Dave Pen

BirdPen – O‘ Mighty Vision (2016)

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BirdPen – O‘ Mighty Vision
Label: J.A.R. Records, 2016
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, Electronica

Wenn man „The Solution Is The Route Of All My Problems“ erreicht hat, dann glänzen die Augen endlich. Das hypnotische und zwölf Minuten schwelgende Lied löst all die Versprechen ein, die man sich nach dem letzten Album von BirdPen selber gemacht hat. Obwohl „O‘ Mighty Vision“ ziemlich plötzlich und erstaunlich schnell nach dem letzten Werk angekündigt wurde, hoffte man insgeheim natürlich, die Band werde ihren grossartigen Weg noch stärker fortsetzen. Und daran scheitert dieses neue Album leider etwas.

BirdPen verwurzeln ihr viertes Album im realistischen Jetzt – die Musik und vor allem die Texte reflektieren das aktuelle Geschehen in den UK und die politischen Komplikationen. Geld, Krieg, falsche Versprechen, Lügen und weitere wunderbare Eigenschaften der Machthaber bringen uns Menschen immer tiefer in eine Krise – jede Hoffnung stellt sich als unwirklich heraus. Um aber doch weiterhin bestehen zu können, müssen wir uns an das Gute klammern – und „O’ Mighty Vision“ versucht dies. Mit dem Gesang von Dave Pen, den leichten Gitarrenspuren, den mitreissenden Rhythmen und offenen Armen findet man alle leckeren Zutaten der Band wieder.

Je nach Lied erhält die verspielte Electronica, der elegische Art-Rock oder der raue Post-Indie mehr Gewicht – aber komplett packend wird es nie. Der Einstieg ins Album ist träumerisch, „The Chairman“ reizvoll nervös, „Traitors“ melancholisch nachdenklich, doch am Schluss möchte man irgendwie mehr. Trotzdem, dank des langen Stücks und der tollen Ideen sind BirdPen weiterhin eine der intelligentesten Bands in ihrem Felde. Bloss reicht „O‘ Mighty Vision“ nicht ganz aus, um ihre Genialität und Livepräsenz auf Platte repräsentativ wiederzugeben.

Anspieltipps:
The Chairman, The Solution Is The Route Of All My Problems, Traitors

BirdPen – Alls Well That Ends (2014)

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BirdPen – BirdPen – Alls Well That Ends
Label: Eigenveröffentlichung, 2014
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Rock

Moment mal, hier soll also alles gut sein, wenn es endlich endet? Dabei haben die Musiker doch noch gar nicht richtig begonnen. Vor ihnen liegen eine spannende Karriere, tolle Platten und mitreissende Konzerte. Aber da der Name glücklicherweise selten Programm ist, haben auch Dave Pen und Mike Bird nach ihrer ersten EP das Handtuch nicht hingeworfen, sondern voller Elan weitere Lieder und Alben geschrieben und produziert. Somit stehen BirdPen heute für intelligenten und spannenden Art-Rock, der sich auch neben Grössen wir Archive nicht zu verstecken braucht.

Um noch einmal zu den Anfängen zurückkehren zu können, gab es 2014 eine kleine Neuauflage ihrer ersten Veröffentlichung. Mit „Alls Well That Ends“ erblickte die Band zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit und zeigte schon damals alle Merkmale kommender Meisterwerke. Der Gesang ist verträumt und hält sich gerne im Mittelfeld, die Gitarren werden sanft gezupft und dann mit Effekten unendlich lange auseinander gezogen. Dahinter lauern immer wunderbare Harmonien und Melodien, die ganze Lieder tragen. Natürlich passiert hier noch vieles im Lo-Fi-Bereich, der EP haftet der gesunde Charme einer Demo an. Aber das stört zu keiner Sekunde, denn Stücke wie „Spin“ oder „Alls Well“ sind wunderbar. Schade nur, dass die Band heute leider meist auf eine Darbietung eines solchen vergessenen Momentes verzichtet.

Wer BirdPen mag und gerne die Anfänge von Bands erforscht, der macht mit „Alls Well That Ends“ nichts falsch. Fünf Lieder, die sich bis heute behaupten können und die gruppeneigene Mischung aus Indie, Rock und Kunst schon damals in mehrere Richtungen vorantrieben. Alles schwebt durch Nebelfelder und berührt uns mit blinkenden Lichtern. Also nicht lange zögern, sondern melancholisch zu „Up To My Neck“ mitsummen und den Tag geniessen.

Anspieltipps:
Spin, Up To My Neck, Alls Well

Birdpen – In The Company Of Imaginary Friends (2014)

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Birdpen – In The Company Of Imaginary Friends
Label: Eigenvertrieb, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, Download
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Art-Pop, Traumsphären

Dave Pen ist ein produktiver Mensch, nebst seiner Hauptband Archive die momentan pro Jahr ein Album veröffentlicht und konstant irgendwo in Europa auf Tour ist, findet er genügend Zeit um sein Nebenprojekt Birdpen weiter zu treiben. Somit ist das Projekt, oder besser gesagt Duo, auch schon beim dritten Album angelangt; ihrem bisher besten wage ich zu behaupten.

Schon am Anfang wird klar, Birdpen haben sich entspannt und gehen ihre Musik mit einer gesunden Ruhe an. Feel Like A Mountain empfängt mit typischen Gitarren, Daves Gesang und tollen Keyboards und schreitet mit jeder Treppenstufe weiter in die Höhe, nur um dann nicht auszubrechen sondern mit lang gezogenen Gitarrenakkorde emotional zu überraschen. Sowieso, die Herren bringen es immer wieder fertig unerwartete Richtungen einzuschlagen und nicht das Klangbild zu zeichnen, dass man eigentlich in Standardsituationen erwarten würde. So gibt es gedämpften Beat, schräge Gitarren, sich wunderbar ergänzende Melodien und mehrstimmigen Gesang. Und wenn man sich beruhigt niedergelegt hat wird man gerne auch wieder halbes auf die Tanzfläche gezerrt. Das dabei auch lange Stücke entstanden sind gibt der Musik recht, es ist immer genügend Raum zur Entfaltung vorhanden und kein Song wirkt gehetzt. In meinen Augen haben sie mit „In The Company Of Imaginary Friends“ endlich die perfekte Mischung aus Art-Rock, Pop und elektronischer Gemütlichkeit erreicht. Die Band distanziert sich genügend von Archive und verzaubert mit eigenem Charme. Wie viel Einfallsreichtum in diesem Album steckt zeigt zum Beispiel „TCTTYA“, ein Lied das zu Beginn vom verhaltenen Gesang, fast unscheinbaren Gitarren und schwebenden Flächen getragen wird. Wenn es sich öffnet kommt Hall und Schlagzeug dazu, nur um am ende artifiziell Signale auszusenden. Dabei bleibt diese elektronische Künstlichkeit immer voller Wärme und lässt dich nicht erzittern.

Mit dem dritten Album sind Birdpen in ihrem Nest gelandet und holen sich nun hoffentlich endlich den Beifall ab, den sie seit Karrierebeginn verdienen. Finanziert und veröffentlicht wurde das Album wie Crowdfunding als CD, LP oder Download.

Anspieltipps:
Like A Mountain, No Place Like Drone, Lifeline