Live: Winterthurer Musikfestwochen, Steinberggasse Winterthur, 17-08-19

42. Winterthurer Musikfestwochen
Bands: FeistGlen HansardAndy Shauf
Samstag 19. August 2017
Steinberggasse, Winterthur

Die Musikfestwochen in Winterthur sind nicht nur jedes Jahr für Überraschungen gut, die letzten drei Abende in der Steinberggasse weisen auch jedes Jahr eine komplett andere Stimmung auf. So stand der Samstag in dieser 42. Ausgabe für zauberhafte Musik und kleine Gefühle im Grossformat. Der einzelne Musiker und die alleinige Künstlerin wurden während drei Konzerten zelebriert und die Sommernacht versank in einer wunderschönen und fast andächtigen Stimmung – wunderbar beleuchtet mit tollen Lichterketten, weit über den Köpfen der Besucher.

Wobei es nicht ganz fair ist, diese drei Acts auf ihre Frontleute zu reduzieren. Denn Andy Shauf aus Kanada ist zwar Multiinstrumentalist und ein zarter Songwriter, an diesem Samstagabend liess er sich aber von einer Band begleiten. Der hübsche Indie-Folk war also nicht nur zerbrechliche Stimme und akustische Gitarre, sondern auch Schlagzeug und Bass, Orgel und zwei Klarinetten. Shauf führte seine Band sicher durch die oft etwas unscheinbaren Stücke und hielt auch die Interaktion mit den Besuchern auf einem Minimum. Diese Art von Musik ist für einen Festival-Gig nicht immer geeignet, hier in Winterthur hat es aber toll geklappt.

Was nicht immer selbstverständlich ist, werden die Gruppen vor dem eigentlichen Hauptstar auch gerne etwas ignoriert. Nicht so aber in der Steinberggasse, die Leute waren von Anfang an bereit, leise der Musik zuzuhören und immer wieder mitzuklatschen und zu singen. Das freute die Indie-Pop-Künstlerin Feist, ebenfalls aus Kanada stammend, schon vor ihrem Auftritt – und natürlich liess sie darum die Leute immer wieder mitmachen. Das sorgte, nebst der wunderbar quirligen Art der Musikerin und der wirklich stark aufspielenden Band, immer wieder für humorvolle und freudenstrahlende Momente.

Wobei das Konzert besonders gegen Ende dann seine wahre Kraft entfalten konnte und die Leute bei Hits wie „Sea Lion Woman“ oder „Let It Die“ in völligen Jubel ausbrachen. Das Konzert mit der kompletten Darbietung ihres neusten Albums „Pleasure“ zu beginnen war nämlich etwas gewagt, Feist hatte aber auch damit gewonnen. Wobei es, zumindest aus meiner Sicht, nicht ganz für das Highlight an diesem Abend gereicht hatte. Diese Leistung hat nämlich der irische Musiker Glen Hansard für sich verbuchen können.

Nach vier Jahren endlich wieder auf dieser Bühne in Winterthur und nur mit einer Akustikgitarre und einem Klavier bewaffnet, wurde seine Darbietung zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle und intensiver Gedanken. Seine Folk-Stücke wurden in diesem reduzierten Singer-Songwriter-Gewand zu strahlenden Diamanten; mit seiner druckvollen Stimme zauberte Hansard bei jedem Besucher Gänsehaut herbei. Er zeigte sich als emphatische Figur, kommentierte die aktuelle politische Lage und machte aus allen Besuchern eine grosse Familie. Und genau wegen diesen Erlebnissen sind die Winterthurer Musikfestwochen einfach einzigartig und hallen noch lange im Herzen nach.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

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