Best Of

Best Of 2017 – Der Rückblick

Erstaunlich wie ein Musikjahr so viele extrem gute Scheiben in sich tragen kann, aber dann doch wenige Highlights, die alles überstrahlen. Oder bin ich einfach zu gesättigt? Wie auch immer, 2017 war nebst vielen toten Legenden und noch nicht ganz durchgebackenen Neulingen wieder zwölf Monate voller Ereignisse und Melodien.

Während sich die Menschen in vielen Teilen der Erde nicht nur auf die Köpfe hauen, sondern sich immer mehr grundlos hassen, habe ich als Schweizer mich im Wohlstand und grosser Sicherheit wähnen können. Somit war die Mitarbeit bei Artnoir dadurch geprägt, dass ich nicht nur immer tiefer in die Kulissen der Schweizer Szene eintauchen konnte, sondern viele neue Platten und Lieder entdecken durfte. Ob Ambient zwischen Leere und Frequenzstörungen, Rock mit Liebe oder schmutzigen Fingern, Metal mit Popkleid oder Pechbad, Electro mit Glitzerschuhen oder Schattenzeichnungen oder Pop mit arabischem Reiz oder grosser Retroaktivität – dabei war alles.

Schön auch zu sehen, dass die heimische Szene immer weiter erstarkt und dank gewissen Personen und Labels (Czar Of Cricket in Basel, Radicalis in Basel, Irascible in Zürich, AuGeil in Frauenfeld etc.) wahrlich aufblüht. Es macht schliesslich immer noch mehr Freude zu sehen, dass auch wenige Kilometer neben dem eigenen Wohnort fantastische Kompositionen erzaubert werden. Da vergisst man schnell, dass nicht weit von uns Flüchtlinge an geschlossenen Grenzen sterben, Länder sich selbst immer weiter in den Abgrund befördern und die Gerechtigkeit immer mehr am Reichtum zerbricht.

Vielleicht war es genau darum wichtig, dass uns Nick Cave mit seinem kolossalen Auftritt in Zürich im November wieder vor Augen hielt, wie klein, unwichtig und zerbrechlich wir Menschen alleine doch sind. Warum also sollten wir uns gegenseitig nichts gönnen, alles was wir nicht kennen gefährlich finden und Probleme nicht mehr lösen wollen? NO RACISM, NO HOMOPHOBIA, NO SEXISM, NO VIOLENCE, NO CLOSED MINDS, NO BAD VIBES, NO EXCUSES; SPEAK UP, STAND UP!

Und hier noch die Listen, für Leute, die nicht länger als einen Blick pro Abend Zeit finden.

Top 10 – Alben International
1. Blanck Mass – World Eater
Harter Techno, laute Tracks, zerstörende Ambientwelten – eine extreme Wucht!
2. Steven Wilson – To The Bone
Der Meister des Prog kann halt auch Art-Pop in Perfektion, dies zeigt sein neuster Streich.
3. The Hirsch Effekt – Eskapist
Dieses Trio aus Deutschland hat mich noch nie enttäuscht, das bleibt auch mit diesem Monster aus Math-Core-Metal-Wahnsinn so.
4. John Maus – Screen Memories
Endlich ist er wieder da und zelebriert den Barock-Pop auf beste Weise. Anders als alle.
5. Noga Erez – Off The Radar
Sie ist jung, mutig, frech und politisch – genau wie ihre Songs in mitreissendem Electronica-Dance-Pop.
6. Brand New – Science Fiction
Eine letzte Rückkehr der fantastischen Post-Hardcore-Recken, mit viel Emotion und Diversität.
7. Heat – Overnight
New Wave und Post-Punk aus Australien, diese Band erinnert an Midnight Oil und übertrumpft alle Vorbilder.
8. Melanie De Biasio – Lilies
Singer-Songwriter trifft auf Jazz, Stimmenkünstlerin auf geniale Kompositionen. Zum Träumen.
9. Perfume Genius – No Shape
So abwechslungsreich und tiefgründig ist selten ein Musiker, „No Shape“ für Perfume Genius aber sogar noch eine Steigerung.
10. Ulver – The Assassination Of Julius Caesar
Und wieder klingen sie komplett anders, jetzt mit viel Beats und treibenden Songs. Yeah!

