Cover

ABAY – Conversions Vol. 1 (2017)

ABAY – Conversions Vol. 1
Label: Unter Schafen, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative Rock, Cover

Die Kunst der Cover-Versionen wird ja gerne darin gesucht, dass sich ein Musiker fremde Ware zu Eigen macht und aus einem bereits tollen Song einen noch besseren oder gleichwertig guten Track bastelt. Die wahre Kunst liegt aber in der Fähigkeit, Unvergleichliches zur Einheit zu verpacken und dabei den Humor nicht zu vergessen. Und ABAY haben dies mit ihrer EP „Conversions Vol. 1“ zum diesjährigen Record Store Day eindeutig geschafft! Schliesslich tummeln sich hier The XX und Massive Attack neben ABBA und Scooter – ohne sich zu verunglimpfen.

Dabei mögen es gar nicht alle bei ABAY, zu covern und die Songs kamen aus unterschiedlichsten Richtungen auf die Musiker zugeflogen. Ob Auftrag, Geschenk oder persönlicher Wunsch, die neue Band des ehemaligen Blackmail-Sängers Aydo Abay vermengt hier alles. Und dabei ist schön zu sehen, dass die Gruppe ihren eigenen Klang beibehalten kann. Alternativer Rock, der schon auf dem Album „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy“ gerne mit dem unrasierten Pop tanzte. Und auch hier bei „Conversions Vol. 1“ wird aus dem Electronica-Traum „Paradise Circus“ von Massive Attack ein treibender Rock-Song, genauso wie „Angels“ von The XX nun eher aufweckt als schläfrig macht.

Die Highlights auf der limitierten Pressung für den diesjährigen Record Store Day gelingen ABAY aber mit „All The World Is Mad“ von Thrice und dem Scooter-Medley „Always Hardcore“. Ersteres steht für knirschende Intensität, zweites für folkig hüpfenden Spass ohne Geballer. Und da es die Band geschafft hat, aus beiden eine feinfühlige Neuinterpretation zu schälen, kann ich nur meinen Hut ziehen. „Conversions Vol.1“ ist also nicht nur für Cover-Liebhaber ein gefundenes Fressen, sondern eine Talentschau der beteiligten Musiker. Bitte mehr davon.

Anspieltipps:
Paradise Circus, All The World Is Mad, Always Hardcore

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Various Artists – Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne (2017)

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Various Artists – Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne
Label: Staatsakt / Materie Records
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Punk-Pop

Oft ist es doch egal was man im Leben macht, irgendjemand hat immer etwas zu meckern. Oder es kann auch schön sein, sich für einmal etwas zurückzulehnen und den anderen beim Scheitern oder Gewinnen zuzuschauen. Die Sterne, eine der wohl wichtigsten und bekanntesten Deutschrock-Punk-Gruppen aus Hamburg, schenkt der Welt zu ihrem 25. Jubiläum eine Zusammenstellung von 24 Cover-Versionen der geliebten Hits und verkannten Perlen. Und wer macht es nun besser?

Die grösste Erkenntnis von „Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne“ ist wohl, dass man die Stücke der Sterne auch Jahre oder gar Jahrzehnte später einfach nicht kleinkriegen kann. Ob Egotronic den Rest der Perfektion aus „Scheiss auf Deutsche Texte“ raushauen oder Isolation Berlin alle Glanzpunkte aus „Irrlicht“ wegradieren, das Songwriting ist gewaltig. Sicherlich finden sich hier komplette Neudichtungen direkt neben sanften Anpassungen, doch die Vielfalt der deutschen Musikszene strahlt genauso hell wie Die Sterne dies in den Kellerclubs tun.

Kratziger Punk, Indietronic mit Klingen, Electro-Pop aus schiefen Synthies oder normaler Alternative Rock – „Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne“ bietet eine wunderbare Vielfalt, welche sich nie selber beisst. Von bekannten Grössen wie Fehlfarben über Einzelkämpfer wie PeterLicht, bis hin zu neuen Helden wie Locas In Love – jeder findet seine liebste Neuinterpretation. Käufer des edlen Boxsets mit Vinyl, CD und Poster erhalten sogar noch eine Single mit Demoversionen aus dem Jahre 1991. Erstaunlich, wieviel sich seither verändert hat, und wie viel mehr doch gleich geblieben ist.

