Nick Cave & Warren Ellis – War Machine (2017)

Nick Cave & Warren Ellis – War Machine
Label: Lakeshore Records, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Soundtrack, Electronica

In den aktuellen Zeiten des Streamings passieren Dinge, die früher nicht einmal als Witz funktioniert hätten. So produzierte der Gigant Netflix mit Regisseur David Michôd einen satirischen Kriegsfilm, positionierte Brad Pitt in der Hauptrolle und liess die Musik von Nick Cave und Warren Ellis komponieren – nur um den Film den Leuten auf kleinen Bildschirmen in unkonzentrierten Momenten näher zu bringen? Bin ich etwa schon zu alt, um ein solches Vorgehen zu verstehen? Wie auch immer, die beiden Musiker haben uns immerhin einen Soundtrack geschenkt, der an Schönheit und Tiefe den Film selber um Weiten übertreffen.

Wenn Nick Cave und Warren Ellis zusammen Songs schreiben, dann entstehen meist wunderschöne und bewegende Momente – zuletzt gehört beim Album „Skeleton Tree“ mit The Bad Seeds. Auch ihre Soundtrack-Arbeiten haben schon manche Stunden im Lichtspiel intensiver gestaltet – und auch „War Machine“ bietet die nötige Spiritualität. Denn obwohl es eigentlich um kriegerische Handlungen geht, werden bei der Musik die leisten Töne gross geschrieben. Tracks wie „Humble Man“ oder „Marjah“ beginnen oft in der sanften Electronica, gleiten wie Ambient dahin und leben von den Synthies.

Wenige Instrumente des Orchesters kommen zum Einsatz, viel eher gelten hier die düsteren Stimmungen und das langsame Wachstum. Denn immer wieder gelingt es Nick Cave und Warren Ellis, Elemente der militärischen Musik mit schönen Melodien zu kombinieren und den Hörer dann doch vor einen Berg zu stellen. Was teilweise direkt von „Skeleton Tree“ stammen könnte, gerät aber auch wunderbar karg und dann wieder extrem elektronisch. Nicht zuletzt war es darum auch eine perfekte Entscheidung, vier Stücke von Roedelius in den Score einzuverweben. „War Machine“ ist somit unaufgeregt, zurückhaltend und genau darum auch faszinierend hübsch.

Anspieltipps:
Humble Man, Thousands Of Parades All Over America, Marjah

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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