Beatastic

Beatastic – 40 Moons Project (2017)

Doppelalben mit grossem Ambition und noch mehr Meinung und Sichtweise, wer wagt sich in der heutigen, sehr schnelllebigen Zeit noch an so etwas? Nicolas Pierre Wardell, der Musiker und das alleinige Mitglied von Beatastic zum Beispiel. Der Künstler aus Brighton hat sich nach diversen EPs und Veröffentlichungen dazu entschieden, seine Energie und musikalische Kraft zu bündeln und mit „40 Moons Project“ eine Platte zu kreieren, die den grossen Vorbildern wie My Bloody Valentine oder The Smashing Pumpkins in Nichts nachsteht. Wahnsinn oder Genialität?

Diese Frage stellt sich eigentlich gar nicht, denn wie in den meisten Kunstformen liegen auch in der Musik die beiden Extreme oft auf derselben Note. Und auch beim Album erhält man somit also klare Shoegaze-Rocker wie „The Quiet“ oder ausufernde Experimente mit World-Einfluss wie bei „Sun/Sky/Sea/Sand“. Beatastic hat aber in den letzten Jahren seine Form klar gefunden und liefert auch mit „40 Moons Project“ Lieder, die immer etwas melancholisch, düster und voller Gitarrenwände zwischen New Wave, Grunge und Psychedelic umherwandern. Klar, nicht alles geht gleich sauber auf bei 20 Songs, muss es aber auch nicht.

Beatastic scheitert weder an der misslichen Weltlage, der pessimistischen Zukunftsperspektive, noch an der Aufgabe, die Hörer während der gesamten Spielzeit zu unterhalten. „The World Is Crazy Now“ heisst es früh im Werk, doch mit Alben wie diesen wird alles machbarer. Denn wenn ein einzelner Musiker eine solche Platte stemmen kann, dann sollten wir gemeinsam auch die Welt verbessern können. Und im Hintergrund schwirren dazu Gitarrenwände umher, pochen hallende Drums und knurren die Bässe.

Anspieltipps:
The Quiet, Sun/Sky/Sea/Sand, Moona, Anger

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Beatastic – I am disgusted by what happened this year and I don’t see how it can possibly get any better (2017)

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Beatastic – I am disgusted by what happened this year and I don’t see how it can possibly get any better
Label: Eigenveröffentlichung, 2017
Format: Download
Links: FacebookBandcamp
Genre: Shoegaze

2016 war in vielerlei Hinsichten ein nicht sonderlich schönes Jahr, eher sogar entmutigend. Somit war es keineswegs erstaunlich, dass man um den Jahreswechsel im Internet sehr viele negative Botschaften fand. Nicolas Pierre Wardell hat jedoch diese dunkle Energie nun in düstere, aber nicht hoffnungslose Musik umgewandelt. „I am disgusted by what happened this year and I don’t see how it can possibly get any better“ hat nicht nur einen alles sagenden Titel, die neuste EP von Beatastic besticht auch mit tollen, klanglichen Einfällen.

Grundsätzlich macht der Künstler bei den vier neuen und thematisch zusammenhängenden Liedern nicht viel anders. Weiterhin ist die Musik eine reizvolle Mischung aus Shoegaze, Grunge und Indie – zwar etwas dumpf im Klang, aber dank der Gitarren sehr eindringlich. Beatastic legt seine Musik vor allem auf emotionale Wirkungen an, immer wieder gibt es aber wunderbare Experimente zu hören. So erklingen beim ersten Song „Nothing Will Be The Same Next Year“ ein Tabla und eine östliche Flöte, dann wieder übernimmt die Elektronik die Stücke. Rhythmisch immer treibend sind die Lieder graue Flecken am Himmel – aber vor allem die Botschaft zählt hier.

Beatastic will mit dieser neuen EP seinem Unmut Luft machen, den Menschen eine neue Perspektive bieten und uns Hörer dazu bringen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Zwei einfache Schritte sind dazu nötig: Erstens wehre dich gegen Ungerechtigkeiten und kämpfe dagegen an. Und gehe zweitens als handelnder Bürger voran und versprühe positive Energie. Schön zu sehen also, dass die Menschen nie aufgeben werden und auch die Klangwelten weiterhin für Gutes benutzen. Da verzeiht man auch gewissen Unebenheiten in der Musik.

Anspieltipps:
Nothing Will Be The Same Next Year, Become One Of Them, Act On It

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Beatastic – Staticity (2016)

Beatastic Staticity

Beatastic – Staticity
Label: Eigenveröffentlichung, 2016
Format: Download
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: Shoegaze, Rock

Fanfaren, wuchtige Akkorde und Glockengeläut – Beatastic starten nicht zurückhaltend in ihr neustes Album. Was nach „Alpha“ folgt, verdient aber auch einen solchen Empfang, weiss der englische Künstler Nicolas Pierre Wardell schliesslich im Alleingang diverse Stilrichtungen und Spielarten zu einer neuen Form zusammenzufügen. Nach drei mit Ziffernreihen betitelten EPs stellt „Staticity“ wieder ein längeres Klangerlebnis aus seiner Feder dar. Was kompositorisch gleich wieder verzückt, muss leider auf technischer Seite fast zu viele Einbussen erdulden.