Anspieltipps:
Egotronic – Scheiss auf Deutsche Texte, Isolation Berlin – Irrlicht, Fehlfarben – Nach fest kommt lose

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Tsering Purtag – The Singin‘ Guitar (2016)

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Tsering Purtag – The Singin‘ Guitar
Label: Eigenveröffentlichung, 2016
Format: CD
Links: Facebook, Künstler
Genre: Cover, Gitarre

Zwölf Lieder aus dem Bereich der Balladen, zwölf Mal ein Gitarrenspiel, zwölf grosse Namen der Rockgeschichte – was zuerst wie eine billige Werbung aus dem Media-Shop klingt, entpuppt sich als schönes Cover-Werk. „The Singin‘ Guitar“ ist nämlich eine geschmacksvolle Huldigung an bekannte Momente der Rock-Geschichte. Der in Winterthur wohnhafte und aus Tibet stammende Musiker Tsering Purtag hat seiner Gitarre viel Gefühl entlockt und macht alle zusätzlichen Instrumente wie auch Stimmen überflüssig.

Denn wie es der Name schon vermuten lässt, werden die Coversongs auf „The Singin‘ Guitar“ alleine von Klängen aus den Saiten erschaffen. Purtag hat sich selber begleitet und erschafft somit mehrstimmige Melodienführungen und Arrangements. Dem Künstler gelingt es mit diesem Kniff sogar, den altbekannten Hits neue Facetten zu entlocken. Zum Glück auch, denn die Songauswahl ist sehr vorhersehbar. „Hello“ von Lionel Richie eröffnet die Platte, auf der Reise begegnen wir unter anderem Elton John, Sting, Bryan Adams und Bob Marley. Eine Liste, die so wohl niemanden mehr hervor lockt – doch Talent hilft.

Tsering Purtag legt nicht nur sein Herz in die Neufassungen, sondern auch eine träumerische Hommage an die Gitarre selber darnieder. Sein neustes und selber aufgenommenes Werk „The Singin‘ Guitar“ wird somit auch bei Zauberern an den Saiten und deren Bewunderer anklang finden – und man vergisst leicht, dass gewisse Melodien eigentlich schon todgehört waren. Wunderbar um wieder einmal ein wenig zu schmachten.

Anspieltipps:
Sacrifice, A Whiter Shade Of Pale, Soldier Of Fortune

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Crazy Diamond, Nordportal Baden, 16-11-12

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Crazy Diamond
Samstag 12. November 2016
Nordportal, Baden

Was zuerst eher ein typisches Programm ohne grosse Überraschungen war, legte in der zweiten Hälfte plötzlich einen Gang zu und wurde zu dem grossartigen Konzertabend, den man sich erhofft hatte. Wobei, schlecht und unnötig war kein gespielter Ton und keine Sekunde des Konzertes vom Crazy Diamond im Nordportal in Baden. Die Schweizer Pink Floyd Tribute-Band ist seit sage und schreibe 150 Konzerten der schillernde Diamant am Firmament des legendären Art-Rock. Was früher noch eine ehrfürchtige Huldigung darstellte, ist in diesem Jahrzehnt zu einer fantastisch aufspielenden Gruppe geworden.

Bereits mit dem eröffnenden „Speak To Me / Breathe“ wurde allen Anwesenden und auch den grössten Fans von David Gilmour und Roger Waters klar: Hier erlebt man ein Konzert voller magischer Momente. Crazy Diamond wissen mit sechs Musikern und einer Sängerin die Lieder von Pink Floyd modern und druckvoll darzubieten. Gerne wagen es die Künstler, gewisse Stücke etwas schneller zu spielen, dem Schlagzeug mehr Raum zu verleihen und die Synth-Effekte ein wenig zu variieren. Das tat Liedern wie „Dogs“, „In The Flesh“ oder „Shine On You Crazy Diamond“ mehr als gut.

Das Leben als Cover-Band ist schliesslich eine stete Gratwanderung. Werden die Lieder punktgenau kopiert, hört man als Zuschauer jede noch so kleine Abweichung und nervt sich darüber – ändert eine Gruppe die Songs aber zu stark ab, verliert man die erhoffte Wirkung. Umso schöner ist es, dass Crazy Diamond den perfekten Mittelweg gefunden haben. Und da man sich an diesem Abend auch an ganz alte Lieder wie „Arnold Lane“ oder „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ wagte, wurde die Darbietung zu einem extrem atmosphärischen Erlebnis. „On The Turning Away“ traf auf „One Of These Days“, die Discokugel tauchte alle in verzaubernde Lichtspiele während „Comfortably Numb“.

