Australien

Pretty City – Colorize (2017)

Band: Pretty City
Album: Colorize
Genre: Rock

Label/Vertrieb: Gaga Didi
VÖ: 27. Oktober 2017
Webseite: prettycityband.net

Melt” solltet ihr ja bereits alle kennen, denn wir hatten die Ehre, dieses wunderbare Lied bei uns als Premiere vorzustellen. Pretty City, eine immer noch sehr frische Band aus Australien, eröffnet damit nicht nur ihr erstes Album “Colorize” – sie gewinnen auch gleich alle Herzen. Denn obwohl man ihre Musik etwas lakonisch unter dem Begriff Rock zusammenfassen kann, leben ihre Stücke von vielem mehr als nur breitbeinig gespielten Riffs und leergetrunkenen Bierdosen. Hier gibt es genauso viele Farben, wie die Gruppe auf dem Cover vorführt.

Obwohl diese Scheibe erst ihr Debüt darstellt, haben sich die drei Mannen seit fünf Jahren einen guten Ruf erspielt und bringen eine Vielzahl an Ideen mit. So trifft man hier nicht nur laute Gitarren und mitreissende Akkorde, sondern Zwischenspiele mit im Hall versinkendem Klavier, Melodien, die im Psychedelic Pop davontreiben und die wunderbar arrogante Attitüde des Britrock. Dazu spielen Pretty City gerne mit ihren Effektgeräten und verleihen ihrer Musik eine verschwommene Note – perfekt, um mit der Musik umherzugleiten und sich in Liedern wie “Part Of Your Crowd” oder “Ignoring My Friends” zu verlieren.

Zu “Colorize” passt ein Songtitel perfekt: “Fun Machine”. Denn Pretty City werfen auf diesem Album nicht nur all ihre Stärken und eine extreme Ausstrahlung ins Feld, sondern spielen Stücke, bei denen man sich besser fühlt. Kein Wunder also, beginnt man die Platte an ihrem Ende gleich wieder von vorne und summt auch Tage später gewisse Melodien immer noch weiter. Wer sich also wieder einmal von direkter, aber nicht unverzierter Rockmusik beschallen lassen möchte, der findet hier elf verdammt gute Gründe.

Anspieltipps:
Melt, Part Of Your Crowd, Ignoring My Friends

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Robert Forster – Grant & Ich (2017)

 

Robert Forster – Grant & Ich
Verlag: Heyne Encore, 2017
Autor: Robert Forster
Seiten: 368, Hardcover
ISBN: 978-3-453-27133-3
Link: Goodreads

Es war nie einfach für die australische Band The Go-Betweens, ihre Karriere funktionierte wie ihr Name: Irgendwie zwischendurch und nie als aufsteigende Kurve, wie bei so vielen anderen Gruppen. Heute gilt das Duo Robert Forster und Grant McLennan zwar als geschichtlich wichtig und einer der stärksten Exporte Australiens, zu Zeiten ihres Bestandes schwammen die Musiker aber nie in grossen Seen voller Ruhm und Reichtum. Ihre Kreativität und schlichte Art brachte sie aber immer wieder zusammen und trieb die Maschine hinter der Band an. Egal ob zu zweit, im Verbund mit weiteren Musikern oder als Solokünstler – Songs wie „Lee Remick“, „Streets Of Your Town“ oder „Cattle And Cane“ verloren bis heute in keinster Weise ihre Strahlkraft.

Wobei es immer unsicher war, ob diese Kleinode des alternativen Pop-Rock überhaupt das Licht der Welt erblicken können. Nachdem sich die Band 1978 gegründet hatte, folgten Jahre von mühsamer Arbeit zwischen Labelwechsel, Musikerrotationen und kleinen Tourneen. 1989 wurde für The Go-Betweens dann alles etwas zuviel, die Leute gingen getrennte Wege – zumindest bist Forster und McLennan die Band 2000 reaktivierten. Mit vollem Elan und grosser Kreativität starteten die beiden den zweiten Frühling, durch den plötzlichen Tod von Grant McLennan wurde diese Phase aber zu schnell und brutal beendet. Was bleibt sind neun Studioalben voller Musik, die nicht nur Down Under verändert haben und der Beweis, dass Songwriter-Duos immer etwas magisches anhaftet.