Top 10 – Alben National
1. I Made You A Tape – Proud And Young
Bern ist immer wieder für Überraschungen gut, wie auch mit dieser Band und Platte. Emotional und intensiv.
2. Hermann – Hermann
Wer braucht schon Menschen, wenn er einen Computer haben kann? Obwohl, ohne Musiker würden die genialen Texten fehlen.
3. Egopusher – Blood Red
Geige und Schlagzeug, dazu eine Prise Techno und viel Erfindergeist. Egopusher brillieren mit ihrem ersten Album.
4. Autisti – Autisti
Lauter, härter, schneller! Die “Supergruppe” aus Emilie Zoé und Louis Jucker detoniert wie eine Bombe.
5. Neo Noire – Element
Der Grunge ist zurück und lebt nun in Basel, inklusive der alten Intensität und Spielfreude.
6. We Invented Paris – Catastrophe
Keine Katastrophe, sondern ein Kaleidoskop an Pop. Jeder Song ein Hit, jeder Refrain die pure Lust.
7. Null + Void – Cryosleep
Zuerst nach NYC auswandern, dann mit Grössen der Musikszene ein perfektes Wave / Techno-Album schreiben – hat geklappt.
8. Groombridge – Der Specht
Mal verkopft, mal laut, mal direkt und immer mit tausenden von Ideen. Dieser Specht darf gerne klopfen.
9. Mama Jefferson – Best Of 
Die erste EP gleich als „Best Of“ betiteln? Ja, diese energetische und junge Band darf das. Rock’n’geil!
10. When Icarus Falls – Resilience
Ihr Post-Rock bringt mit Metal-Einflüsse alle Köpfe zum Schmelzen – ob aus Wachs oder nicht.

Top 10 – Konzerte
1. Nick Cave & The Bad Seeds – Hallenstadion Zürich, 12.11.2017
Wir sterben alle alleine, doch mit Herrn Cave leiden wir zumindest wunderschön gemeinsam.
2. Underworld – Alexandra Palace London, 17.03.2017
Das legendäre Duo in seiner Heimat, mit gewaltiger Show und noch besserem Konzert.
3. Anna Von Hausswolff – Bad Bonn Düdingen, 25.04.2017
Eine kleine Frau mit einer extremen Soundwucht! Perfekt, um diese Erde zu verlassen.
4. The Flaming Lips – Volkshaus Zürich, 31.01.2017
Verrückter geht es kaum an einem “Rock”-Konzert – aber hinter Konfetti, Einhörnern und Glitzer steckt viel Seele.
5. Swans – Salzhaus Winterthur, 19.10.2017
Der grosse Abschluss einer grossen Band, mit extremer Lautstärke und brachialer Darbietung.
6. U2 – Arena Amsterdam, 30.07.2017

Die Geburtstagsfeier zu „The Joshua Tree“ wird dank Überraschungen und genialer Stimmung zu einer perfekten Party.
7. Max Richter / Nicolas Jaar – Montreux Jazz Festival, 30.06.2017
Wunderschön, leise und dann doch extrem treibend. Zwei Musiker, zwei Welten, eine grandiose Nacht.
8. Yasmine Hamdan – Moods Zürich, 13.10.2017
Ihr Arabic-Pop ist nicht nur modern und voller Erzählungen, sondern auch live betörend.
9. Xiu Xiu – Dachstock Bern, 09.05.2017
Egal wie fest du dich selbst hasst, nach diesem Konzert war die Welt doch wieder angenehmer. Wenn auch total kaputt.
10. Schnellertollermeier – Match & Fuse Zürich, 29.09.2017
Jazz auf harten Drogen? Dieses Trio spielte alle anderen Bands an diesem Festival an die Wand und liess mich nur staunen.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Mama Jefferson – Best Of (2017)

Mama Jefferson – Best Of 
Label: Eigenveröffentlichung, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Band
Genre: Rock

Ihr habt mich überzeugt, ich kann mich nicht wehren – aber wer so sympathisch auftritt, der verdient nur Lob. Mama Jefferson, ein junges und gerne auch lautes Trio aus Zürich, zeigt mit ihrer EP „Best Of“ nämlich, dass der Rock aus dem eigenen Land noch lange nicht tot ist. Was sich die alten Recken aus dem Gebiet der dröhnenden Gitarren nicht mehr getrauen, gibt es hier zuhauf: Humor, Neugier und Experimentierfreude. Da darf man seine Platte namentlich auch als Compilation tarnen.

