Comic

Drawn Together – Cartoonmuseum Basel

Drawn Together Plakat

Drawn Together / Aline Kominsky-Crumb & Robert Crumb
Cartoonmuseum, Basel
02. Juli – 13. November 2016

„Aline Kominsky-Crumb und Robert Crumb sind ein ungleiches Paar – im Leben und in der Kunst. Die Pionierin des autobiografischen Comics und der gefeierte Undergroundzeichner und Schöpfer von Charakteren wie Fritz the Cat und Mr. Natural bringen diese Spannung in wahnwitzigen, gemeinsam gezeichneten Geschichten zu Papier. (…) Zum ersten Mal steht die Kooperation dieser beiden impulsgebenden Künstlerpersönlichkeiten im Zentrum einer umfassenden Ausstellung von Originalzeichnungen.“

Drawn Together_Bohli_3Was in der Beschreibung des Museums schon sehr interessant klang, war auch an der Vernissage am Freitag, 1. Juli in Basel nicht minder spannend. Die erste grosse Ausstellung zum gemeinsamen Werk von Herrn und Frau Crumb ist ein Gewinn und macht viel Freude. Passenderweise wurde die Vernissage von der Jug-Band „Notty’s Jug Serenaders“ eingeleitet, ein Trio, das perfekt den Südstaatenflair vor den Zeichnungen platzierte. Jug-Blues ist eine einfache Musik, die sich vor allem durch das Spiel einer Flasche oder eines Gefässes auszeichnet. Gewürzt mit witzigen Texten und den wunderbaren Solis einer Gitarre oder dem Banjo fand man schnell Gefallen an dieser nicht alltäglichen Musik.

Nach einer kurzen Einführung gab es standesgemäss einen leckeren Apéro und man konnte sogar ein paar Worte mit den Künstlern persönlich wechseln. Umso interessanter war es aber, die Ausstellung zu durchstreifen und zu merken, dass nebst den grossartigen und mit spitzer Feder gezeichneten Comics Robert Crumb auch viel Musik in sein Schaffen einfliessen liess. Da er selber ein begnadeter Sammler von 78er-Schellackplatten und Musiker ist liegt es nahe, dass der Zeichner auch unzählige Plattencover gestaltet hat. In Basel ist ebenso eine Auswahl dieses Wirkens ausgestellt – der Besuch lohnt sich somit auch für Musikfanatiker.

Übrigens erscheint im August eine interessante Publikation zur Ausstellung. Wer also keine Reise nach Basel unternehmen kann, findet hier einen kleinen Trost. Allen anderen ist die Betrachtung einer Kuriosität des Underground-Comics auf jeden Fall ans Herz zu legen.

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Media Monday #255

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Dieses Pfingstwochenende hatte es in sich, und die Tage davor auch. Fünf Konzerte in einer Woche sind doch etwas viel, aber ein wenig Platz für Film und TV blieb trotzdem. Die Vorlage stammt wie immer vom Medienjournal.

1. So ein langes Pfingstwochenende verleitet ja regelrecht dazu viel zu unternehmen und viel Zeit im Wohnzimmer zu verbringen. Denn wie meist, war es auch dieses Jahr eher regnerisch. Darum hab ich die Gelegenheit genützt um bei einem Freund zu Hause die VR-Brille für sein Smartphone auszuprobieren. Eine ganz unterhaltsame Sache, wenn auch das Angebot an Videos und „Spiele“ noch sehr klein ist.

2. Das Abendessen verwechsle ich ja gerne mal mit ein paar Flaschen Bier, an solchen Wochenenden. Besonders wenn man jeden Abend mit Freunden an ein Konzert geht. Wunderbar daran ist aber, dass man sich dann auch mal ein Essen nach dem Ausgang kocht. Zum Beispiel gleicht mit fünf Gästen in der eigenen Wohnung, und dazu leidenschaftlich über Musik spricht. Bis drei Uhr Nachts.

3. Am Samstag war GraticComicTag, die FedCon läuft dieser Tage auch noch. Mir persönlich war beides egal. Ich schaue weder Star Trek, noch mag ich Comics in deutscher Übersetzung lesen. Beim amerikanischen Pendant bin ich aber bestimmt wieder in einem Shop anzutreffen.

4. Wenn es „Chelsea“ nicht gäbe, ich würde wohl mein Leben genau so fortführen wie mit dem Angebot dieser neuen Talkshow auf Netflix. Sicherlich, die Dame ist ja ganz ok und auch immer mal interessant, doch das Konzept hinter der Sendung begreife ich noch nicht wirklich. Und drei neue Folgen pro Woche? Da wird sich doch schnell eine Übersättigung einstellen.

