Beat

The Green Flamingos – The Southern Oracle (2017)

Der werte Herr Dali hätte seine wahre Freude am Covermotiv von „The Southern Oracle“, ist das Bild doch eine Zeichnung zwischen surrealistischen Fantasien und optischen Farbtäuschungen. Und genau in dieser Mischmenge versucht sich auch das erste Album der Genfer Gruppe The Green Flamingos zu platzieren. Die Band um Sängerin Yoanna Claquin hat sich für den Langspieler nämlich vom Blues entfernt und viel Beat und Psychedelica in ihre Musik geschüttet.

Toll ist dabei, dass sich The Green Flamingos für Songs wie „Up And Away“ oder „Beware“ nicht auf eine Armada von Effektgeräten und Nachbearbeitungen verlassen, sondern ihre Musik handgemacht und wunderbar rau im Raum stehen lassen. Wer benötigt schon Overdubs und Klangwände, wenn einzeln gespielte Spuren effektiver sind?  „The Southern Oracle“ lebt somit von einem Gefühl, das sich die Attraktivität aus den Sechzigern holt und den damaligen Elan auf heutigen Psychedelic Pop überträgt. Das darf kratzen („Rome Is Burning“) oder romantisch schwingen („The Last Sinner“), ungemütlich wird es nie.

Schade ist dabei nur, dass sich The Green Flamingos somit etwas zu sanft durch die tiefen Wasser der bewusstseinsveränderten Musik bewegen. Zwar sind Keyboard und Bass immer wieder für herrliche Momente zuständig, als Ganzes wirkt „The Southern Oracle“ aber oft etwas zahm. Klar, hier geht es eher um die zärtlichen und eingängigen Momenten als den Krawall, zu oft verschwindet die Platte aber etwas im Hintergrund. Für ein Debüt ist der Gruppe hier aber bereits eine gut tanz- und träumbare Scheibe gelungen.

Anspieltipps:
Up And Away, The Rush Kicks In, The Last Sinner

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Samantikus – Pattern (2016)

samantikus_Pattern

Samantikus – Pattern
Label: Eigenveröffentlichung, 2016
Format: Download
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: Instrumental, Hip-Hop, Beat

Gemütlich ging Jamie XX eines Tages im Park spazieren, die Sonne schien ihm ins Gesicht und frische Melodien kreisten ihm im Kopf herum. Auf seinem Weg durch den Tag traf er auf den jungen Amon Tobin, der sich nicht nur seinem Pfad, sondern auch den Beats anschloss. Gemeinsam hüpften sie nun fröhlich durch die Soundwiesen und besuchten die 90er Jahre, aktuelle Electronica und glitchten sich durch die gewollten Löcher. Und ohne, dass dabei Gesang erklingt, fühlt man sich während 14 Tracks wunderbar unterhalten.

Natürlich steckt hinter „Pattern“ nicht ein weltbekannter Tüftler, sondern der junge und frische Samantikus. Ein Musiker und Produzent aus der Kleinstadt Zofingen, der bereits bei diversen kleinen Talenten für Erweiterung und Untermalung sorgte. Mit seinem ersten kompletten Album bietet er uns nun eine Platte an, für die er scheinbar mühelos instrumentale Lieder aus dem Ärmel geschüttelt hat. „Pattern“ ist zwar ein Debüt, man spürt aber zu jeder Sekunde die vielen Erfahrungen und Überlegungen, die eingeflossen sind. Dieser Mann kennt sich mit seiner Musik aus – trotzdem ist es wundersam, dass hier alles durch Samantikus eingespielt und komponiert wurde. Funk und Hip-Hop reissen Keyboardformen an sich, Beats und Harmonien verbiegen den Pop. Daneben gesellen sich entspannte Akkorde zu den Melodien und nicken im Takt – alles findet sich auf dem gemütlichen Fest ein. Die Tracks auf „Pattern“ sind derweil doppelt gewichtet: Auf der einen Seite wunderbare Instrumentals, die in sich aufgehen und in ihrer Kürze Spannung und Dichte vorweisen. Andererseits aber auch die perfekte Grundlage für würzigen Rap, waghalsigen Gesang und tolle Textzeilen. Wer weiss, vielleicht wagen sich ja Künstler an diese Grundstrukturen und erstellen „Traces – Pattern 2“.

Samantikus erheitert uns die Tage mit seinen Beatspielereien und hat einen wundervollen Erstling geschaffen. Die Lieder sie nie langweilig und funktionieren wunderbar ohne Gäste oder MCs, die Strukturen versprechen eine unbekümmerte Herangehensweise an die Musik und viel Hintergrundwissen. Erstaunlich, dass mit Samantikus schon wieder ein Talent aus dem Aargau erscheint und viel Neues zu sagen hat. Was wird uns wohl als nächstes erwarten?

Anspieltipps:
Samuca, Lovely Peaces, Sunnyshining