Mama Jefferson besteht aus Gitarrist Silvan Gerhard und Schlagzeuger Mattia Ferrari und kriegt die meisten Herzen wohl mit Sängerin und Bassistin Vanja Vukelic rum. Die Musikerin gibt sich am Mikrofon als echte Rockröhre und gibt alles in wilden Stücken wie „Liquor Liquor“ oder „Mammon“. Die Gruppe mischt ihrem Rock eine gehörige Portion Trash und Punk bei, vergisst dabei aber nie den schmeichelnden Aspekt. Auch wenn Lieder wie „Lie“ vom Inhalt her nachdenklich stimmen, tanzen will man hier bei jedem der fünf Songs.

Das Schöne an „Best Of“ ist ja, dass man auch ohne echten Schnauz willkommen ist. Hier darf man sich etwas auf die Oberlippe kleben, malen oder schmieren – willkommen sind alle. Musik, und besonders der Rock, ist schliesslich ein Feld ohne Grenzen – und dies haben Mama Jefferson schon immer gewusst. Ihre EP ist somit unser Ticket an die grösste Party der Geschichte, welche hoffentlich noch viele Jahre und Platten andauern wird. Luftgitarren bloss nicht zuhause vergessen.

Anspieltipps:
Liquor Liquor, Lie, Mammon

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Old Crow Medicine Show – Best Of (2017)

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Old Crow Medicine Show – Best Of
Label: Nettwerk, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Country, Folk

Machmal tut es ja auch gut, sich wieder mit einem Stil zu beschäftigen, der für einen selten wirklich funktioniert. Darum heute ein paar Worte zur neuen Best Of von Old Crow Medicine Show – eine geballte Ladung Country für Medizinmänner und Grashalmkauer. Die String Band aus Nashville benötigt nicht mehr als Saiten und Stimmbänder für ihre Lieder und geht damit durch Städte und Wüsten. Seit 1998 entstehen dabei Songs, die sich für europäische Ohren fast zu traditionell staubig anhören.

Old Crow Medicine Show werfen in ihren Liedern Gitarre, Kontrabass, Geige und natürlich das Banjo in die Runde und kombinieren dies mit mehrstimmigem Gesang – der lustigerweise oft etwas angetrunken oder verzweifelt klingt. Natürlich liegt dies zuweilen am Akzent, aber auch an den Texten, welche Humor und ernste Botschaften verbinden. „Big Time In The Jungle“ ist ein interessanter Song gegen den Vietnamkrieg, „Tell It To Me“ lässt sich über Drogen aus und in „Black-Haired Québécoise“ begegnen die Musiker hübschen Personen in Kanada. „Best Of“ verdient seinen Namen schnell, haben doch alle Stücke einen Reiz.

Die Werkschau von Old Crow Medicine Show ist somit gelungen und zeigt aus all ihren Phasen ein paar wunderbare Beispiele – für mich persönlich ist diese Musik zwischen Country-Folk und Bluegrass doch etwas zu gleichförmig. Freunde und Verfechter dieser Stilrichtung finden aber auf „Best Of“ mehr als 14 Gründe, um einen Hengst zu zähmen und die Zigarette am Brandeisen anzuzünden. Und schliesslich kann man auch am Handwerk der Band überhaupt nichts aussetzen.

Anspieltipps:
Tell It To Me, Bit Time In The Jungle, Black-Haired Québécoise

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

2016 – Der Rückblick, die Listen

2016 – du warst kein einfaches Jahr. Nicht nur prallten praktisch jeden Tag Freud und Leid auf heftigste Weise zusammen, nein auch die Künstler- und Musikwelt musste sich von vielen Grössen verabschieden. So begann das Jahr mit dem Tod meines Helden David Bowie, kurz nach der Veröffentlichung seines neusten und wahrlich grossartigen Albums „Blackstar“ – und nahm sich dann in jedem Monat weitere Legenden. Leonard Cohen, Prince, Gene Wilder, Alan Rickman, Harper Lee, Umberto Eco und viel zu viele mehr. Es ist somit schwierig, eine Rangliste der besten Werke zu erstellen, möchte man doch all diese Seelen ehren.

