Steven Wilson – To The Bone (2017)

Steven Wilson – To The Bone
Label: Caroline Distribution, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Künstler
Genre: Art-Pop, Rock

Wie, dass „Permanating“ extrem poppig ist und an Electric Light Orchestra erinnert soll ein Schock sein? Steven Wilson verrate hier seine Seele und gibt sich mit dem Wechsel zu einem Majorlabel auch musikalisch auf Ausverkauf? Wer seine Argumentation bei „To The Bone“, dem fünften Soloalbum des Musikers, so anführt, der hat wohl nicht aufgepasst. Ja, Herr Wilson wurde mit Porcupine Tree bekannt und gilt zu Recht als Grossmeister des Progressive Rock – dies bewies er mit seinen Alben wie „The Raven That Refused To Sing“. Doch schon immer war er auch grosser Liebhaber der elektronischen und eingängigen Musikgenres. Als Produzent und Remixer diverser Klassiker zeigte er dies in letzter Zeit immer öfter.

Es ist also nur schlüssig, dass mit dieser Platte seine persönliche Verneigung vor der Stilrichtung Art-Pop folgt – und Steven Wilson somit Künstlern wie Peter Gabriel, Talk Talk oder Prince eine extrem geschmacksvolle Hommage bietet. „To The Bone“ ist nämlich keineswegs ein kompletter Umkehrschluss, sondern eine fantastische Erweiterung des bekannten Klangkosmos. Man trifft alte Bekannte wie Sängerin Ninet Tayeb, welche in dem wunderschönen „Pariah“ zum Gänsehaut-Duett aufgefordert wird, man darf mit der Schweizerin Sophie Hunger in düstere Beat-Gerüste absteigen. Und wenn in „Detonation“ wieder die Gitarren und komplexeren Abläufe regieren, dann ist „Hand.Cannot.Erase“ nicht weit.

Seine wahre Faszination versprüht „To The Bone“ aber, wenn es tief in die Genetik des künstlerischen und intelligenten Pop eintaucht. Steven Wilson holt bei „Refuge“ nicht nur das Syrien-Thema zu sich, sondern lässt die Mundharmonika von Mark Feltham singen; „The Same Asylum As Before“ zelebriert die grosse Kunst des Refrains und wie schon Eingangs erwähnt – „Permanating“ scheut sich weder vor Sprechgesang noch lautem Keyboard. Und dass sich all dies perfekt zusammenfügt und immer genau richtig platziert ist, das ist bei Wilson Ehrensache.

„To The Bone“ ist somit eine weitere Evolutionsstufe in Richtung des Homo Wilsonis – ein Schritt, der zeigt, dass auch scheinbar simple Musik komplex und extrem tiefenreich gestaltet werden kann. Die Unterwelt wird etwas aufgebrochen und einzelne Strahlen helles Licht kommen herein – ohne das dies auch nur einen kurzen Moment stören würde. Vielmehr gibt es dazu plötzlich Emotionen und Ideen zu entdecken, die man zuvor niemals hier vermutet hätte. Bravo Steven Wilson, Platte des Jahres?

Anspieltipps:
Pariah, Refuge, Detonation

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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