Hans Zimmer + Benjamin Wallfisch – Blade Runner 2049 (2017)

„Blade Runner 2049“ war ein riesiges Ereignis im Kinojahr 2017, doch leider fand der Film von Denis Villeneuve sehr wenig Zuschauer. Ein unerklärlicher Umstand, ist das Sci-Fi-Werk doch ein bild- und tongewaltiger Streifen, mit intelligenter Geschichte und die perfekte Fortführung des Kultfilms „Blade Runner“ aus dem Jahre 1982. Da musste natürlich ein ebenbürtiger Score her, und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Komponist Jóhann Jóhannsson übernahmen Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch die Aufgabe. Die Weisung, bekannte Elemente von Vangelis in die Musik einzuflechten, aber trotzdem etwas neues zu erschaffen, war keine einfache. Das zeigt sich auch beim Anhören der CDs.

Aufgeteilt auf zwei Silberscheiben und mit allen, im Film angespielten Liedern versehen, ist „Blade Runner 2049“ ein schönes Komplettpaket für alle Soundtrackfreunde – scheitert aber leider auch genau darum. Denn obwohl man somit ein chronologisches Klangbild des Films erhält, wird man durch Stücke wie „Summer Wind“ (Frank Sinatra) oder „Suspicious Minds“ (Elvis Presley) immer wieder aus der Stimmung gerissen. Nur der düstere Popsong „Almost Human“ von Lauren Daigle passt als Schlusspunkt, wurde aber extra für den Film geschrieben. Ansonsten herrschen die elektronischen Momente von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch, welche oft so dunkel daherkommen wie dystopische Betonschluchten.

Die lichten und kitschigen Synthies des Originals werden immer wieder angesprochen, übernehmen die Musik aber nie in der Art, wie es bei Vangelis der Fall war. Viel eher bricht immer wieder eine ohrebetäubende Perkussion aus („Blade Runner“ oder „Sea Wall“), laute Bässe überlagern alle Frequenzen und man spürt richtig, wie sich Replikanten gegenseitig jagen. Allgemein ist die Musik von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch eher depressiv und drohend, nimmt sich aber auch viele Freiräume um weit und mysteriös zu klingen.

Dieses extreme Gefälle zwischen lautem Donner und leicht fliessenden Melodienfetzen verhindert somit ein Erfolgserlebnis, das es den beiden Komponisten zuletzt bei „Dunkirk“ gelungen ist. Somit gilt leider auch für „Blade Runner 2049“ die alte Weisheit, dass die Musik ohne Bilder nicht gleich gut wirkt. Einzelne Momente wie „Flight To LAPD“ oder „Hijack“ fesseln jedoch extrem und werden auch in 32 Jahren noch genauso strahlen.

Anspieltipps:
Flight To LAPD, Wallace, Hijack, Blade Runner

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s