Crispin Glover Records

The Pink Moon – Let The Devil Take Tomorrow (2017)

Keck werden die schick gepunkteten Leggins und die spitzen Schuhe auf dem roten Teppich schau geführt. Handelt es sich hier um den berüchtigten Teufel, den die Band auf „Let The Devil Take Tomorrow“ locken will, oder doch um ein Fan des klassischen Retro-Rock? Wie auch immer, The Pink Moon, welche sich 2013 in Trondheim gegründet haben, legen keine falschen Fährten und spielen auf ihrem neusten Album Rockmusik, die sich beim Psychedelic der 60er und der rumpeligen Art des Garage bedient. Die entstanden Lieder sind dabei nicht nur lustvoll, sondern klingen wie aus längst vergangen Jahrzehnten.

So würde es nicht weiter auffallen, wenn man mit Orgelmelodien und Stakkato-Gitarren versehen Stücke wie „Bloodline“ in eine Disco deines Vaters schmuggeln würde. The Pink Moon laden zum ausgelassenen Tanz ein und klauen sich mit viel Talent diverse Eigenheiten der erwähnten Stilrichtungen zusammen. Frontmann Morten Kristiansen ist seit Jahren in der norwegischen Szene tätig und zeigt auch hier wieder, dass sein unerschöpfliches Talent weiterhin für Alben gut ist, die früher auch The Who und Konsorten in die Charts gebracht hätten. Heute landet man damit zwar nicht mehr im europäischen Radio, aber im Herzen vieler Musikliebhaber.

Stücke wie „Heartbreaker“ verfügen nämlich nicht nur über tolle Riffs und immer wieder mal lärmende Stellen, die leichte Jogger ins Stolpern bringen, sondern über eine gehörige Portion Seele. Somit klingen The Pink Moon zwar manchmal fast etwas zu oft gehört („Rag Out“), zaubern einem aber immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Wer sich also gerne durch die alten Zeiten rockt, der wird auch mit dieser Scheibe viel Freude und Stunden erleben – Norwegen kann erneut einen Treffer verbuchen.

Anspieltipps:
Ball And Chain, Heartbreaker, Where You Gonna Go

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Spidergawd – IV (2017)

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Spidergawd – IV
Label: Crispin Glover Records, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Band
Genre: Rock

Eine Kritik wie diese könnte schnell abgehandelt sein: Spidergawd sind wieder da, mit dem vierten Album in römischer Nummerierung, demselben Design-Künstler und vor allem demselben kompromisslosen Rock. Doch halt, gewisse Veränderungen findet man bei der konkreteren Betrachtung von „IV“ doch. Nicht nur bei der Besetzung hat man den Mann am Bass ausgetauscht, auch klanglich wurde die schweisstreibende Musik etwas frischer. Aber zuerst eine Runde headbangen.

Spidergawd aus Norwegen hauen seit 2014 im Jahrestakt Platten raus, die für viele Rocker wie feuchte Träume sind. Mit krachendem Songwriting, ohne Angst vor Lautstärke und dem nordischen Talent für geniale Musik gelingt ihnen immer wieder ein klasse Album. Auch „IV“ muss sich vor seinen Brüdern nicht verstecken – wieder einmal begeistern die Herren auf voller Linie. Lieder wie „I Am The Night“ knallen grossartig rein und locken mit Krawall und Höchstgeschwindigkeit. Hier gibt es kein Langsamer, nur das Pedal durch den Boden treten gilt. Erstaunlich zurückhaltend ist allerdings das Saxophon, welches 2017 vor allem als Tonangeber in den tiefen Bereichen arbeitet.

Doch diese Veränderung tut Spidergawd gut, wagen sie sich doch jetzt etwas mehr in die komplexen Naturen der langen Lieder ohne viel Gesang hinein. „The Inevitable“ nähert sich der psychedelischen Wirkung von Motorpsycho extrem stark an, es rumpelt und feiert. Und wenn man bei „Stranglehold“ an ZZ Top denkt, liegt man wohl auch nicht komplett falsch. Denn Spidergawd beweisen auf „IV“ einmal mehr, dass sie die komplette Geschichte der Rockmusik aufgefressen und grossspurig neu herausgerotzt haben. Und wer sich so behaupten kann, der darf dies auch.