5. ESC-Twittern, Tatort-Twittern, dieses ganze kollektive Fernsehen war mir bis jetzt komplett unbekannt. In meinem Wohnzimmer steht zwar ein TV, der wird aber nur für Bluray und Netflix benutzt. All diese Schrottsender empfange ich nicht, auf den sozialen Netzwerken treibe ich mich nicht herum. Lieber mit echten Menschen ab und zu über Filme, Serien und das Leben diskutieren.

6. Leute, kennt ihr eigentlich eine tolle Alternative zu dem iPod Classic? Solltet ihr nämlich unbedingt, schließlich gibt mein liebstes Gerät so langsam den Geist auf und ich will doch nicht ein iPod Touch mit nur 64GB kaufen. Das reicht ja knapp für alles von U2, Ellie Goulding und Marillion. Und gibt es ein Spieler, der die Dateien von iTunes abspielen kann?

7. Zuletzt habe ich das Technorama in Winterthur besucht und das war aufregend, spannend und unterhaltsam, weil man in diesem Wissenschafts-Zentrum hunderte von Experimente selber durchführen kann. Die Welt der Physik, Chemie, Biologie und Technik wird einem somit greifbar gemacht und auf wundersame Weise erklärt.

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Nothing Can Stop Me Now: Stories Inspired By the Songs of Nine Inch Nails (2015)

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Nothing Can Stop Me Now: Stories Inspired By the Songs of Nine Inch Nails
Verlag: SpazDog Press, 2015
Autor: Diverse
Links: Facebook, Amazon

Musik kann vieles inspirieren, Lieder sind oft selber Träger von Geschichten und Momentaufnahmen. Und je intensiver man sich mit einem Künstler oder einer Band befasst, desto stärker fliessen diese Eindrücke in das eigene Schaffen ein. Nine Inch Nails bietet seit Jahrzehnten für viele Menschen auf dem Planeten genau dies: Einen fruchtbaren Boden für Kreativität. Die Gruppe von und um Trent Reznor gilt nicht nur als eine der wichtigsten im Bereich Industrial, sondern bestach schon immer mit dem durchdachten Design ihrer Alben, ihren Videos, ihrer Gesamtvision. Dank der Mischung aus Technik, Dreck und Wut bieten die Songs eine wunderbare Grundlage für düstere und intensive Geschichten. Das hat nun mehrere Autoren und Zeichner dazu bewogen, Kurzgeschichten zu einzelnen Liedern der Gruppe zu erschaffen. Unter dem Titel „Nothing Can Stop Me Now“ sind diese nun gesammelt als Hardcoverbuch erschienen und erweitern den NIN-Kosmos auf interessante Weise.

Möglich gemacht wurde das Buch dank vielen Unterstützern auf Kickstarter, nach einiger Wartezeit kann man sich die Comics nun zu Gemüte führen. Dabei besticht vor allem das Visuelle, denn viele Geschichten kommen komplett ohne oder mit sehr wenigen Worten aus. Ein Umstand, der mir gefällt, kann man die Bilder so stark mit der Musik verschmelzen lassen. Die durchschnittliche Länge von fünf Seiten reicht zwar nicht aus, die Gesamtlänge der Lieder zu füllen, oft treffen sie aber die Stimmung des Songs sehr gut. Bei „The Day The World Went Away“ etwa begleiten wir einen roten Ballon, der einer zerstörten und menschenleeren Stadt entsteigt. „Closer“ handelt von einer Dreieckbeziehung bei der es, nun ja, um wilden Sex geht. Eine textnahe Interpretation also, bei anderen Storys ist der Zusammenhang aber etwas schwieriger – „Sin“ gefiel mir beispielsweise weniger. Dies lag wohl aber auch am Zeichnungsstil, der hier eher amateurhaft dem asiatischen Manga angelehnt wurde.

Bei einer solchen Vielfalt an Zeichnern ist es verständlich, dass nicht alles meisterhaft sein kann. Glücklicherweise gibt es nur wenige Negativbeispiele, die meisten Bilder überzeugen mit ihren Details, dem Stil und der Kolorierung. Als zusätzliches Schmankerl wurden noch viele weitere Zeichnungen am Ende des Buches eingefügt, welche die Deutung der Lieder als Pin-Up verarbeiten. Von abstrakter Kunst bis zum klassischen Stil der Superheldencomics, es findet sich alles, und ein jeder Fan von Nine Inch Nails wird wohl zufrieden gestellt werden. Das Projekt ist somit in meinen Augen geglückt, dient als tolle Hommage, die nicht zu ernst genommen werden soll. Sicherlich könnte man sich an gewissen Auslegungen der Musik oder Texte stören, aber es ist faszinierend zu sehen, was lieb gewonnene Stücke in den Köpfen anderer Menschen bewirkt haben. Für NIN oder Trent Reznor Fans ein Muss, für Freunde von Independentcomics eine nette Abwechslung. Schade nur, dass der Lesespass nach zirka einer halben Stunde vorbei ist. Die Bilder aber laden zum regelmässigen Schwelgen ein.

