Live: Oltenair, Schützi Olten, 17-08-04

Oltenair
Bands: My Sleeping Karma, Jeans For Jesus, Giobia, One Sentence. Supervisor, Alois, Saint Tangerine Convention
Freitag 04. August 2017
Schützi, Olten

Es war echt an der Zeit, dass diese Kleinstadt an der Aare endlich ihr eigenes Festival erhielt. Alleine wegen der schweizerischen Bezeichnung für diese Art von Musikveranstaltungen – „das Open Air“ – war es nur logisch: Willkommen am ersten Oltenair beim Kulturzentrum Schützi. Aufgeteilt in einen rockigen Start am Freitag und einen Hip-Hop-lastigen Samstag wurde hier weise überlegt und grossartige Acts gebucht. Wir mischten uns also noch so gerne unter die Besucher und Künstler.

Die Ehre, als allererste Band überhaupt auf der Bühne vor der Schützi auftreten zu dürfen, fiel Saint Tangerine Convention aus Zürich zu. Mit vielen neuen Bandmitgliedern und etwas zickigen Verstärkern breitete die Truppe ihren  Vintage Rock auf dem Platz aus und liess ihre mehrstimmigen Gitarrenmelodien im Nebel verschwinden. Und wie es sich heute für die Rockszene gehört, wurde die Musik auch hier mit psychedelischem Anteil aufgelockert. Alois aus Luzern versuchten sich danach als erste Band im Saal eher am Gegenteil – reduzierter Indie-Pop mit Hipster-Einschlag. Sanft plätscherten die Songs dahin, leicht elektronisch geschminkt und nie ohne innere Ruhe.

Irgendwo zwischen hypnotischer Stille und wilden Ausbrüchen hantierten auch die Badener One Sentence. Supervisor. Ihre mitreissende Neuauflage des Krautrock, kombiniert mit schon fast heroischen Melodien und einem unglaublich perfekt spielenden Schlagzeuger, war auch in Olten wieder ein Gewinn für die Szene und die Leute. Perfekt, dass mit dieser internationalen Musik auch die Überleitung zu Giöbia aus Italien perfekt funktionierte – zeigte das Quartett doch eine wuchtige und laute Version von spannendem Psychedelic Rock.

War dieser Abend allgemein stark diesem Genre zugeneigt, wurde es ab jetzt auch lauter und träumerischer. Wobei Jeans For Jesus aus Bern die Blaupausen der standardisierten Musik mit ihrem Anti-Pop auf komplett andere Weise zerlegten. Mit grosser Lichtshow und einer gelungenen Mischung aus Liedern ihrer beider Alben hiess es ab jetzt: Ausgelassen tanzen. So wuchs „Kapitalismus Kolleg“ zu einem kontemporären Medley an, die Band spielte das Publikum in einen Rausch.

Genau der Zustand, den man für den Abschluss mit My Sleeping Karma aus Deutschland brauchte. Denn hier gab es wuchtige Breitseiten zwischen Space, Psychedelic und Stoner – manchmal keck an Monkey3 erinnernd. Mit einem Gitarristen wie ein Fels und wunderbaren Synthie-Klängen liess man die Schützi noch ein letztes Mal davonfliegen. Somit war dies nicht nur der perfekte Abschluss, sondern der Zenit eines meisterlichen Startes für das Oltenair. So kann es noch viele Jahre und Nächte weitergehen.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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