Anspieltipps:
I Am The Night, The Inevitable, Stranglehold

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

Spidergawd – III (2016)

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Spidergawd – III
Label: Crispin Glover Records, 2016
Format: Vinyl mit CD und Poster
Links: Discogs, Band
Genre: Rock, Fusion

Hier also dasselbe noch einmal in rosa – Konzept, Verpackung und Ausführung wurden schliesslich beibehalten. Mit „III“ präsentieren sich Spidergawd erneut mit einem neuen Album voller verschwitzter Rocker und lassen somit ihre Trilogie in einem Knall vollendet auf der Erde landen. Was vor nur zwei Jahren als Nebenprojekt zu Motorpsycho begann, ist mit diesen drei Alben zu einem wichtigen Mitspieler im Feld des druckvollen und stolzen Rock geworden. Doch im Gegensatz zu anderen Wiederholungstätern werden Spidergawd ihrer Musik und ihrem Stil nicht überdrüssig und klingen immer noch genau so fröhlich und belustigt.

Wieder hat sich das Quartett der Musik verschrieben, die vor allem männliche Wesen in Rage versetzt. Harter Rock mit viel Testosteron, Schweiss und ohne Pause. Was Spidergawd beginnen, das wird ohne Zögern durchgezogen, bis die Felle oder Saiten reissen. Stumpfsinnig klingen die Lieder auf „III“ aber nie, schliesslich sind die vier Mannen begnadete Musiker und Komponisten. Einflüsse aus dem Psychedelic, dem Jazz und natürlich daraus dem Fusion lassen aus den Riffs und Beats Wunder entstehen. Erneut darf das Saxophon von Per Borten die Meute anführen, erneut darf Kenneth Kapstad wie ein Irrer auf dem Schlagzeug herumturnen.

Natürlich sind Spidergawd in diesem Moment weder fortschrittlich, noch lassen sie Veränderungen in ihrem Spiel auftauchen. Doch das wollen die Musiker nie, hier geht es nicht darum, Revolutionen anzuzetteln. Mit dem abschliessenden „Lighthouse“, einem Epos in drei Teilen, begibt sich die Gruppe dann aber erstaunlich nahe an das Spielfeld von Motorpsycho. „III“ dient somit auch als Abschluss einer Phase und Neustart in weitere Kapitel der wilden Abenteuer. Erfrischend altbacken und doch neumodisch.

Anspieltipps:
El Corazon Del Sol, The Funeral, Lighthouse Pt. 1, 2 & 3

Spidergawd – Spidergawd II (2015)

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Spidergawd – Spidergawd II
Label: Crispin Glover Records, 2015
Format: Vinyl mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Heavy Rock, Blues, Retro

Manchmal kann es auch erfrischend sein, sich auf alte Tugenden zu beschränken und das ewige Forschen nach neuen Klängen anderen zu überlassen. Eine Band muss ja nicht immer Zugpferd für die Hipster-Bewegung oder Glanzstück aller Blogs sein. Spidergawd wollten dies aber auch nie und zeigten bereits auf ihrem Debüt die klare Antihaltung zum Fortschritt. So trocken und nostalgisch spielte 2014 selten eine Gruppe Blues-Rock-Songs – und noch weniger war es der Fall, dass die Lieder so geil klangen. Wenige Monate nach „I“ folgte – logischerweise mit „II“ betitelt – bereits der Nachfolger. Und auch hier gilt wieder kein anderer Grundsatz als: Rock!

Per Borten und seine Mannen lassen uns zu Beginn von „…Is All She Says“ sanft auf geklimperten Akkorden in das Album hineingleiten, zeigen aber schon bald wo der Hammer hängt. Die Gitarren und das Saxophon drücken voll auf die Tube und lassen zu keiner Sekunde Müdigkeit aufkommen. Jedes Lied ist ein Feuerwerk an Riffs, Licks und hart geprügeltem Schlagzeug. Blues und Rock werden hier von hinten aufgerollt und alle schwächlichen Ansätze von weinerlichem Getue bereits bei grosser Entfernung aus der Bahn geschossen. Immer gerade aus, keine Rücksicht auf langsamere Begleiter. „Spidergawd II“ ist ein gefährliches Album in gewissen Situationen, so sollte der Konsum bei Autofahrten zwei Mal überdacht werden. Sobald die Scheibe rotiert, gibt es nur noch das Gaspedal. Jeder Ansatz von Genre kann sofort mit dem Beiwort „heavy“ ergänzt werden, bleibt es doch konstant laut und wild. Kenneth Kapstad hinter dem Schlagzeug wirbelt nicht nur bei Motorpsycho verrückt rum, auch hier beweist er sich als Tasmanischer Teufel der Trommeln. Dazu rumort Bent Sæthers Bass und füllt alle Lücken, die zwischen den angeschlagenen Gitarrensaiten auftauchen könnten. Mich erstaunt dabei immer wieder, wie klar die Musik der Truppe daherkommt. Trotz all der Fülle wirken die Songs nie überladen, sondern wissen ihre Schwere zu kaschieren. Borten schreibt alle Lieder, lässt dabei gerne diverse Einflüsse zu. So zwinkert „Torniquet“ dem Stoner Rock zu, „Caerulean Caribou“ den Drogenköpfen, „Get Physical“ allen sexsüchtigen Rockern. Man könnte Spidergawd jetzt vorwerfen, mit ihrer Musik nur alte Kamellen aufzuwärmen – dies würde aber den humorvollen Unterton verleugnen. Die Platte macht Spass, und genau das will sie.