Auch ist der Konsum aktueller Veröffentlichungen dank meiner Mitarbeit bei Artnoir in schwindelerregende Höhen gestiegen, was eine Beschränkung auf zehn Scheiben schier unmöglich macht. Somit muss ich dieses Jahr etwas mogeln – es gibt nun eine Top Ten für die Platten aus aller Welt, und eine weitere für Musik aus der Schweiz. Dabei allerdings sind mit diesen 20 Alben aber zu viele nicht beachtet. So gab es beispielsweise Grossartiges von Frost*, Leonard Cohen, Radiohead, PJ Harvey, James Blake, Rihanna, Wilco, Periphery, Wolf People, Moscow Mule und so weiter. Doch regelmässige Leser dieser Seite oder von Artnoir werden meine Texte zu deren Werken ja bestimmt mitgekriegt haben. Darum hier die Listen:

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Top Ten 2016 – Alben
1. David Bowie – Blackstar
2. Jarlath Henderson – Heads Turned, Hearts Broken
3. Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree
4. Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing
5. Dream The Electric Sleep – Beneath The Dark Wide Sky
6. The Hotelier – Goodness
7. Marillion – F*ck Everyone And Run
8. Touché Amoré – Stage Four
9. Underworld – Barbara, Barbara We Face A Shining Future
10. Thrice – To Be Everywhere Is To Be Nowhere

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Top Ten 2016 – Schweiz
1. Knöppel – Hey Wichsers
2. One Sentence. Supervisor – Temporär Musik 1-13
3. King MCH, effelav & Saruco – Hous der ond fegg di
4. Yello – Toy
5. Spencer – We Built This Mountain Just To See The Sunrise
6. Al Pride – Hallavara
7. Container 6 – Beschti Zyt
8. The Shamanics – Shamanic
9. The Beauty Of Gemina – Minor Sun
10. Wolfman – Modern Age

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Und ja, auch bei den Konzerten war es nicht so einfach, wenn auch klarer. Mit 85 besuchten Veranstaltungen (Konzertabend = 1, Festivaltag =1) stieg auch diese Zahl in absurde Höhen. Doch was macht man nicht alles für seine Journalistenkarriere? Wobei ich 2017 dies nicht zu übertrumpfen versuche, gesund wäre es wohl nicht. Und ja, in dieser Liste findet man einige übliche Verdächtige, aber Musik ist schlussendlich Emotion und gewisse Talente berühren mich halt am stärksten.

Top Ten 2016 – Konzerte
1. Marillion – 19.07.2016 – Huxley’s neue Welt, Berlin
2. Massive Attack – 21.07.2016 – Paléo Festival, Nyon
3. Underworld – 27.08.2016 – Zürich Open Air, Rümlang
4. Patti Smith – 29.06.2016 – Volkshaus, Zürich
5. Bruce Springsteen – 31.07.2016 – Stadion Letzigrund, Zürich
6. Ventil – 01.10.2016 – A-Synth Fest, St.Gallen
7. Battles – 12.08.2016 – Open Air Basel
8. Motorpsycho – 06.05.2016 – Fri-Son, Fribourg
9. Ellie Goulding – 28.02.2016 – Hallenstadion, Zürich
10. Gaia – 15.10.2016 – Oxil, Zofingen

Immer nur etwas zu hören ohne die Bilder dazu zu haben, ist doch auch doof, oder? Darum hier die besten Filme des Jahres. Wer die nicht kennt, sofort anschauen.

Top Ten 2016 – Filme
1. Toni Erdmann – Regie: Maren Ade
2. Arrival  – Regie: Dennis Villeneuve
3. Spotlight  – Regie: Thomas McCarthy
4. The Revenant – Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu
5. Bezness As Usual – Regie: Alex Pitstra
6. Captain America: Civil War  – Regie: Russo Brothers
7. Everboy Wants Some! – Regie: Richard Linklater
8. Demolition – Regie: Jaen-Marc Vallée
9. Nocturnal Animals – Regie: Tom Form
10. The Lobster – Regie: Giorgos Lanthimos

Ausser Konkurrenz:
Nick Cave & The Bad Seeds – One More Time With Feeling

Die besten Alben 2015

Was war das für ein Musikjahr! Praktisch jede wichtige Band und fast jeder einflussreiche Künstler oder Künstlerin hat die Welt mit einer neuen Scheibe beglückt (oder verärgert). Gegenüber dem eher schwachen Jahrgang 2014 ging im 15 die Post ab. Trotzdem, wie immer gab es auch in den letzten zwölf Monaten Kandidaten, die alles überstrahlten, die vom ersten Hördurchgang bis zum Weihnachtstag im Herzen und Kopf blieben.