Schön ist es zu wissen, dass die Legende und der Geist von Pink Floyd auch im Jahre 2016 immer noch geschmacksvoll und fesselnd weitergeführt werden. Dank grossartigen Musikanten, einer passenden Lichtshow und einem sehr sympathischen Auftreten bewiesen Crazy Diamond erneut, dass auch tausend Mal vernommene Songs und Lieder immer hochspannend bleiben können. Wer braucht da noch die Gigantomanie der Vorbilder? Hier findet man alle Phasen in frischer Energie neu verpackt.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Steven Wilson – Happiness III (2016)

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Steven Wilson – Happiness III 
Label: Kscope, 2016
Format: 7inch Vinyl
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock

Warum kauft man sich eigentlich eine 7inch-Single? Dieses Format ist schliesslich etwa das unpraktischste, um Musik zu hören. Kaum hat man sich gemütlich auf dem Sofa niedergelassen, ist die Musik bereits zu Ende und das Vinyl will gedreht werden. Doch wenn auf der schwarzen Scheibe ein Lied enthalten ist, das man so sonst nicht geniessen kann, dann lohnt sich der Kauf. Steven Wilson hat nun mit „Happiness III“ seine Ehrung an David Bowie verewigt.

Ende Januar 2016 spielte der Prog-Gott im Hammersmith Apollo in London nämlich „Space Oddity“, wenige Woche nachdem David Bowie unsere Realitätsebene verlassen hatte. Unterstützt von Ninet Tayeb spielten Steven Wilson und seine Band eine ruhige und andächtige Version des Liedes, welche wunderschön und ätherisch klingt. Umso mehr wird einem erneut bewusst, was für ein riesiges Loch Bowie in der Musiklandschaft hinterlassen hat. Glücklicherweise tragen Menschen wie Herr Wilson seine Musik weiter.

Auf der A-Seite gibt es natürlich ein originales Lied des Künstlers – „Happiness III“ stammt von der diesjährigen EP „4 1/2“ und ist unwiderstehlicher Art-Pop mit absolut genial erdachtem Refrain. Im Gegensatz zu vielen anderen Stücken von Steven Wilson ist dieses beinahe simpel und lässt auch an Porcupine Tree denken. Ein Lied, das auf jeden Fall die Veröffentlichung als Single verdient hat. Und dank der B-Seite ist „Happiness III“ als Seveninch somit ein Sammlerstück mit Mehrwert. Wie gewohnt auch in geschmackvollem Design.

Anspieltipps:
Happiness III, Space Oddity

Live: Jochen Distelmeyer, Bogen F Zürich, 16-09-15

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Jochen Distelmeyer
Donnerstag 15. September 2016
Bogen F, Zürich Hardbrücke

Gleich nach dem ersten Lied weiss man was Sache ist, seine spitzen Fingernägel werden von einer ebenso spitzen Zunge begleitet. Aber es hilft, denn sofort ist die Verbindung zwischen Publikum und Künstler da, es fällt auch nicht weiter auf, dass der Bogen F in Zürich schon stärker gefüllt war. Jochen Distelmeyer braucht keine schreienden Massen, er will ein konzentriertes und aufnahmefähiges Publikum, dann funktionieren seine Lieder am besten. Wobei, eigentlich zeigte er an seinem Soloauftritt im Viadukt ja fast nur fremdes Material. Gerissen wie der ehemalige Frontmann von Blumfeld aber ist, fiel dies gar nicht auf.

Es zählt schon zu der hohen Kunst, Liedmaterial von den Bee Gees, The Verve, Radiohead oder Lana Del Rey zu mischen, und dies ohne Brüche oder Stolperfallen. Distelmeyer zuckte nicht einmal mit der Wimper und fand zwischen allen Liedern die perfekte Überleitung. Falls nötig über zehn Umwege und Anekdoten, gerne auch gewürzt mit fast schon flachen Witzen und grosser Publikumsinteraktion. Man konnte den Mann nur gleich ins Herz schliessen und war mehr als froh, seinen Donnerstagabend im Bogen F zu verbringen. Endlich konnte man seine heimliche Liebe zu „Toxic“ von Britney Spears ausleben, lernte wie der Gitarrist bei Dr. Feelgood hiess und wie man Supertramp sexy mit Hüftschwung ausspricht.

