Klez.e – November (2017)

Wenn man das Jahr schon mit einem neuen Album und viel Lob beginnen konnte, dann wiederholt man dies doch auch gerne zum Jahresende. Klez.e aus Berlin, welche seit 2002 Europa mit ihrem Alternativen Rock voller Wave- und Krautrock-Einflüsse näher zusammenbringen, haben sich nämlich entscheiden, die Livetour zur neusten Platte „Desintegration“ für die Ewigkeit festzuhalten. Unter dem Namen „November“ werden diverse Stationen der Konzertreihe zu einer 100-minütigen Performance zusammengefasst und zeigen das Trio von der stärksten Seite – immer in hellem Licht, doch nie ganz so verschwommen wie auf dem Cover.

Lieder wie „Drohnen“, „Schwarz“ oder „Lobbyist“ dürfen sich in diesen Konzertaufnahmen nämlich mit scharfen Konturen und prägnantem Ausdruck zeigen, Klez.e steigern ihre neuen Lieder aber zu noch grösseren Darstellungsformen und Gefässen. Man darf sich jeden Song des Albums auf „November“ in packender Version zu Gemüte führen und diese gleich mit Aussagen der Vergangenheit vergleichen. Ob nun „Strandlied“ sich lange und hypnotisch dahinzieht oder „Madonna“ immer weiter in ein pochendes Tanzstück ausartet, hier vermengt sich poetische Dystopie und nachdenkliche Realitätsbewältigung.

Klanglich bewegt sich Klez.e immer in der Nähe von The Cure, der Bass nimmt die Vorherrschaft, Orgel und Gitarre dienen zur Untermalung der Gesangsformen. Das führt zu einem dunklen Sound, der perfekt zu den Texten passt, einem monochromen Klangbild, das sich zwischen Grossstadt und Provinzzerfall setzt. Und bereits nach wenigen Minuten gleitet man durch „November“ wie eine Drohne über Brachland, nur um in der ferne immer wieder die Sonne aufblitzen zu sehen. Wer die Band aus Deutschland also live verpasst hatte, der erhält hier also die beste Möglichkeit, die Konzerte nachzuholen.

Anspieltipps:
Drohnen, Strandlied, Schwarz

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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