Live: U2, Olympiastadion Berlin, 17-07-12

U2
Support: Noel Gallagher’s High Flying Birds
Mittwoch 12. Juli 2017
Olympiastadion, Berlin

Gibt es einen Super-Superlativ für die explodierende Gigantomanie? Denn obwohl man sich von der wohl grössten Rockband der Welt schon einiges gewohnt ist, wird jede neue Tour von U2 wieder zu einer Steigerung. Für das 30-jährige Jubiläum des immer noch hell strahlenden Albums „The Joshua Tree“ fuhren die Iren darum nicht nur den grössten Screen der Welt auf, sondern auch eine Setliste, die alle Rahmen und Emotionen sprengte. Vorhang auf, für die nasse Reise in die Vergangenheit, inmitten des Olympiastadions in Berlin.

Dass dieser Abend speziell werden würde, das spürten die 70’000 Zuschauer, welche aus vielen Ländern angereist waren, bereits beim Auftakt mit „Sunday Bloody Sunday“. Es gibt wohl praktisch keine andere Band, die ihre Show mit einem solchen Gassenhauer beginnen kann, und das Publikum sogleich auch alles gibt. Obwohl die Sicht auf die vier Musiker von U2 für den ersten Teil noch sehr beschränkt war, spielten die Herren doch inmitten der Leute auf der B-Stage, wurde bereits jetzt ausgelassen getanzt, gesungen und gejubelt. Kein Wunder, Stücke wie „New Years Day“, „Bad“ oder „Pride“ sind weltbekannte Hits und U2 haben damit den Stadion-Rock neu begründet.

Dass es bereits jetzt wieder ohne Unterbruch regnete, das störte weder die Besucher noch die Band. Man steckte seine Energie lieber in das gemeinsame Erlebnis und Bono liess Hommagen an „Singing In The Rain“ und diverse Zitate von David Bowie in die Songs einfliessen. Somit verstärkten U2 ihre Verbindung zu Berlin mit kulturellen Hinweisen und einer grossen Spiellust. Und als die Band dann auf die grosse Bühne wechselte und der Screen in roten Farben erwachte war klar, der Ritt hat erst begonnen. Denn nun startete das wahre Herzstück, die komplette und chronologische Darbietung des Werkes „The Joshua Tree“.

Es ist sicherlich dankbar, ein Werk mit Liedern wie „Where The Streets Have No Name“ oder „With Or Without You“ zu spielen – doch auch selten gespielte und noch nie zuvor erlebbare Momente wie das elegische „Red Hill Mining Town“ oder das brutal wuchtige „Exit“ rührten tief. Die Gitarren von The Edge jaulten laut auf, Larry Mullen Jr. und Adam Clayton lieferten das druckvolle Gerüst. Da spielte es auch keine Rolle, dass Bono immer wieder etwas vom Drehbuch abwich und mit Snippets und spontanen Ansprachen die Lieder verlängerte. Aber genau dies gehört auch zu einer U2-Show, wie die wunderbaren Begleitbilder auf dem Screen und den politischen Bezügen.

So wurde im Zugabenteil die Aufmerksamkeit der Leute auf Syrien gewandt, mit eindrücklichen Videos und einer grossen Flagge, die über die Zuschauer getragen wurde. Und als bei „Ultravoilet“ dann mutige und wichtige Frauen auf dem Bildschirm platz einnahmen, da konnte man nur ehrfürchtig schauen und tief verbunden sein. Somit war auch das Konzert in Berlin wieder die U2-typische Mischung aus Politik, Gefühl, Spass und Grössenwahn – doch dank wunderbarer Setlist (welche nur im Zugabenteil etwas Momentum verlor), fantastischer Produktion und einer wunderbar gut aufgelegten Band wurde auch dieser Abend zu einem grossen Triumphzug.

Und das spürte man bereits, als Noel Gallagher’s High Flying Birds die Bühne bestiegen und den Abend einleiteten. Denn der ehemalige Musik von Oasis zeigte mit dem Konzert nicht nur, dass seine Musik einfach in solche Orte gehört, sondern dass auch sein Solomaterial wunderschön ist. „A.K.A What A Life“, „Everybody’s On The Run“ oder „In The Heat Of The Moment“ – das Publikum wurde fantastisch angeheizt und als „Wonderwall“ erklang, explodierte das Stadion zum ersten Mal. Und sollte sich bis tief in die Nacht nicht mehr beruhigen!

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

  

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