Live: Anathema, Z7 Pratteln, 17-10-18

Anathema
Support: Alcest
Mittwoch 18. Oktober 2017
Z7, Pratteln

Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark sich die Musik von Anathema verändert hat – nicht nur im Vergleich zu ihren ersten Doom Metal-Alben, sondern auch in den letzten Jahren. Das Konzert in Pratteln, welches die Band im Rahmen ihrer Tour zum neusten Werk „The Optimist“ gab, zeigte dies auf spannende Weise. Denn die Engländer, welche seit 1990 die Prog-Welt mit ihrem unverkennbaren Klangbild aufmischen, zeigten ein gutes Händchen bei der Songwahl und liessen das zweistündige Konzert zu einer kleinen Reise in die Vergangenheit mutieren. Immer präsent war aber die erhabene, romantische und berührende Stimmung, welche ihre Musik auszeichnet.

Perfekt passend war in diesem Gesichtspunkt auch der Support mit den Franzosen von Alcest. Die Gruppe aus Avignon ist Stéphane „Neige“ Pauts kreatives Kind und wird live zu einer Band, welche die Welten des Shoegaze und Black Metal zu gewaltigen und emotionalen Klangwänden zusammenführt. Mit ihrer neusten Platte „Kodama“ im Gepäck liessen sie das Z7 in tiefe Gitarrenflächen, verträumte Melodien und immer wieder aufbrausendes Schlagzeugspiel eintauchen. Ob ihre Musik nun wie extrem langsam gespielter Heavy Metal oder die süsse Version von teuflischem Material klingt, ihre Songs konnten immer überzeugen. Und dank Darbietungen von älteren Songs wie „Autre Temps“ kamen auch langjährige Fans auf ihre Kosten, die am Ende dieses Auftrittes gleich strahlten wie Novizen.

Anathema konnten sich nach einem solchen Start nicht zurücklehnen, viel eher mussten die Herren und die Dame zeigen, dass ihre wirkungsvolle Mischung aus Art-Rock, Prog und Dreampop auch live gelingen kann. Der Einstieg mit „Untouchable Pt. 1+2“ war geschickt gewählt, bietet dieses Doppel mit Stakkato-Keyboard, ausführlichen Gitarrenpassagen und dreistimmigem Gesang doch alle Zutaten, die diesen Kuchen so herrlich schmecken lassen. Zwar wirkte einiges etwas verzettelt – besonders „The Lost Song Pt. 3“ ging nicht ganz auf – und die intensive Wirkung der Alben wollte sich zuerst nicht einstellen, doch spätestens mit dem „A Fine Day To Exit“-Doppelpack „Barriers“ und „Pressure“ nahm die Darbietung Fahrt auf.

Dank geschickter Kombination der Albenkonzepte und einem Sound, der sich seit „We’re Here Because We’re Here“ stärker auf positive und gefühlvolle Aussagen konzentriert, versank man vollends in träumerischen Liedern, wunderbaren Gitarrenwänden und verliebte sich zum unzähligsten Mal in Lee Douglas. Die Sängerin setzte mit ihrer Stimme wichtige Akzente und Anathema spielten sich als Kollektiv in höchste Sphären. Schön, dass man mit „Closer“ und „Fragile Dreams“ die alten Tage wiederbelebte und die Flugformationen von neuen Kompositionen wie „Dreaming Light“ oder „Lightning Song“ erdete. Zu Recht wird diese Band also nicht nur in Szenenkreisen bejubelt und mit Lob überschüttet – intensivere Erfahrungen als bei Anathema gibt es selten.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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