Live: Warhaus, Schüür Luzern, 17-11-22


Warhaus
Support: Ursina
Mittwoch 22. November 2017
Schüür, Luzern

Wie schnell sich ein Club doch noch füllen kann, ist immer erstaunlich. Zu Beginn des Abends war der Barraum der Schüür in Luzern nämlich noch eher spärlich mit Besuchern bestückt, doch als Maarten Devoldere dann zusammen mit seiner Band die Bühne betrat, gab es praktisch keinen freien Zentimeter mehr. Warhaus haben sich innert weniger Monate und mit nur zwei Studioalben einen Ruf erarbeitet, der auch am Mittwochabend viele Menschen aus ihren warmen Wohnungen lockte – und dies zu Recht. Gut gelaunt und voller Elan präsentierten sie das neue Album „Warhaus“ und brachten einige zum Schmachten.

Dies lag aber nicht nur an dem optisch positiven Eindruck, den die vier Mannen an den Instrumenten hinterliessen, sondern auch an den Kompositionen selber. Warhaus haben sich unter der Federführung von Devoldere nicht nur als eigenständige Band neben Balthazar emanzipiert, sondern mit ihrer Mischung aus verruchtem Indie, lockerem Jazz und nächtlicher Lust wahre Songperlen erschaffen. Was auf Platte oft leicht fragend und etwas zurückhaltend erschient, wurde in der Schüür zu einer direkten Aussage und einem lauten Ausrufezeichen. Das verschmitzte Spiel zwischen Frau und Mann wurde ohne Sängerin Sylvie Kreusch eine direkte Schlagseite ohne Konfrontation, ein Einblick in die Liebespsyche des männlichen Wesens.

Dank dem spontanen Eingreifen einer jungen Konzertbesucherin und der Übernahme der zweiten Stimme bei „Love’s A Stranger“ wurde Warhaus dann aber doch noch die Stirn geboten, und Devoldere zeigte sich ehrlich erfreut und überrascht. Vielleicht ein Grund, wieso er sich manchmal etwas verzettelte? Wie auch immer, dank vielen Interaktionen mit dem Publikum, einem singenden Spaziergang durch die Ränge und langer Mitsingaktion wurde das Konzert zu einer Feier für die eigene Sinnlichkeit und dem Verbund zwischen Künstler und Fan. Bald bewegten sich alle zu den mitreissenden Takten von „Mad World“, „The Good Lie“ oder „Against The Rich“ und jubelten ausgelassen.

Schön auch, dass sich die Band immer wieder Raum nahm, und Stücke wie „Machinery“ zu lauten und wilden Jam-Sessions ausarten liessen, mit geloopten Bläsern verstärkten und jeden Nachtclub auseinandernahmen. Bei Warhaus wird nun also nicht mehr geflüstert und gestreichelt, jetzt wird kräftig angepackt und gekratzt.

Dagegen gab sich Ursina mit Bassbegleitung Martina richtig zaghaft, spielte aber nicht ohne Charme und liess so manche Melodie wie einen schönen Traum erklingen – ein leichtes Vorspiel also. Ob nun Graubünden oder Belgien, Reize gibt es überall und in Luzern trafen alle im richtigen Moment aufeinander.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s