicht zu lange, denn wer die erste Band verpasst hat, der wird nie wissen, wie sich ein Wirbelsturm anfühlt. Autisti aus der Westschweiz sind nicht nur die neue Gruppe von Louis Jucker und Emilie Zoé, sondern auch eine Neutronenbombe des kaputten und unnachgiebigen Lo-Fi-Rock. Schweiss, Verzerrungen und umgeworfenes Schlagzeug – wenn dieses Trio spielt, dann gibt es nur die Vorwärtsbewegung. Ein solches Durchdrehen kann nur gesund sein.

Kein Wunder fühlte sich die Luft im Saal danach wie in einer Sauna an – und die Stimmung heizte sich nur noch weiter auf, betrat schliesslich Faber als nächster die Bühne. Mit etwas umstrukturierter Band und auch neuen Songs zeigte der Zürcher Musiker, dass man kernig gesungene Texte und hart angeschlagene Saiten perfekt mit Balkan-Beats und Klavierzaubereien verbinden kann. Schnell war auch klar, dass viele Besucher vor allem für diesen Auftritt nach Baden pilgerten, denn nun platzte der Kulturort wahrlich aus allen Nähten.

Glücklicherweise konnte man sich immer wieder draussen an der frischen Luft abkühlen und somit genügend Energie für den Abschluss mit Egopusher aufsparen. Das Duo, bestehend aus Violinist Tobias Preisig und Schlagzeuger Alessandro Giannelli, zeigte in langen, eskalierenden und immer perfekt tanzbaren Songs, dass Kammermusik und lauter Techno sehr wohl zusammengehören. Gleichzeitig bewiesen sie, dass ihre Musik live einfach viel wuchtiger daherkommen darf als ab Platte, und auch der neuste Track „Patrol“ wuchs zu einem kolossalen Wesen heran.

Dank perfekt passender Untermalung mit Visuals auf der Leinwand und vielen bewegungsfreudigen Gästen fand der erste Abend des zweitägigen Fête Royal somit ein schönes und durchnässtes Ende. Und jetzt soll mir noch einmal jemand sagen, Kultur sei unwichtig und dieser Raum könne für sinnvollere Zwecke genutzt werden! Diese Krone bleibt, wo sie ist.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Leech, ISC Bern, 16-10-27

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Leech
Support: Egopusher
Donnerstag 27. Oktober 2016
ISC Club, Bern

Es ist ein Zeichen grosser Qualität, wenn eine Band, welche nur instrumentale und oft sehr lange Lieder spielt, das Publikum mit wenigen Klängen und Andeutungen einer Melodie in Aufruhr versetzen kann. Leech waren in ihrer Musik noch nie um eingängige Momente und Läufe verlegen, live lässt sich dies natürlich wunderbar ausnutzen. So wurde auch am ausverkauften Konzert im ISC Club in Bern vor den Songs immer gerne ein wichtiger Bestandteil angetönt – nur um auch gerne zuerst in Soundkulissen zu verschwinden. Es zeigte sich ebenso, dass die Gruppe aus Zofingen als Konzert immer einen Besuch wert ist, egal wie oft man sie bereits gehört hat.

Wunderbar auch, dass sie sich mit Egopusher zwei Brüder im Geiste als Support voranstellten. Denn das Duo aus Zürich weiss nicht nur, wie man mit komplexen Themen in der Komposition umgehen muss, sie beherrschen auch ihre Instrumente perfekt. Nur mit Schlagzeug, Geige und Synthies zauberten Giannelli und Preisig Lieder hervor, die den einengenden Ansatz einer Zwei-Mann-Band nicht einmal aus den Augenwinkeln betrachteten. Über wabernde Basstöne, fein und exakt gespielte Trommeln und kratzende Violin-Saiten ergossen sich Einfälle und schier ausserirdische Momente. Immer Instrumental gehalten vermögen Egopusher mit ihren Konstruktionen der Musik zu fesseln und immer wieder zu überraschen.

Eine Gabe, die auch Leech während ihrer Karriere nie verloren haben. Ihr Sound hat sich zwar über die Jahre etwas verändert und weiss nun auch die leisen Stellen vermehrt zu schätzen, auf einer Bühne ist die Truppe aber immer noch eine schlagkräftige Wucht. Unvergessliche Gitarrenläufe wie bei „The Man With The Hammer“ oder „Inspiral“ lassen die Leute immer noch ausrasten und jubeln, der kleine Konzertraum im ISC war schnell brechend gefüllt und ein freundlicher Pogo entstand. Da störte es auch nicht, dass die Lautstärke von Leech in diesem Raum fast etwas zu gross war.

Aber dieser Krach stand den Jungs ganz gut, es gefällt mir, dass sie ihre Lieder nun teilweise etwas abänderten und gewisse Stellen ungeschminkter präsentierten. Wobei natürlich weiterhin Orgel, Keyboard und Glockenspiel für diese typischen Leech-Melodien sorgten – bevor alles wieder unter der wilden Wucht dreier Gitarren versank. „Hands Full Of Hearts, Heart Full Of Head“ passte nicht nur als Einstieg in den Abend, sondern auch als Motto zum Schaffen der Band. Selten gab es eine instrumentale Post Rock-Gruppe in der Schweiz, die so eigenständig funktionierte – und dies über Jahrzehnte.

Dieser Bericht erschien zuerst bei Artnoir.

