Burrows, Terry – MUTE, die Geschichte eines Labels (2017)

Nicht nur die Musik macht aus einem Label das, was wir wahrnehmen und ins Herz schliessen. Spannend ist der Umgang mit Produzenten von Platten doch immer dann, wenn eine direkte Kommunikation mit dem visuellen Erscheinungsbild stattfindet. Doch wie klar wird eine solche Linie, wenn sich ein Label über 40 Jahre im sehr wechselhaften Geschäft der populären Musik befindet? Erstaunlich stringent in seiner Vielfalt und handgemachten, experimentalen Darstellung – wie „Mute – Die Geschichte eines Labels“ von Terry Burrows und Daniel Miller nun in bunter Pracht darlegt.

1978 in England von Daniel Miller gegründet, wurde aus dem kleinen DYI-Label schnell ein grosser Name für Musik aus dem Bereich Post-Punk, New Wave und Synthie-Spässe. Weltbekannte Namen wie Depeche Mode, Nick Cave & The Bad Seeds, Fad Gadget, Goldfrapp oder Moby durften hier früh ihre ersten Schritte wagen und prägten mit ihrer Musik viele Kindheiten. Die dazugehörigen Covermotive, Single-Designs oder Plakate wurden teilweise ikonisch und lassen sich nun in „Mute – Die Geschichte eines Labels chronologisch entdecken. Terry Burrows begleitet die Evolutionen, Versuche und Mutationen der bildnerischen Gestaltung mit informativen Texten und erklärt damit so einige Rätsel.

Das beste an „Mute – Die Geschichte eines Labels“ ist aber, wie liebevoll und offen mit dem Material umgegangen wird. Man erhält als Leser Einblicke in die Entstehungsprozesse der Designs, darf zwischen frühen Entwürfen und nicht verwendeten Skizzen blättern und sogar alle Tochterlabels begrüssen. In klarem Layout und auf über 300 Seiten wird hier also die Musikgeschichte noch einmal herrlich aufgezeichnet und bietet für Techno-Freaks (Plastikman) wie auch für kaputte Seelen (Wire) Interessantes. Mute – ein Name, der auch heute noch für Qualität steht und hier von Terry Burrows gebürtig gefeiert wird. Und schnell wird klar: Am eigentlich Konzept der Veröffentlichungen hat sich während 40 Jahren nichts geändert: Noch immer gilt das Raue, das Seelenvolle, die ehrliche Intention. Auch im Design.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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