Jochen Distelmeyer ging mit seinen akustischen Gitarren komplett auf und benötigte den Begleiter am Keyboard oft gar nicht. Auch die alten Blumfeld-Klassiker fügten sich reduziert gut an „Videogames“ oder „Tragedy“ an. Eine Rückkehr der Hamburger Schule, mit Bildungsfaktor und einem geschlossenen Kreis. Denn was mit männlichen Masturbationsfantasien begann, fand in der Textzeile von „Bitter Sweet Symphony“ sein Gegenstück: „Have You Ever Been Down?“ Nur etwas stimmt nicht ganz, Wilco benannten sich leider nicht nach Wilko Johnson. Aber egal, der Herr Distelmeyer verzauberte mit seinem Lachen, seinen Gesangmelodien und Gitarrenzaubereien. Ein wahres Lehrstück in reduziertem Pop.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Vanna – ALT (2015)

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Vanna – ALT
Label: Pure Noise, 2015
Format: Download
Links: Bandcamp, Band
Genre: Hardcore, Metal

Ach ja, es war eine unbeschwerte und wilde Zeit, die 90er Jahre. In der Musikwelt kannte man keine Hemmungen mehr und warf alle Stilrichtungen in einen Topf. Ob Crossover oder Nu-Metal, irgendwie erschuf man immer ein neues Genre, welches von tausenden von jungen Menschen abgefeiert wurde. Jahrzehnte später blicken wir nun etwas nüchterner auf diese Zeit, trotzdem bieten sich Gelegenheiten, die Musik von damals neu zu entdecken. Vanna, eine Hardcoretruppe aus Boston, bastelte sich damit sogar eine neue EP. Aus alt mach „ALT“.

Der Titel dieser Sammlung von fünf Coversongs trifft die Essenz perfekt, präsentiert uns die Band doch alternative Versionen von bekanntem Liedgut. Die gewählten Stücke waren auf ihre Weise alle Hits in den Jahren der Jeans und Holzfällerhemden, besuchen aber die eher dunklen Gebiete. So geben sich Marilyn Manson, The Smashing Pumpkins, The Offspring, Korn und Metallica die Klinke in die Hand. Alle schauen aber ganz verdutzt aus ihrem Proberaum, denn Vanna haben aus den Stücken wütende und wilde Neuinterpretationen geprügelt. Die Musik ist brutal und eindringlich, aber bleibt gerecht und wahrhaftig. Die Amerikaner positionieren die Werke somit neu, vergessen aber die Kennzeichen nicht. „Beautiful People“ spielt mit den Manson-typischen Gesangseffekten, „Self-Esteem“ trieft immer noch vor College-Punk und deren Chorgesängen. Am besten geht die Rechnung der brutalen Wiedergabe bei „Zero“ auf. Hier zeigen sich Vanna sicher und lassen dem Lied die Kraft der heutigen Zeit durch die Adern strömen.

Eine Wertung von Coverplatten ist immer schwierig, hängt das Gelingen meist von zu vielen Faktoren und Geschmäckern ab. Bei „ALT“ lässt sich aber sagen, dass diese Neudarstellung in jedem Moment aufgeht. Die Band hat sich die Songs zu Eigen gemacht und ihren Spass auf den Hörer übertragen. Mit kräftigen Gitarren, vollem Gesang und wildem Geschrei ist die kurze EP nicht nur variationsreich, sondern auch eine tolle Verbeugung vor Wurzeln und Einflüssen. Für alle Junggebliebenen und Kinder der Neunziger ein toller Rückblick.

Anspieltipps:
Beautiful People, Zero, Fuel

Kristofer Åström ‎– Mother (2015)

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Kristofer Åström ‎– Mother
Label: Kapitän Platte, 2015
Format: 7inch mit Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Singer-Songwriter, Cover

Wut ergibt sich oft aus Enttäuschung und Trauer, ein Wechsel zwischen den Gefühlen ist schneller passiert als gedacht. Von daher ist es nichts als logisch, dass auf der neusten 7inch von Kapitän Platte harte Lieder zu zerbrechlichen Geschöpfen werden. Kirstofer Åström nahm sich je ein Song von Danzig und Hüsker Dü vor und liess diese als eigene Werke neu entstehen. Der gestandene Musiker zaubert Erstaunliches herbei.

Seit 1998 ist der 41-jährige Schwede musikalisch aktiv und kann bereits über neun Alben und etliche zusätzliche EPs und Singles vorweisen. Ein geeigneter Kandidat für die Cover-Reihe also, auch wenn seine Auswahl dann doch überrascht. „Mother“ von Danzig, ein hartes Lied mit bitterem Text, „Hardly Getting Over It“, eine traurige Betrachtung. Wer sich auf fröhliche Unterhaltungsmusik freut, der ist auch bei den Neuinterpretationen am falschen Ort. Åström zimmert aus Danzigs Leisten ein Stück Musik, das traurig und verloren dasteht, trotzdem den Umständen mutig trotzt. Wunderschön wird zum sanften Gesang die Gitarre gezupft, im Hintergrund melden sich weitere Stimmen. „Hardly Getting Over It“ verleitet zu noch viel tieferen Seufzern, man will den nächstbesten Menschen, den man sieht, gleich in die Arme nehmen. Åströms Stimme zittert, die Gitarre versteckt sich im Schatten. Wie eine junge Plfanze sind die beiden Aufnahmen sanft und wecken den Beschützerinstinkt.