Spidergawd werden in ihrer Karriere nie einen Innovationspreis erhalten, wissen aber genau wie man harten Rock spielen muss. Schnell, laut, wild und ohne Rücksicht auf Verletzungen. Borten beweist bereits zum zweiten Mal eine talentierte Hand für krachende und eingängige Lieder. „Spidergawd II“ ist somit ein Brocken, der süchtig macht und auch live eine brutale Wucht entfalten kann.

Anspieltipps:
Tourniquet, Get PhysicalMade From Sin

Spidergawd – Spidergawd (2014)

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Spidergawd – Spidergawd
Label: Crispin Glover Records, 2014
Format: Vinyl mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Retro- / Hard- / Blues-Rock

Die Wahrnehmung von neuen Bands und Musik ist schon etwas Interessantes. Je mehr man kennt, desto öfter kauft man auch blind Alben, von denen man keinen Ton gehört hat, aber die beteiligten Personen kennt. Bei Spidergawd reicht es schon zu wissen, dass Bassist Bent Sæther und Schlagzeuger Kenneth Kapstad von den göttlichen Motorpsycho mitspielen. Zusammen mit Per Borten gründeten sie die Spinnenband und veröffentlichen wilden und heftigen Rock. Was sonst?

Das Album beginnt mit dem stark groovenden „Into Tomorrow“ und macht dabei gleich klar, dass die Mannen nicht gekommen sind, um zu kuscheln. Mit Spidergawd geht man ab, oder verschwindet besser wieder. Denn Kompromisse kennt man bei dieser Musik nicht. Egal welche Elemente ein Song verlangt, die Musiker geben alles und verbinden den Retro-Rock mit starkem Blueseinschlag, Sludge, Hard-Rock und Bläsern. Die Gruppe wird mit Saxophon und Trompete ergänzt, damit noch mehr Melodien in die Lieder kommen und Passagen untermalen, in denen sich Borten zurückhält. Obwohl, eigentlich reichen Gitarre und Bass um die Songs voranzutreiben und immer wieder in neue Gebiete eintauchen zu lassen. Plötzlich tauchen Solis auf, dann wird wieder für eine kurze Zeit trocken der Rhythmus angegeben, um zum Abschluss in einem Meer aus Riffs und Licks zu versinken. Kenneth macht dazu was er am besten kann: Er wirbelt wie ein Teufel am Schlagzeug umher. Egal wie gross sein Set ist, egal wie viele Komponenten vor seinen Händen stehen, er spielt mit jedem Snare und Becken. Und in einer Geschwindigkeit, die man zuerst gar nicht glauben kann. Dem Songwriting-Talent von Borten ist es aber zu verdanken, dass die Songs trotzdem nie in einer trüben Suppe untergehen. Jeder Track erhält genau so viel Zeit wie er benötigt, um sich komplett zu entfalten und dann schlüssig ein Ende zu finden. Bei „Empty Rooms“ sind dies halt nun mal 14 Minuten, aber wer Motorspycho kennt lächelt hier nur. So viel psychedelischen Prog wie bei der Mutterband trifft man hier nicht an.

Mit ihrem ersten Album haben Spidergawd gleich mal klar gemacht, wer der neue Boss auf dem Spielplatz des wilden Heavy-Rock ist. Die Songs sind so lebendig, dass sie fast vom Vinyl runterspringen und das Wohnzimmer auf den Kopf stellen. Je öfter man die Scheibe hört, desto geiler wird sie – und ist somit ein Muss für alle Freunde des härteren Rock. Ich frage mich nur auch hier, wo die Mannen immer die Zeit und Musse her nehmen, so viele wahnsinnig gute Alben in so kurzer Zeit aufzunehmen. Magie?

Anspieltipps:
Blauer Jubel, Southeastern Voodoo Lab, Empty Rooms