Fantoche 2017 – Tag 2: Wettbewerbe

Mittwoch 06. September 2017
Diverse Orte – Baden
Website: fantoche.ch

Der zweite Fantoche-Tag stand für ARTNOIR ganz im Zeichen der animierten Kurzfilme. Gleich zwei Schweizer und zwei internationale Wettbewerbe füllten den Abend; insgesamt machte das nicht weniger als 40 wunderschöne, verstörende, einfühlsame und aufwühlende Geschichten. Dabei zeigte sich, dass derzeit das Handgemachte stark auf dem Vormarsch ist. Typische CGI-Erzeugnisse sah man praktisch keine, dafür wieder vermehrt Filme in Stop-Motion.

Ebenso sind diese Wettbewerbe der perfekte Tummelplatz, um bei den Inhalten und den Präsentationsformen Grenzen zu sprengen. Hier können sich Produzenten aktueller Kino- und TV-Erzeugnisse noch viele Scheiben von diesen jungen Künstlern abschneiden.



International Competition 1
8 Kurzfilme aus diversen Ländern

Wer sich international mit einem Kurzfilm behaupten will, der setzt vor allem auf Geschichten, die ohne Sprache erzählt werden können. Bei Animationsfilmen sind Sounddesign und Musik extrem wichtig, um Stimmungen zu erschaffen. Perfekt gelingt dies „Sore Eyes For Infinity“ – hier wandelt sich der Score von experimentellem Electro zu Techno und lärmigem Ambient. Da darf sich auch die echte Welt plötzlich in einen Film schleichen, wie bei dem wundervoll mit Malerei und Stop-Motion kombinierten „The Full Story„. 3D-Animation sieht man nur einmal („Ugly„), dafür eine wunderschöne und mysteriöse Puppengeschichte („Nachtstück„), oder eine kritische Aussage gegen den Landraub an der Natur („Lupus„) mit tollen Modellen.

International Competition 2
8 Kurzfilme aus diversen Ländern

Der Internationale Wettbewerb 2 wartet unter anderem mit dem längsten der ausgewählten Kurzfilme auf: „Toutes Les Poupées Ne Pleurent Pas“ ist ein Puppenanimationsfilm über die Schaffung eines Puppenanimationsfilms. Eindringlich wird es mit „Vilaine Fille„, der eine patriarchalische Welt durch native Kinderaugen betrachtet. Doch auch der Humor darf nicht fehlen: „La Table“ und sein widerspenstiger Holzspan, der sich partout nicht entfernen lassen will, ist genauso unterhaltsam wie der knackige, auf einer Schreibmaschine (jawohl, richtig gelesen) produzierte Film „G-AAAH„.



Swiss Competition 1
12 Kurzfilme aus der Schweiz

Der Schweizer Wettbewerb 1 zeigt vor allem Handgemachtes. Da gibt es ein Beziehungsdrama im Gemäldestil („A L’Horizon„) oder den wahnsinnig aufwendig gemachten Stop-Motion-Film „Transient„, der von einer herzerwärmenden Begegnung mit kühlem Ende erzählt. Auf der gesellschaftskritischen Seite bewegen wir uns mit einer fast unaushaltbar schnellen Assoziationskette aus Alltagsdingen („In A Nutshell„). Und mit „Die Teufelsbrücke von Uri“ findet sogar eine alte Schweizer Sage vom Pakt mit dem Teufel den Weg auf die Leinwand.

Swiss Competition 2
12 Kurzfilme aus der Schweiz

Ob kritische Beiträge gegen gesellschaftliche Zwänge, verwunderlich angewandte Animationstechniken oder unterschiedlichste Präsentationsformen – der zweite Wettbewerb der Schweizer Kurzfilme bietet eine grosse Vielfalt. Mit „Scottish Muslim Voices“ wird der versteckte Rassismus in kurzer Dokuform angeprangert, „Féroce“ transportiert die Zuschauer für 15 Minuten in einen blutigen Thriller oder man schaut dem Treiben auf dem Flughafen bei „Airport“ zu, gezeichnet auf Glas. Auch wenn nicht alles immer gleich gut funktioniert, Collagen-Satire gegen idiotischen Tourismus („Swiss Made„) oder Vergangenheitsbewältigung des Jobs als Liftboy („Ooze„) lässt staunen und strahlen. Wahnsinn, diese Vielfalt in unserem Land.



Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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