Für mich als freischaffenden Musikjournalist brachte das Jahr auch einige Entwicklungen. Der Blog wurde immer beliebter, die Leserzahlen stiegen mit jedem Beitrag. Zum Glück hat sich auch meine Schreibe verbessert und verärgert somit weniger Geniesser von 17408sound. Ganz spannend wurde das Leben mit der Entscheidung, beim Team von ArtNoir mitzuwirken. Nicht nur erhielt ich dadurch die Möglichkeit, Alben und Platten kritisch zu betrachten, sondern darf nun auch Interviews mit Bands führen und Konzerte als Auftrag besuchen. Das erweitert nicht nur den eigenen Horizont!

Wenn es aber darum geht, die zehn wichtigsten und besten Alben zu bestimmen, dann war es auch in diesem Jahr nicht einfacher als sonst. Aber man kann sich ja nicht schwach zeigen, darum hier meine Top Ten 2015:

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  1.  Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase
    Gott steht an der Spitze, wie könnte es anders sein. Bereits zum vierten Mal begeistert Herr Wilson mit einem Soloalbum, und vermengt auf „Hand.Cannot.Erase“ nicht nur New Prog und Art-Rock, sondern auch Pop und Electronica zu einem wunderschönen Konzeptwerk über vergessene Leben und Menschen. Ergreifende Melodien, intelligente Texte und schwelgerische Harmonien – genial.
  2.  Jamie XX – In Colour
    Schon damals schrieb ich in der Kritik, dass dies wohl das wichtigste Werk der elektronischen Sparte im aktuellen Jahr sein wird. Und für mich ist es „In Colour“ bis heute geblieben. Jamie Smith hat sich von The XX losgesagt und ein House-Techno-Garage Album geschaffen, das wie eine Wundertüte der Englischen Electroszene funktioniert. Mit bewegenden Liedern und tanzbaren Momenten.
  3.  Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
    Er ist und bleibt der Meister des verkopften und herzoffenen Singer-Songwriter. Nachdem Stevens sich auf den letzten Alben dem Noise und der experimentellen Electronica zuwandte, gab es mit „Carrie & Lowell“ nun eine Rückkehr zu den leisen und intensiven Tönen. Gitarre, Banjo und Gesang – mehr braucht man nicht um glücklich zu weinen oder traurig zu lachen.
  4.  Periphery – Juggernaut: Alpha / Omega
    Doppelalben können eben doch funktionieren, sogar im wilden Gebiet des Djent-Metal. Die Amerikaner von Periphery prügeln sich auf zwei Platten durch dick und dünn, vergessen dabei aber nie Emotion und Melodie. Ob der Emo, College-Rock oder Prog an die Tür klopft, alles vermengt sich zu einer unwiederstehlichen Masse. Tut weh, aber du magst es ja.
  5.  Rangleklods – Straitjacket
    Nachdem das erste Album des dänischen Duos vor allem die dunklen Beats beschwörte, findet man sich mit „Straitjacket“ in allen möglichen Formen der Tanzmusik wieder. Sicher, die 90er sind wieder da, doch Rangleklods können noch viel mehr. Intelligente Strukturen, fesselnde Melodien und nachdenkliche Texte. Ab in den dunklen Club, oder zum Interview.
  6.  Luisa – Never Own
    Eine junge Frau aus Hamburg, ihre Gitarre, ihr Loopgerät. Mehr braucht es nicht um die Leute zu verzaubern. Zum guten Glück funktionieren die Lieder auch mit Band und ab Platte wunderbar.
  7.  Jovanotti – Lorenzo 2015 CC
    Lorenzo ist und bleibt der Beste. Egal ob Eurodance, nachdenkliche Texte oder Worldmusik, der Mann kann alles und schafft es auch bei einem Album mit 30 Songs nie zu langweilen.
  8.  Torres – Sprinter
    Düster, wild und verzerrt. Die neuste Platte von Torres ist ein schwarzes Grunge-Werk voller Einflüsse des Singer-Songwriter und tiefen Abgründen. Nichts für schwache Gemüter.
  9.  Lonely Robot – Please Come Home
    New Prog oder doch melodischer AOR? Wie auch immer, was John Mitchell hier auf die Beine gestellt hat ist supertoll. Das Album tropft nur so vor grossartigen Gitarrenriffs, wundervollen Melodien und tollen Gastauftritten.
  10.  Halma – Granular
    Musik ohne Text, Füsse ohne Boden. Die Hamburger lassen jeden Zuhörer ins All entschweben und verzücken mit spannende Gitarrenriffs. Macht süchtig und glücklich.