„Staticity“ zeigt mit den ersten Liedern aber gleich wieder die vertraut krachenden Gitarren, die begleitenden Synths und das oft wilde Schlagzeug. Wardell nimmt sich aus dem dreckigen Rock die Schludrigkeit, den Stolz des Indies, die Tiefe des Grunge und das dichte Träumen aus dem Shoegaze. Diese Vielfalt hört sich bei Liedern wie „This Hell“ einfach nur faszinierend an – es kratzt und wehrt sich, ist aber trotzdem voller wohlklingender Töne, die man ausgraben kann. Schade allerdings, dass diese tollen Ideen im Songwriting oft in der etwas zu schwachen Produktion untergehen. Manchen Stücken fehlt der nötige Druck, Wände sind eher Leichtbau und das Schlagzeug klingt billig.

Beatastic wirft sich damit leider einen etwas zu grossen Ast ins Getriebe, denn es ist weiterhin beeindruckend, wie schnell und gut Wardell Lieder und Alben raushaut. „Staticity“ bleibt aber leider oft zu stark auf Distanz zum Hörer. Das merkt man auch bei „Hiroshima“, der klanglichen Verarbeitung des Atombombenabwurfs. Zwar spielt der Künstler mit asiatischen Mustern, verliert sich aber dann doch wieder zwischen mässigem Gesang und flachen Klangkurven. Aber trotzdem, Beatastic anzuhören ist immer überraschend und interessant – auch auf Albumlänge. Und via Bandcamp praktisch gratis.

Anspieltipps:
A Secret Order, This Hell, Your Garden Of Deceit

Beatastic – 03 3003 03030 3 (2016)

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Beatastic – 03 3003 03030 3
Label: No Label, 2016
Format: Download
Links: Bandcamp, Facebook
Genre: Shoegaze, Alternative, Indie

German below.

People are looking for patterns, repetition and closure everywhere and in everything . Thus quickly established an unwritten law that trilogies are to function like the following: Part 1 is the opening, the soft start. Part 2 is the collapse, everything is gloomy. Part 3 then the positive resolution and closes the circle. Beatastic from England do not care about such practices and slap us with „03 3003 03030 3“ , their third EP. A record that revels in the dark but still beautifully glistens.

As with its predecessors, the band mixed in these four songs meekness with earthly pressure and a foggy appearance. Nico plays with moods and motifs and dares to continue to loosen shoegaze with various genres. Whether with voluptuous melodies of Indie or the gruffness of the Alternative: In his hands everything will be connected to guitar tracks and be painted in dark red. „L’avenir“ starts the disc as long and huge wildling. The music seethes untamed, the piece rears up again and shines with effectively processed guitar tracks. In such moments Beatastic are fantastic, you formally into a world made out of sound. The lightness finds its way back to „03 3003 03030 3“ with the following songs. „Swallod By The Sands“ charmes with a chorus that invites you to sing along and with wonderful melodies.

With the final „The Code“ the musician gets even a bit laconic, calms down and seems to be at peace with himself. Thus Beatastic still form the conciliatory circle of a trilogy. The music no longer sounds like hot boiling lava, but like a river that flows steadily through the countryside. Whether yet another part of this EP series will follow is not clear, but the project has fully risen and „03 3003 03030 3″ would be a great finly. Perhaps the artist dares next to a larger project. Talent and ideas are plentiful.


Wir Menschen suchen überall und in allem Muster, Wiederholungen, Halt. Somit etablierte sich schnell ein ungeschriebenes Gesetz, dass Trilogien nach folgendem Muster funktionieren sollen: Teil 1 ist die Eröffnung, der sanfte Beginn. Teil 2 ist der Zusammenbruch, alles wird düster. Teil 3 dann die positive Auflösung und der runde Abschluss der Geschichte. Beatastic aus England pfeifen aber auf solche Gepflogenheiten und knallen uns mit „03 3003 03030 3“ eine dritte EP rein, die in der Dunkelheit schwelgt – aber trotzdem wunderschön glitzert.

Wie schon bei den Vorgängern mischt die Band auch bei diesen weiteren fünf Liedern Sanftmütigkeit mit Druck und Nebel. Nico spielt mit Stimmungen und Motiven und wagt es weiterhin, den Shoegaze mit diversen Genres aufzulockern. Egal, ob mit schwelgerischen Melodien des Indie oder der Ruppigkeit des Alternative: Unter seinen Händen wird alles mit Gitarrenspuren verbunden und dunkelrot angemalt. „L’avenir“ startet die Scheibe als langer und riesengross wirkender Wildling. Die Musik brodelt ungezähmt, das Stück bäumt sich immer wieder auf und glänzt mit den effektvoll bearbeiteten Gitarrenspuren. In solchen Momenten funktionieren Beatastic fantastisch, man versinkt förmlich in der Klangwelt. Die Leichtigkeit findet aber mit den folgenden Liedern wieder nach „03 3003 03030 3“ zurück. So bezirzt „Swallod By The Sands“ mit einem Refrain, der zum mitsingen einlädt und mit einer wunderbaren Melodienführung.

