Alte Kaserne

Live: Leech, Alte Kaserne Zürich, 14-09-26

Leech_Live_MBohli

Leech, Support: Marblewood und Glaston
Freitag 26.09.2014
Alte Kaserne, Zürich

Eine Band aus der Umgebung Zofingen lässt ihr Gitarren singen und Zürich erscheint, eigentlich erstaunlich. Doch bei Leech spielt es langsam keine Rolle mehr wo (im geografischen Sinn) ihre Konzerte statt finden, die musikalische Qualität hat einen sehr guten Ruf und das zu Recht. Denn mit ihrem instrumentalen Postrock haben sie sich als eine der besten Bands in der Schweiz positionieren können und begeistern auch dann, wenn sie nur ein Konzert im Jahr geben und dies sogar mit Gast-Schlagzeuger bestreiten.

Einer ganz anderen Herausforderung mussten sich zu Beginn des Abends aber die jungen Zürcher Leute von Glaston stellen. Der Auftritt in der alten Kaserne war ihr allererster, mehrere Wochen vor der offiziellen EP-Taufe. Ein wenig war ihnen die Nervosität dann auch anzumerken, sie verfügen aber jetzt schon über genügend Professionalität um ein Konzert ohne grosse Pannen zu bestreiten. Die Musik ist instrumental gehalten und bewegt sich im Fahrwasser von Prog und Post-Rock. Zusammengehalten vom Schlagzeuger sind ihre Stücke vielfältig und erfreuen mit spannenden Wechsel. Ein Name den man sich merken muss, auch wenn die Lieder teilweise noch Feinschliff benötigen.

Marblewood aus Zürich sind ganz klar routinierter, lieferten hier als zweite Band somit auch einen bodenständigen Auftritt ab. Für mich war ihr stark psychodelischer und jamhafter Bluesrock dann aber doch zu langatmig. Sicherlich ist es löblich, dass die Band ihre Songformate live sprengt und wie im Bandraum spontan ausweitet. Doch wenn die Stücke dann minutenlang vor sich hin blubbern wurde es mir etwas zu langweilig. Ihre Instrumente beherrschen die Typen und Bassistin aber sehr gut, auch die Keyboard-Begleitung fügte sich gut ins Rockbild ein.

Das Problem der Langeweile kennen Leech nicht. Auch wenn viele Lieder von ihnen die Marke der magischen zehn Minuten überschreiten, bleibt es immer packend und mitreissend. Gitarrenwände wecken jeden auf der in der gemütlichen Sofaecke döst, alle Köpfe bewegen sich im Takt. Wenn die Songs nicht von melodiäsen Orgeln und Synthies bestimmt werden, regieren die harten Riffs. Somit driftet die Band gerne auch in harte Gebiete ab, Post-Metal könnte man fast sagen. Das dazu gewisse Zuschauer erfreut ausrufen, „die können einfach alles“, wird von meiner Seite ganz klar unterstrichen. Da die Band momentan kein neues Material vorweisen kann, wurden alte Klassiker und Hits gespielt. Besonders die aktuellen Alben „The Stolen View“ und „If We Get There One Day…“ wurden stark beachtet, kein Wunder, schliesslich sind hier meiner Meinung nach auch die besten Songs drauf. Egal ob Turbolina, The Man With The Hammer oder Totem And Taboo, das Publikum feiert die Band und gröhlt und klatscht. Die Musik transportiert die Emotionen extrem gut und dank den treuen Konzertbesuchern muss hier Niemand überzeugt werden. Was zu hoffen ist, dass die Band bald ein neues Album und eine längere Tour ankündigt. Dann wohl ohne Gast-Drummer Alessandro Giannelli, der aber seine Arbeit mehr als super erledigte. Wer die Umbesetzung nicht mitgeteilt bekam, dachte er spiele seit eh und je bei Leech. Alles in allem war es somit ein hammer Abend mit grossartiger Schweizer Musik. Und da soll noch einer sagen, die Schweiz kann nur Mist wie Baschi oder Plüsch vorweisen.

Marblewood_Live_MBohli  Glaston_Live_MBohli

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