Da dies nicht ausreicht, hier noch 15 weitere tolle Scheiben.
Müsst ihr auch unbedingt hören und kaufen. Nur nicht ganz so dringen wie Plätze 1-10.

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Die besten Alben 2014

Weihnachtszeit ist Listenzeit. Schon als Kind schrib man in süsser Krackelschrift ein Zettel mit all diesen tollen Spielsachen voll, in der Hoffnung, zumindest die Hälfte davon unter dem Baum vorzufinden. Nachdem man diese beschützte Zeit hinter sich gelassen hat, kauft man sich Lego und Playmobil nun einfach selber – schliesslich arbeitet man ja nicht ohne Grund. Aber ohne Listen will ich weiterhin nicht auskommen, gerade als Ordnungsmensch. Naheliegend und für diesen Blog interessant: Die 10 besten Alben 2014, die besten Konzerte, die besten Songs, die besten Musikvideos, die besten Filme. Es gibt viel zu ordnen, aufzuschreiben und zu bewerten, gerne geschieht dies auch unter Freunden zu einem gesunden Glas Hopfensaft.

2014 war musikalisch gesehen ein gutes Jahr, viele Veröffentlichungen waren von hoher Qualität und lohnten sich gegen Goldmünzen in die Wohnung zu schleppen. Was allerdings fehlte, war ein Ausreisser. Keine Platte überstrahlte alle anderen, keine Band erschuf ein Meisterwerk für alle Zeiten. Somit hatte ich echt Probleme, eine Top Ten zu erstellen und die richtige Reihenfolge zu eruieren. Wie immer gilt hier natürlich: Die Wertungen sind komplett subjektiv und werden von keinem zweiten Menschen so gesehen. Sehr wahrscheinlich habe ich auch genau die Platte verpasst, die euch am besten gefällt. Hier seid ihr gefragt, schreibt und diskutiert mit. Denn wie gesagt, 2014 hat so einiges Bermerkenswertes auf die Plattenteller serviert.

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Gewonnen hat dieses Jahr:
Anathema – Distant Satellites
Die wunderschön traurige Mischung aus Art-Rock, sphärischen Klängen und Melancholie blieb bei mir am stärksten haften. Das Songwriting der Band wird auf dieser Platte perfektioniert und führt den Weg der Vorgänger konsequent weiter. Mit neuen Ideen, wie der stärkeren Einbringung von elektronischen Beats, und Besinnung auf alte Tugenden, ist ein träumerisches Werk voller Sehnsucht, Liebe und Leben entstanden.

Auf dem zweiten Platz hat sich in letzter Sekunde noch ein unbekanntes Gesicht eingeschlichen. Das unbetitelte Debüt von Antemasque ist ein spassiges Kind von zwei bekannten Musikern: Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler spielen nach „At The Drive-In“ und „The Mars Volta“ wieder zusammen. Songs voller Freude, auf einem festen Fundament voller Gitarren und Gesang.

Die Bronzemedaille holen sich Archive mit ihrem Film-Musik Projekt Axiom. Ihr Konzeptwerk der monochromen Ambient-Electronica funktioniert sowohl mit den utopischen Bildern, als auch ohne. Grandioser Aufbau, wundervolle Wände. Zum träumen und fürchten.

Zu allen weiteren Alben in der Bestenliste finden sich die Reviews ebenfalls auf diesem Blog, gesammelt im Review-Index. Viel Spass beim nachlesen, nachhören und beurteilen. Dass fast alle Cover vor allem Schwarz in den Vordergrund stellen, sagt übrigens nichts über mein Jahr aus. 😉

Und hier noch mehr tolle Musik, die es aber knapp nicht auf das obere Bild geschafft hat. Auch hier gilt: Alle Platten wurden auf diesem Blog vorgestellt und besprochen.
Das beste Werk aus der Schweiz war für mich die EP von Moscow Mule.

Weitere Alben-2014_Mbohli