Mit dem abschliessenden „The Code“ wird der Musiker gar lakonisch, beruhigt und scheint mit sich im Reinen zu sein. Somit formen Beatastic doch noch den versöhnlichen Kreis einer Trilogie. Die Musik klingt nicht mehr wie heiss brodelnde Lava, sondern wie ein Fluss, der stetig durch die Landschaft fliesst. Ob noch ein weiterer Teil dieser EP-Reihe folgen wird kann man nicht sagen, das Projekt ist aber vollends aufgegangen und würde hier einen tollen Schlusspunkt finden. Vielleicht wagt sich der Künstler als nächstes an einen grösseren Wurf. Talent und Ideen sind genügend vorhanden.

Anspieltipps:
L’avenir, Swallowed By The Sands, The Code

Beatastic – 02 2002 02020 2 (2015)

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Beatastic – 02 2002 02020 2
Label: No Label, 2015
Format: Download
Links: Bandcamp, Facebook
Genre: Shoegaze, Alternative

German below.

When guitar melodies flicker like air over hot ground and songs take you into dreamy worlds, then we are knee deep in Shoegaze. A genre full of effects and beautiful noises in which musicians and listeners lose themselves at the same time and a style that gained new fame in recent years. Beatastic from Brighton however venture beyond the known fields. They welcome Grunge, Indie and Electronica into the style with their new EP „02 2002 02020 2“.

The group gets going with „Butterflies“, music buzzes in the air, builds steadily on and leaves the surface statically loaded. Guitar riffs cut through the melodies and sound waves mingle with song structures. Synths and strings are one, the alienation of tones keep advancing. Beatastic never lose themselves in the experiment despite the opportunities and keep the songs in good health. Shoegaze that is dirty, songs that do not sound clinically clean – one finds specks of dust or mud in the music. Again and again the band goes for liberating euphony and the sun shows up behind the tracks. „Try Harder“ seduces with incredibly good guitar work and a driving drum. The song is a real highlight and makes this great EP even better. Beatastic know exactly when a songs needs to wander for minutes and when it should get tot the point very quickly.

People who find imperfection in music more attractive than the smooth and exaggerated euphony will find a wonderful extension of their collection in the latest EP from Beatastic. „02 2002 02020 2“ makes you relax with your eyes closed without dropping you into frosting. We may hope for the soon continuation of this series of publications from this interesting band.


Wenn die Gitarrenmelodien flimmern wie Luft über dem heissen Asphalt und Lieder zu verträumten Welten werden, dann befinden wir uns tief im Shoegaze. Eine Musikrichtung voller Effekte und Rauschen, in der sich Musiker und Hörer zugleich verlieren, und die in den letzten Jahren wieder Aufwind gewann. Beatastic aus Brighton, England wagen sich allerdings weiter als an die bekannten Fixpunkte. Mit ihrer neuen EP „02 2002 02020 2“ begrüssen uns Grunge, Indie und Electronica.

Wenn die Gruppe mit „Butterflies“ loslegt, dann schwirrt die Musik in der Luft herum, baut sich stetig auf und lässt die Oberflächen statisch geladen zurück. Schneidende Riffs durchbrechen die Melodien und Klangteppiche vermengen sich mit den Strukturen. Synths und Saiten werden eins, die Verfremdungen der Töne halten Vormarsch. Beatastic verlieren sich trotz den Möglichkeiten nie im Experiment und halten die Lieder im Zaum. Der Shoegaze rumpelt, die Lieder müssen nicht klinisch daherkommen. Man findet Staubkörner oder Erdresten, Dreck haftet den Songs an. Immer wieder wird man aber erlösend zum Wohlklang geführt und die Sonne zeigt sich. „Try Harder“ verführt mit unglaublich guter Gitarrenarbeit und treibendem Drum. Das Lied ist ein wahres Highlight und macht die tolle EP noch stärker. Beatastic wissen genau, wann ein Stück minutenlang umherwandert und wann es schnell zum Punkt kommen soll.

Für Menschen, die Imperfektion in der Musik immer attraktiver fanden als der glatte und übertriebene Wohlklang, die finden bei der neusten EP von Beatastic eine wunderbare Erweiterung ihrer Sammlung. „02 2002 02020 2“ eignet sich zur Entspannung bei geschlossenen Augen, ein Genuss ohne an Zuckerguss zu ersticken. Gerne darf man gespannt auf die Fortsetzung dieser Veröffentlichungsreihe hoffen.

Anspieltipps:
Butterflies, Try Harder, Stop Crossing Oceans