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Captain America: The Winter Soldier – Kritik

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Captain America: The Winter Soldier
Vereinigte Staaten, 2014
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Darsteller: Chris Evans, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Scarlett Johansson, Robert Redfort, Samuel L. Jackson
Links: Website, Trailer

Marvel hat es endgültig geschafft. Nach dem Riesenerfolg mit Avengers begann die Phase 2 des cinematografischen Universums mit voller Breitseite. Iron Man 3 und Thor 2 boten unter dem Strich aber vor allem mehr vom Gleichen. Der zweite Teil der Captain America Reihe ist nun aber der überraschende Befreiungsschlag aus bekannten Marvel-Pfaden. Stelle das erste Abenteuer des patriotischen Helden noch ein aufgeblasener Trailer zur Avengers Zusammenkunft dar und enttäuschte, macht der Nachfolger nun alles richtig.

Das beginnt bei der Story, ist diese doch nicht ein weiteres plumpes Action-Abenteuer in dem der Held gegen einen zuerst übermächtigen Gegner kämpft, sondern ein spannendes Verwirrspiel im Stile alter Spionagethriller. Captain America muss zusehen wie seine Welt um ihn herum zusammenbricht und er niemandem mehr trauen kann. Wer von SHIELD hat böse Absichten, wer ist ein Freund? Als dann noch der mysteriöse und kräftige Winter Soldier auftaucht muss es Cap mit einem Gegenspieler aufnehmen, dem er alleine nicht gewachsen ist. Mehr will ich zur Geschichte gar nicht verraten, würde dies doch mehrere spannende Wendungen vorne wegnehmen. Soviel nur: Am Ende des Filmes ist im Marvel Universum einiges nicht mehr wie zuvor. Dies wird auch Auswirkungen auf kommende Filme wie Avengers 2 oder Thor 3 haben. Und die Geschichte schafft es, auch aktuelle Themen wie Überwachungspolitik aufzugreifen.

Inszenatorisch ist wie von Marvel Studios gewohnt alles auf extrem hohem Niveau. Die Action ist vielfältig und die Tricksereien super gemacht, die Besetzung perfekt. Nebst bekannten Gesichtern wie Evans, Johansson, Smulders oder Jackson glänzen auch Mackie und Redford in ihren Rollen. War dies schon bei den Iron Man und Thor Filmen der Fall, beweisen die Macher auch hier eine sichere Hand. Wie es sich für einen Marvel Film gehört, kann der Fan auch in CA2 jede Menge Anspielungen auf andere Filme entdecken. Namen wie Stark, Banner oder Strange fallen, es werden Ereignisse angesprochen oder aufgegriffen und manche geliebte Figuren haben sogar Kurzauftritte. Der Eindruck es mit einem zusammenhängenden und wachsenden Universum zu tun zu haben wird verstärkt. Schade hingegen ist auch hier der zu lockere Umgang mit dem Tod. In Superheldenfilmen ist es leider spätestens seit Man Of Steel üblich, dass die Menschen zu Tausenden sterben und dies niemand wirklich kümmert. Muss Zerstörungswut immer so extrem zelebriert werden?

Sehr toll war es vor dem Film die Trailer für X-Men Days Of Future Past und Guardians Of The Galaxy zu sehen. Es ist echt unglaublich, wie stark sich Marvel in Hollywood ausgebreitet hat und wie viele Filme auf uns zukommen. Solange sie das momentan bestehende Niveau halten können soll’s mir nur recht sein. Aber bitte Marvel wenn ihr schon unbedingt 2 Post Credit Szenen in den Film packen musst dann dreht auch zwei relevante. Hier lohnt es sich nicht den kompletten Abspann durch sitzen zu bleiben, auch wenn die Musik wie im ganzen Film topp ist.