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Live: Egopusher, Bogen F Zürich, 15-12-12

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Egopusher
Support: Ephrem Lüchinger
Samstag 12.12.2015
Bogen F, Zürich Hardbrücke

Alternative Varianten von Bekanntem, ein Abtauchen in fremde und doch geliebte Welten. Was sich an diesem Samstagabend im Bogen F in Zürich abspielte war nicht nur Musik, sondern eine neue Art, die Welt zu betrachten. Da war es nicht nur logisch sondern zwingend, die Plattentaufe von Egopusher mit Ephrem Lüchinger zu beginnen.

Der bekannte Musiker ist nicht nur begnadeter Pianist, sondern ein erfolgreicher Produzent im Bereich der Popmusik. Egal ob Heidi Happy oder Dieter Meier, der Mann hat überall seine fähigen Finger im Spiel. Im Bogen F zeigte er sich von seiner wilden und ureigenen Seite und transportierte die Zuschauer in eine neue Dimension. Wäre der Film Tron in den 80er eine Schweizer Indie-Produktion gewesen, bei der Jean-Michel Jarre auf LSD die Musik geschrieben hätte, aus den Lautsprechern wäre genau diese Ursuppe aus Keyboardsaft getropft. Ephrem hantierte wie ein verrückter Wissenschaftlicher herum, zimmerte aus Beats und Melodien eine Wand, die durch Effekte und verrückte Experimente wieder runter gerissen wurde. Da fragte ich mich nach seinem Auftritt schon, wieso ich zuvor noch nie von Herr Lüchinger gehört hatte.

Egopusher bereiteten für mich dann wieder bekanntere Klänge vor, ihre erste EP erhielt im Konzertlokal die offizielle Taufe. Passend gab es dazu keinen Champagner, sondern wilde Trommelwirbel und Saitenbearbeitungen. Tobias Preisig und Alessandro Giannelli bewiesen ihre Virtuosität an Schlagzeug, Violine und Synths im Bogen F. Lieder wie „Purple Air“ oder „Dirt“ erhielten durch die reale Darbietung eine tiefere Ebene und rissen die Leute aus der Umgebung. Man tanzte um die Beats, man hielt sich an den Partituren fest – trotzdem war es wie ein Flug in alle Welten, die man immer entdecken wollte. Egopusher überzeugen auf jeder Ebene, funktionieren mit jedem Medium. Erstaunlich, wie zwei Mannen eine Landschaft aus Klängen erschaffen können, ohne sich von Horden von Instrumenten begleiten zu lassen. Experimentelle Indietronica, und doch unbeschreiblich.

Obwohl das Konzert viel zu schnell sein Ende fand, und alle Menschen sich doch wieder in Zürich einfanden, war es ein grossartiger Abend. Musik aus der Schweiz muss nicht immer bekannt klingen, Sounds dürfen verwirren und Fragezeichen verteilen, der Lohn ist ein Gefühlt nicht von dieser Welt. Also immer die spitzen Ohren offen halten und nach den Sternen schauen.

Ephrem Lüchinger_MBohli

Egopusher – EP (2015)

Egopusher_EP

Egopusher – Egopusher EP
Label: Qilin Records, 2015
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Electronica, Experimental

Tagebuch schreiben, was hatte man früher nicht alles für peinliche Gedanken und Wortketten unter einem Buchdeckel versammelt. Auf diese Ausrutscher zurückzublicken war dann meist eine schmerzhafte Angelegenheit – für Musiker kann so etwas allerdings wunderbar zuträglich sein. Tobias Preisig und Alessandro Giannelli nahmen die Möglichkeiten wahr und schöpften für ihre erste Egopusher-EP aus einer Sammlung von Instrumentalskizzen und Beatabfolgen. Und das Resultat kann sich hören lassen – ohne rote Ohren zu generieren.

Alleine die Konstellation der zwei jungen Musiker überrascht: Gianelli als versierter und frecher Drummer, immer eine Hand am Knöpfchen für Effekte und Programming. Ihm gegenüber steht Preisig, der zwischen seiner Geige gerne kleine Synths versteckt und die Saiten auch verzupft zum Schwingen bringt. Und genau diese Klangquelle ist so erfrischend wie ungewohnt. Eine Violine zwischen harten Beats und Keyboardstrahlen ist nicht alltäglich, funktioniert in diesem freundschaftlichen Zweikampf aber prächtig. David Hofmann sorgte mit dem Duo zusammen dafür, dass kein Element überhand nimmt. „Purple Air“ lässt sich somit Zeit für einen Aufbau und hört genau dann auf, wenn es eigentlich wild losdreschen sollte. „Sunbeam Scream“ tippelt auf leisen Perkussionssohlen durch Akkorde und offenbart eine herrliche Dissonanz. Die Musiker finden in ihren Begegnungen immer wieder Momente, die in der Popmusik nicht falsch wären, lassen aber viel Raum für Experimente und Anleihen im Jazzigen. Um sich nicht zu verzetteln, bleiben die sechs Lieder bei kurzen Laufzeiten und machen aus „Egopusher“ eine erste EP, die viel Appetit weckt.

Auch wenn es manchmal spannend wäre zu hören, wie sich die Tracks bei langen Laufzeiten entwickeln würden, mit diesem Debüt ist Egopusher bereits alles geglückt. Elektronische Musik mit handgemachten Zutaten, oder doch experimenteller Instrumentalrock mit elektronischen Federn? Wie auch immer, bei den zwei talentierten Herren spürt man nicht nur Können und Begeisterung, sondern auch Wagemut und Frische. Für alle Leute, die Musik als Spielfeld ohne Grenzen sehen.

(EP erscheint am 27.11.2015 , Plattentaufe am 12.12.2015 im Bogen F in Zürich)

Anspieltipps:
Purple Air, Dirt, Napalm Beach