Genau so schön wie die Platte aufgemacht und verpackt ist, so klingen auch die beiden Werke. Kristofer Åström hat eine Stimmung geschaffen, die an Musiker der Revival Tour erinnert und das Gefühl der einsamen Holzhütte ganz unscheinbar aufleben lässt. Für Leute die gerne Platten im ruhigen Rahmen geniessen und sich auf dem warmen Sofa niederlassen, ist diese Scheibe unvermeidbar. Eine wunderbare Single von einem wunderbaren Label.

Anspieltipps:
Mother (Danzig), Hardly getting over it (Hüsker Dü)

Daniel Cavanagh – Memory and Meaning (2015)

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Daniel Cavanagh – Memory and Meaning
Label: Eigenveröffentlichung
Format: CD, Download
Links: Künstler, Wikipedia
Gerne: Akustik, Cover

Bekannte Musiker und grosse Künstler verneigen sich gerne vor ihren Vorbildern und zollen Tribut. Dies ist oft nicht nur eine gute Gelegenheit, ohne grossen Aufwand ein neues Album zu produzieren, sondern eine Möglichkeit, die eigenen Wurzeln an seine Fans weiterzugeben. Oft ist es doch genau so spannend herauszufinden, wo die Einflüsse liegen, wie die Musik seiner Lieblingsband selber anzuhören. Daniel Cavanagh, Gitarrist von Anathema, hat nun via Pledgemusic ein solches Tributalbum veröffentlicht.

Die Auswahl der Lieder erfolgte dabei anhand seiner sehr persönlichen Einflüsse und Emotionen, Songs die Cavanagh seit Jahren begleiten und wichtige Erinnerungen in sich tragen. Der Künstler erhofft sich damit eine intime und direkte Bindung an seine Fans, nach der alle voneinander mehr wissen und sich gewisse Eigenheiten erschliessen. Um diese introvertierte Stimmung zu erschaffen, begnügte sich der Musiker nicht mit dem blossen Nachspielen der Lieder. Reduziert und auf ihre wichtigsten Elemente beschränkt wurden die Coversongs in einem Take eingespielt. Keine Overdubs, keine Nachkorrekturen. Was man auf diesem Album hört, hat Daniel Cavanagh eigenhändig im Studio eingespielt – bewaffnet nur mit Gitarre und Loop-Geräten. Mit diesem Wissen ist das Erlebnis noch intensiver, werden doch die meisten Lieder von Beats und mehreren Melodien begleitet. Klar denkt man zuerst, hier seien mehrere Musiker zugange. Schön auch, dass die Musik so geerdet wird und sehr real rüber kommt. Jeder Atemzug, jeder Ton geschah im Moment und ist unverfälscht. Faszinierend wie dabei flinke Melodien erklingen und an Anathema erinnern („Big Love“ von Fleetwood Mac), oder Hitparadenknaller plötzlich zu melancholischen Kätzchen werden („Smile like you mean it“ von The Killers). Die Essenz der Stücke bleibt dabei unangetastet, Canavagh schmückt sie aber mit einem komplett neuen Klangkleid aus. In der Grundstimmung nachdenklich und sanft, aber doch hochemotional. Sehr schön ist auch die Auswahl selber: Pink Floyd tummeln sich neben Iron Maiden, Tim Buckely und Radiohead schütteln sich gegenseitig die Herzen aus. Auch meine Lieblinge U2 sind mit dem wunderbar gespielten „With Or Without You“ vertreten.

„Memory And Meaning“ ist das beste Beispiel für gelungene Tributalben, bei denen der Kern der Songs mit neuer Bedeutung versehen wird. Die Scheibe ist zu keinem Moment sinnlos oder überflüssig, sondern auch für Liebhaber der leisen Singer-Songwriter interessant. Vorwissen über Anathema benötigt man keins, der Genuss dieser Gitarrenleistungen ist immer gewährleistet.

Anspieltipps:
Big Love, With Or Without You, High Hopes