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Obacht Obacht – Some Ghosts (2017)

Sich im eigenen Schlafzimmer gemütlich einkuscheln und entspannen, wer macht dies schon nicht gerne. Bei Tobias Rüetschi Zuhause in Frauenfeld wird aber fleissig gebastelt, gelärmt und aufgenommen. Unter dem Namen Obacht Obacht sorgt er alleine dafür, dass extrem entschlackter Alternative Rock tief in die Welten des Lo-Fi getaucht wird und minimalistisch an deinen Synapsen kratzt. Und um die Wartezeit zum zweiten Album zu überbrücken, gibt es mit „Some Ghosts“ nun eine introvertierte EP.

Die Musik wagt im Gegensatz zu den oft schwierig wahrnehmbaren und verhuschten Texten gerne mal den Schritt nach draussen und Obacht Obacht lässt seine Gitarre laut knurren und schwingen. „Monsoon Song“ gibt sich gar heissblütig mit Bluesriffs, meist bleibt es auf „Some Ghosts“ aber kühl und nahe am Krawall. So gibt „I Haunt This Place“ den zuerst unscheinbaren, dann aber tosenden Einstieg, „You’re My God, Man“ kapert die Psychedelica der Sechziger und stülpt ihr ein zerzaustes Kleid und lallende Rhythmen über.

Wenn sich Obacht Obacht also etwas aus seiner schützenden Höhle wagt, dann erreicht er fast das Kostüm, welches die Künstler des Garage-Trash gerne tragen. Die Lieder auf „Some Ghosts“ bleiben aber gerne da, wo Alleinesein und Stille ebenso viel bedeuten dürfen. Dass alle fünf Tracks dabei gleich übersteuert und verrauscht klingen, das ist schon fast Ehrensache.

Anspieltipps:
I Haunt This Place, Monsoon Song, You’re My God Man

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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The Shattered Mind Machine – Trilog (2017)

Zweimal Simon und einmal Kaya, 20 Minuten Improvisation und ein Ritt durch unzählige Unterarten des Rock. Mit „Trilog“ zeigen The Shattered Mind Machine aus Kloten, dass auch die Jugend immer noch gerne im Untergrund verweilt und sich von den legendären Rocknamen nicht die Allüren, sondern die musikalische Furchtlosigkeit abgeschaut hat. Live aufgenommen und mit eher primitiven Methoden festgehalten, ist dieser Track ein wahrer Trip.

Man muss sich zuerst schon etwas an den dumpfen Klang gewöhnen, allerdings beweisen The Shattered Mind Machine schnell, dass auch eine solche Aufnahme ohne grosse Dynamik der Musik nicht abträgig sein muss. „Trilog“ wandert von der ersten Minute an über lange Riffs, wuchernde Perkussionsfelder, mysteriös gemurmelte Strophen und kosmisch anmutende Arrangements. Die Band, welche seit 2015 herumexperimentiert, hat sich hier eine hübsche Portion Acid-, Stoner- und Psychedelic-Rock gebacken.

Ein Jam muss nicht ziellos sein, das zeigt „Trilog“ auf tolle Weise. Denn obwohl hier alles ohne grosse Absprachen vonstatten ging, wirkt der Longtrack schlüssig und wie eine geschickt ausgewählte Einführung in die eher kaputten Stilrichtungen der Gitarrenmusik. The Shattered Mind Machine mögen noch nicht so weit um bekannt sein, klanglich fliegen sie aber bereits wie grosse Stahlvögel um die Erde.

Anspieltipps:
Trilog

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.