Fantoche 2017 – Tag 1: Loving Vincent

Dienstag 05. September 2017
Diverse Orte – Baden
Website: fantoche.ch

Jedes Jahr im September verwandelt sich die Kleinstadt Baden an der Limmat für sechs Tage in das Mekka der Animationsfilm-Interessierten – und auch dieses Jahr öffnete das Fantoche wieder seine Tore. Was am Dienstag noch eher ruhig und überschaubar vonstatten ging, wird die restlichen Tage der Woche nicht nur die Kinosäle, sondern auch Kunstorte, Kulturzentren und die halbe Innenstadt in seinen Bann ziehen.

Nebst den jährlich stattfindenden Wettbewerben für Kurzfilme gibt es auch dieses Jahr Langfilm-Premieren, interessante Themenblöcke (unter anderem zum Thema Brexit), Ausstellungen, Workshops, Dikussionsrunden und Partys. Ob man sich nun das Bier spätabends mit GIFs bunter gestaltet, am Morgen zwischen Kaffee und Gipfeli den Künstlern zuhört oder den gesamten Nachmittag von Saal zu Saal hetzt, um die besten Plätze im Kino zu ergattern – langweilig wird es auch bei der 15. Ausgabe des Fantoche nie. Und genau darum werden wir versuchen, jeden Tag über neue Aspekte zu berichten – denn Animation heisst bei Weitem nicht nur Film und Zeichnung.


Die Ehre der Festivaleröffnung hatte dieses Jahr eine ganz besondere Produktion:

Loving Vincent
Land / Jahr: England, Polen / 2017
Regie: Dorota Kobiela und Hugh Welchman
Musik: Clint Mansell
Website: lovingvincent.com

Die 15. Ausgabe des Fantoche-Festivals wurde mit dem Film „Loving Vincent“ eröffnet. Die britisch-polnische Co-Produktion erweckt verschiedenste Werke Vincent van Goghs zum Leben, farbrauschende Szenen und schwarz-weiss gehaltene Rückblenden beleuchten ein tragisches Künstlerleben und insbesondere die Wochen kurz vor seinem Tod.

Bemerkenswert ist vor allem die Technik, mit der „Loving Vincent“ geschaffen wurde. Die Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman entwickelten aus van Goghs Kunstwerken 377 Referenzbilder für die Handlung, alle in seinem typischen Stil gehalten. Auf diesen Bildern basierend wurde der Film zunächst mit Schauspielern aufgenommen – darunter auch einige bekannte Namen wie Saoirse Ronan (Brooklyn), Aidan Turner (The Hobbit) oder Jerome Flynn (Game of Thrones). Schliesslich malten über 120 Künstler aus ganz Europa die Aufnahmen mittels eines Rotoskopie-Verfahrens in Ölfarbe nach und digitalisierten jedes der rund 65’000 so entstandenen Einzelbilder. Dieser wahnsinnig aufwendige Prozess hat sich gelohnt: „Loving Vincent“ sieht nicht nur fantastisch aus, sondern ist auch durchweg spannend, einfühlsam und berührend.

„Loving Vincent“ läuft in der Deutschschweiz im Dezember an. Für interessierte Fantoche-Besucher wird am Donnerstag, 7. September 2017, in Anwesenheit von Hugh Welchman ein Making-of dieses aussergewöhnlichen Films gezeigt.



Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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