Airbag

Bjørn Riis – Forever Comes To An End (2017)

Bjørn Riis – Forever Comes To An End
Label: Karisma Records, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Künstler
Genre: Art-Rock

Wenn es einen Mitarbeiterpreis für den am schwersten arbeitenden Gitarristen unter den Musikern gäbe, mit „Forever Comes To An End“ hätte sich Bjørn Riis diesen auf jeden Fall verdient. Und ein solches Diplom würde sich bestimmt neben all den Fanpostern an den Wänden im Studio gut machen – denn auch mit seinem zweiten Soloalbum zeigt der Gitarrist von Airbag, dass er aus lebenslangen Inspirationen wunderbare Art-Rock-Songs schneidern kann. Natürlich immer voller Saitenzauber und sphärischen Wirkungen.

Es wird schnell klar, dass in Stücken wie „The Waves“ oder dem Titellied eine grosse Anzahl von guten Geistern lauert. Bjørn Riis lässt harte Riffs erbeben wie bei Porcupine Tree oder Black Sabbath, gleitet dann aber auch auf wohlklingenden Wellen wie bei Pink Floyd oder Marillion über die schlafenden Landschaften. „Forever Comes To An End“ ist also nicht nur die träumerische Weiterführung bekannter Traditionen, sondern auch die Demonstration der technischen und künstlerischen Fähigkeiten des Musikers.

Wenn man zwischen Keyboardflächen und Akkordwechseln eintaucht, dann muss man sich nie Sorgen um Luftmangel machen. Die Kompositionen von Bjørn Riis haben viel Freiraum und erdrücken den Hörer nicht mit wichtigtuerischem Abgrasen von Griffbrettern. Viel mehr geben sich atmosphärische Höhenflüge und Stakkato-Angriffe zärtlich die Hand und freuen sich auch, wenn in Liedern wie „Where Are You Now“ Gesang erklingt. Das tut dem meist instrumental gehaltenen Album sehr gut und verleiht dem Auftritt eine tiefere Ebene. Somit ist das Werk bereits nach wenigen Durchgängen nicht nur für Gitarristen eine wundervolle Meditation.

Anspieltipps:
Forever Comes To An End, The Waves, Where Are You Now

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Airbag – Disconnected (2016)

Airbag - Disconnected

Airbag – Disconnected
Label: Karisma Records, 2016
Format: Download
Links: Bandcamp, Band
Genre: Art-Rock

Je mehr wir uns in virtuelle Realitäten und Geräte einloggen, desto stärker verlieren wir unsere Verbindung zur echten Welt. Ein Thema, das Autoren und Künstler schon lange beschäftigt und nun auch von der norwegischen Art-Rock Band Airbag angegangen wird. Für ihr neustes Album gelangen der Gruppe somit angenehme Parallelitäten von Konzept und Musik, fühlte man sich bei den sphärischen Songs doch schon immer komplett losgelöst von Sorgen und Schwerkraft. Diese Stimmung erlebt man auch auf „Disconnected“ – schön ist aber, dass sich die Band nun mehr öffnet.

„Killer“ zeigt gleich am Anfang auf, dass Airbag ihr strenges Kostüm etwas gelockert haben und nun vermehrt mit anderen Stilrichtungen experimentieren. Der schwelgerische und gitarrenbetonte Aufbau der Stücke bleibt zwar erhalten, man entfernte sich aber etwas von den grossen Vorbildern. Sicherlich, die Vergleiche zu Pink Floyd drängen sich immer noch auf – neu könnte man aber auch Porcupine Tree oder U2 zitieren. Etwas strengere Takte, härter angeschlagene Gitarren und eine wildere Stimmung kommen auf. Airbag haben den alternativen Rock angekratzt und „Disconnected“ somit songdienlicher gestaltet. Über allem thronen aber weiterhin die gefühlvollen Melodien, Keyboardflächen und ganz viel Echo.

Jedes Lied auf dem Album zeigt eine andere Figur mit seinen Schwierigkeiten im Leben auf. Dass dabei keine fröhliche Musik entstehen kann ist klar, doch diese hübsche Melancholie stand der Band schon immer gut. Airbag holen den Hörer direkt im Herzen ab und berühren mit Liedern wie „Sleepwalker“ schnell. Das Album ist in seiner Form zuerst unscheinbar und langsam, der Band gelingt es aber mit diesen Mitteln Musik zu erschaffen, die alle Ebenen anspricht. Emotionell und intellektuell – geschmackvoll und angenehm.

Anspieltipps:
Killer, Sleepwalker, Disconnected