The Planetary Omnibus (DC Comics, 2014)

Planetary Cover

The Planetary Omnibus
Verlag: DC Comics, 2014
Autor: Warren Ellis
Zeichner: John Cassaday
Inhalt: Planetary 1-27, Planetary/Authority, Planetary/JLA, Planetary/Batman
Link: Verlag, Amazon

Planetary kennt keine Grenzen. Der Comic wurde Ende der 90er Jahre im Wildstorm Verlag publiziert und stellt bis heute eine Ausnahmeerscheinung dar. Die 90er Jahre waren für Superhelden-Comics eine schlechte Zeit. Bewährte Konzepte wurden über Bord geworfen, alte Helden der Neuzeit angepasst und die Geschichten drehten sich meist nur darum, wer grössere Muskeln aufweisen kann und damit Andere möglichst effektvoll verprügelt. Auch die zeichnerische Qualität liess oft zu Wünschen übrig und sorgt besonders heute für angewidertes Wegdrehen. Doch dann kamen Warren Ellis und John Cassaday und zeigten allen: Die Kunstform Comic ist nicht tot, wer Wagnisse eingeht kann auch in diesem Sumpf aus schlechter Qualität ein Meilenstein erschaffen.

Planetary dreht sich um das Mysterien-Archäologeteam bestehend aus Elijah Snow, Jakita Wagner und dem Drummer. Diese drei Personen mit ausserordentlichen Fähigkeiten sammeln die Geheimnisse des Planeten Erde und sind zugleich Beschützer und Chronisten. Ihre Aufträge und Abenteuer führen sich nicht nur an abgelegene Orte auf allen Kontinenten sondern auch auf andere Planeten, Paralleluniversen und undefinierbare Informationsebenen. Dabei wird in jedem Heft ein völlig neues Spielfeld betreten und neue Welten entdeckt. Sei es ein Supercomputer aus dem zweiten Weltkrieg, Riesenameisen aus einer anderen Dimension oder jahrhunderte alte Milleniumskinder mit Superkräften. Für die Planetary-Agentur gibt es nichts das zu merkwürdig wäre. Die Episoden funktionieren wie in einer Fernsehshow als eigenständige Geschichten, ergeben als Gesamtwerk betrachtet aber ein unglaublich dicht erzähltes Erlebnis. So kann der Leser nicht nur miträtseln wer hinter den immer bedrohlicher werdenden Ereignissen steckt, sondern auch wer die Hauptpersonen genau sind und was ihre Vergangenheit alles beinhaltet. Warren Ellis schrieb die Serie als epische Chronik von paranormalen Vorkommnissen. Unkonventionell ist auch die Struktur der Hefte. So gibt es Ausgaben in denen nur Gespräche stattfinden, keine Kämpfe oder grosse Veränderungen. Dialoge welche das Leben der Charaktere vertiefen, ihre Beziehungen festigen und immer neue Fragen mit jeder Antwort aufwerfen. So etwas habe ich noch selten in einem „Superheldencomic“ gesehen. Um die Überraschung gewisser Offenbarungen nicht zu mindern, werde ich nicht mehr tiefer auf die Handlung eingehen.

Jedes Heft hat einen völlig eigenen Stil, dies wird auch schon mit der unvergleichlichen Covergestaltung klar. Jede Ausgabe hat ein neues Logo, eine neue Designart. Manchmal wie alte Filmplakate, dann wieder typische Comicelemente vergangener Jahrzehnte oder sogar Buchcover. Wie viel Liebe und Energie da hinein geflossen sind zeigt es sich am besten in dieser Galerie.  Viel Mühe hat sich auch John Cassaday mit den Zeichnungen der einzelnen Seiten gegeben. Sein Stil ist reduziert doch genügend detailliert um nicht leer zu wirken. Die Figuren und Gesichter sind lebensecht und klar zu unterscheiden, übernatürliche Wesen und Maschinen fantasievoll entworfen. Die Bilder wirken klar, ruhig und ansprechend. Eine ausserordentliche Leistung und verdienterweise auch mit dem Eisner-Award nominiert.

Wer also gerne Comics mit sonderbarem Inhalt liest wird bei Planetary gut aufgehoben sein. Selten gab es eine Serie die so wunderbar durchdacht, strukturiert und ausgeführt wurde. Von Sci-Fi und Action über Horror und Mysterie, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Omnibus-Sammelband beinhaltet alle 27 Ausgaben der Reihe, plus die Crossover Einzelhefte mit Authority, JLA und Batman. Abgerundet wird der Band mit einem Vor- und Nachwort, Skizzen, Cover-Galerie und dem Script des ersten Heftes. Somit bleibt der Omnibus handlich und zufrieden stellend auch für Personen die bereits die Einzelhefte oder Trades besitzen. Die Verarbeitung ist auch hohem Niveau, die Bindung sehr stabil und der Gutterloss minim. Danke an DC Comics, dass sie diesen Ausnahmecomic als toll aufgemachten Sammelband herausgebracht haben.