Live: The Beauty Of Gemina, Moods Zürich, 17-11-24

The Beauty Of Gemina
Freitag 24. November 2017
Moods, Zürich

Man spürte es bereits vor dem Betreten des Moods: Dieses Konzert würde etwas Spezielles sein. Draussen im Foyer sammelten sich alte Freunde und Bekannte, liessen die neugierigen Blicke zwischen Merchandise-Stand und Kordeln umhergleiten, Schilder wiesen daraufhin, dass dieses Konzert live übertragen wird. The Beauty Of Gemina waren zurück in Zürich und hatten keine Mühe gescheut, um ihr Album „Minor Sun“ auch als akustische Reise durch die dunklen Musikkünste formvollendet darbieten zu können. Dass die Band um Michael Sele dafür tief in sich gekehrt war, überraschte nicht.

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern wurden hier bekannte Lieder nicht nur in einer reduzierten und leiseren Version gespielt, The Beauty Of Gemina schrieben ihre Stücke um und ermöglichten somit allen Besuchern ein fesselndes und neuartiges Programm. Was auch nötig war, denn Wave-Brocken wie „Hunters“ oder „Suicide Landscape“ leben eigentlich von ihren harten Beats und brodelnden Keyboardflächen – wieso also das nicht eifach einmal mit Saxophon, Cello und Violine austauschen?

Was auf den ersten Gedanken vielleicht etwas fremd klingt, funktionierte im Moods perfekt. Lieder und Geschichten wurden in eine neue Welt transportiert, Sele wechselte zwischen Flügel und Gitarren und führte seine sechs Musikerinnen und Musiker geschickt durch eine Reise über alle Alben und Jahre. „Down By The Horses“ entführte in einen Saloon im Wilden Westen, bei „Mariannah“ lebte Violinistin Eva Wey ihre schottische Herkunft aus und das Depeche Mode-Cover „Personal Jesus“ fügte sich genial in den Kosmos von The Beauty Of Gemina ein.

Dass diese neuen Songgewänder und umgebauten Strukturen so wunderschön funktionierten, war natürlich auch den fantastischen Musikern zu verdanken – Michael Sele hat sich hier wahrlich eine extrem talentierte Besetzung zusammengestellt. Nebst den langjährigen Begleitern Andreas Zubler (Bass) und Mac Vinzens (Schlagzeug) liess der virtuose Saitenzauberer Ariel Rossi die Melodien auf der Gitarre riesengross werden, Raphael J. Zweifel legte herrliche Fundamente mit seinem Cello. Und als liedführende Weisungen dann plötzlich aus dem Saxophon von Ejyolfur Porleifsson kamen – wie bei dem immer herrlichen „The Lonesome Death Of A Goth DJ“ – da war die Verwandlung perfekt.

Kein Wunder also, schlossen The Beauty Of Gemina nach vielen Zugaben und noch mehr verdientem Beifall ihr Konzert mit dem Talking Heads-Cover „Listening Wind“. Dieses Lied wurde im Zuge seiner eigenen Musikwandlungen auch von Peter Gabriel für die orchestrale Tour gecovert. Und was der Art-Rocker aus England kann, das können die Gothic-Meister aus der Schweiz schon lange! The Beauty Of Gemina haben mit ihrer diesjährigen Akustik-Tour erneut bewiesen, dass ihre Musik tiefgründig, wunderschön und voller Reiz ist. Michael Seles Gesang war so eindringlich wie nie, die schwarze Ästhetik auf ihrem Höhepunkt. Dies ist die „Dark Revolution“ – mit oder ohne Bier!

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

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