1996

Manic Street Preachers – Everything Must Go (1996)

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Manic Street Preachers – Everything Must Go
Label: Epic, 1996 / 20th Anniversary Edition Sony, 2016
Format: 2 CDs und DVD in Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative Rock, Indie

Es waren die besten Zeiten, es waren die schlimmsten Zeiten – und nun ist dies bereits wieder 20 Jahre her. Wir haben fast alle überlebt, die Welt ist immer noch voller Graustufen. Sie spielen immer noch, doch am stärksten glänzen die Momente von damals. Sie versetzen uns in nachdenkliche Stimmung und lösen wieder die Emotionen aus, die wir vermissten. Und auch 2016 ist die Geschichte hinter „Everything Must Go“ bewegend – das vierte Album der Manic Street Preachers hat immer noch viel zu erzählen und wird darum neu aufgelegt.

Dies hat schon seine Berechtigung, denn Lieder und Hits wie „Kevin Carter“, das Titelstück und natürlich „A Design For Live“ sind immer noch unwiderstehliche Ohrwürmer. Auch wenn die Manic Street Preachers mit dieser Platte damals den Weg von wilden Gitarreneskapaden zu Hitparade-tauglichen Alternative-Stücken fanden und viele Leute überraschten, ist das Album ein perfekt eingefangener Moment. Es herrschen immer noch die Riffs, verneigen sich aber vor den Gesangsmelodien und akustischen Untermalungen. Was vielleicht nicht ganz in den Bereich des Indie gehört, hat den normalen Rock aber schon lange verlassen – für etwas besseres. Inhaltlich waren die Prediger noch nie genügsam und konform, mit „Everything Must Go“ wagten sie aber den grossen Schritt in die soziale und politische Kritik. Ohne zu stolpern wurden die Texte tiefgründiger und auch anklagender – ein Schritt, der nach dem Verschwinden von Gitarrist und Lyriker Richey Edwards nötig war. Es finden sich zwar noch letzte Dichtungen von Edwards, das Kerntrio musste aber die Arbeit ohne ihn bewältigen.

Glücklicherweise gelang es den Manic Street Preachers die Band weiterzuführen, ihre Musik neu auszurichten und an die Zukunft zu glauben. „Everything Must Go“ ist ein Manifest von drei Musikern, die nicht aufgeben und trotz allen Rückschlägen an das Gute glauben. Die rockigen und lebendigen Lieder sind bis heute betörend, wichtig und aktuell. Darum feiern wir nicht nur alle den 20. Geburtstag der Platte, sondern rücken wieder näher zusammen. Und wem dies nicht reicht, die Neuauflage bietet einen 20 Lieder langen Livemitschnitt aus dem NYNEX.

Anspieltipps:
Kevin Carter, Everything Must Go, Interiors (Song For Willem De Kooning)

Bill Flanagan – U2 At The End Of The World (1995)

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Bill Flanagan – U2 At The End Of The World
Verlag: Delta, 1996
Autor: Bill Flanagan
Seiten: 544, Paperback
ISBN: 9780385311571
Link: Goodreads

„Rarely has a rock biography been as insightful or as much fun. It reads like a James Joyce-meets-Hunter Thompson novel. It’s the literary equivalent of the Zoo TV tour–a brash, ambitious marathon with a momentum all its own.“– Boston Globe

Als Fan einer Band über genau diese Menschen ein Buch zu lesen, das hat immer etwas Spezielles. Gerade bei U2 ist für mich jede Info und jede noch so kleine Geschichte interessant – besonders wenn sich die Texte über ihr kreatives Schaffen und die Arbeitsprozesse drehen. Das Buch „U2 At The End Of The World“ ist aber mehr als das, es ist eine der besten Rock-Biografien aller Zeiten, die es schafft, Konflikte, Erfolge und Meinungen wundervoll in einem vergnüglichen Text zu kombinieren. Das Buch fesselt von der ersten Seite an und wird nie langweilig.

Bill Flanagan zeichnet nicht nur eine intime Momentaufnahme zur Zeit von „Achtung Baby“, „Zoo-TV“ und „Zooropa“ – sondern hinterfragt die Ansichten, Stellungen und Entscheidungen der Band. Sei dies nun in ihren Texten, Videos oder Treffen mit berühmten Persönlichkeiten – alles erhält genügend Raum um Analysen zuzulassen und auch Skeptiker aufzuzeigen, dass hinter den Tätigkeiten von U2 doch viel mehr lauert, als so manche vermuten. Flanagan springt dabei gerne mal in der Chronologie umher, kombiniert Erinnerungen der Musiker mit aktuellen Wendungen und erschafft die Rockband als schillerndes Bild neu. Gastauftritte von Pearl Jam, REM, Salman Rushdie oder Naomi Cambell bieten differenzierte Meinungen und Blicke auf U2 und deren Verhalten.

Man begleitet die Band durch Aufnahmestudios, über Konzertbühnen, in Clubs und Bars – erlebt Streit und Schmerz, Jubel und Erfolg, sowie immer währende Skepsis. Wie kann man als Konstrukt U2 seinen Erfolg mit den eigenen Ansprüchen verbinden? Wie kann man als Musiker ehrlich und tolerant bleiben, gleichzeitig aber die Dekadenz und den Überfluss ausleben? All dies vermengt sich zu einem faszinierenden und packenden Buch und macht mit jeder Seite Lust U2 ab Platte, DVD und Bühne zu geniessen. Bravo Herr Flanagan, und danke U2, dass ihr ein solch ehrliches und detailliertes Portrait zugelassen habt!

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