Useless – Neglect (2017)

Ist diese Band nicht etwas zu jung, um sich dem Sound der Neunziger hinzugeben und den Grunge mit ganzen Körpern zu erforschen? Ach, was für eine beschränkte Aussage! Denn solange sich immer wieder Jungspunde daran machen, die glorreichen Zeiten des Rocks neu aufzuarbeiten, dürfen auch die dreckigen und schmerzenden Momente der aktuelleren Alternative Rock Geschichte erneut im Rampenlicht stehen. Besonders, wenn es so packend und vielschichtig klingt wie bei der Winterthurer Truppe useless. Von der Schweizer Stadt her kämpfen eine Frau und drei Mannen gegen das musikalische Unrecht und den Körperhorror.

„Neglect“ ist nicht nur der Namen der zweiten EP von useless, sondern auch eine Aufmerksamkeitsstörung. Der Titel gibt also gleich vor, dass in den fünf neuen und düsteren Liedern die Nachdenklichkeit und Probleme von unsicheren Menschen niemals vergessen werden. Ganz in der Tradition von Bands, die damals schon verlorene Teenager eine Stütze waren, wird auch hier dröhnende Gitarrenmusik mit Einflüssen des Punk, Stoner oder Hardcore gemischt und sehr eindringlich präsentiert. „Cerebral Coma“ lässt die Nirvana-Fratze aufblitzen, „Dreamer“ wälzt sich während sechs Minuten durch Riffs und Perkussionswirbel.

useless sind aber nie reine Zitatenschwinger, sondern nehmen ihre eigenen Ängste, Ideen und Wünsche auf und vermengen diese mit drohendem Gesang und energievoller Musik. Da darf es auch gerne unfertig und wild rumpeln wie bei „GFY“, die grossen Gesten und weiten Sounds folgen alsbald wieder. Mit nur fünf Stücken ist „Neglect“ zwar kurz, bietet aber viel um mitzufühlen, zu schreien und sich aus dem Dunkeln wagen. Schliesslich gibt es auch heute, ohne einengendes Zimmer in der Familienwohnung, noch genügend Gründe um sich den Kopf über die Welt zu zerbrechen. Hier findet man Verbündete.

Anspieltipps:
Madcap, Cerebral Coma, „Jesse“ She Said

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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