Diese unkonventionelle Geschichte darf man aus den Augen von Robert Forster selber erleben, der literarische Songwriter hat mit „Grand & Ich“ seine Memoiren aufgezeichnet. In leichten Worten verfolgt er chronologisch die Begegnungen und Momente, welche aus jugendlichen Träumern wichtige Komponisten machte und lässt den Leser an vielen Geschehnissen teilnehmen. Forsters Art verhindert dabei, dass man zu lange bei den unschönen Punkten hängen bleibt und die Geschichte wirkt immer wieder mystisch. Im eigentlichen Sinne ist dieses Buch auch keine tiefgehende Biografie einer Band, sondern die Erzählung einer Freundschaft.

Und so müssen, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern über Bands, hier auch keine Skandale ausgeschlachtet werden, sondern es darf die Kreativität zweier Menschen und deren Blüten genossen werden. Das geschriebene Wort schwingt dabei so locker wie auch viele Songs von The Go-Betweens, manchmal fehlt aber etwas die direkte Hinterfragung und Konfrontation. Das Leben in dieser Band war bestimmt nicht immer einfach, dies spürt man aber wenig bei „Grant & Ich“. Für alle Freunde der etwas andersartigen Popmusik wird hier dennoch viel Unterhaltung geboten – da zeigte sich Nick Cave zu Recht begeistert.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Karnivool, Salzhaus Winterthur, 15-03-14

Karnivool-1-Live_MBohli

Karnivool
Support: Monuments
Samstag 14.03.2015
Salzhaus, Winterthur

Was für eine Woche: Es begann mit einer grossartigen Darbietung von Archive am Montag, fand ein rockiges und abwechslungsreiches Zwischenspiel im Gaswerk, und wurde nun mit einer umwerfenden Performance von Karnivool abgeschlossen. Und das schon wieder in Winterthur, die Stadt weiss einfach welche Bands man aufbieten muss. Da wage ich es auch hin, ohne die auftretenden Gruppen zu kennen, enttäuscht wurde ich bisher nicht.

Karnivool waren mir nicht gänzlich unbekannt, als Fan von Prog und komplexer Musik, las ich aber öfters über die Band aus Australien. Ein Album habe ich mir bis jetzt nicht gekauft, wieso auch immer. Dank mehreren Empfehlungen von Freunden wagte ich aber den Schritt ans Konzert, und war begeistert. Die fünf Mannen mischen ihre harte und schwierige Musik mit viel Melodie und einem wunderbaren Gesang. Frontmann Ian Kenny hat nicht nur eine starke Präsenz und ein gutes Gespür für den Umgang mit den Zuschauern, sondern auch eine variantenreiche und ausdrucksstarke Stimme. Seine Gesangsmelodien verbinden die abgefahrenen Rhythmen und Takten, und lassen die Songs fokussierter erscheinen. Gerade bei den Stücken vom neusten Album „Asymmetry“ ist dies hilfreich, denn Schlagzeug und Bass schlagen im Sekundentakt Haken und alles trifft neben dem Schlag. Die älteren Lieder wirken dagegen wie Pophymnen, mit viel Wucht und Mitsing-Potential. Gerade bei der Zugabe wurde darum lauthals mitgemacht und die Band war sichtlich erfreut. Karnivool zeugten nicht nur von extremem Talent, sondern viel Bühnenerfahrung und Ausdruck. Jetzt müssen die Alben her, schnell.

Auch Monuments aus England wussten, wie man die Leute anspricht. Der Sänger  (und Saxophonspieler) machte Komplimente, plauderte mit den ersten Reihen und zeigte sich glücklich, hier mit den Australiern auf Tour zu sein. Obwohl ihre Musik in die harten und brutalen Gefilden gehört, herrschte auch hier viel Harmonie vor. Der Metal-Core wurde mit einem Gefühl gemischt, dass mich oft an Incubus erinnerte, und viel Raum für Epik liess. Die Band behalte ich mir gerne im Hinterkopf.

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